Normalerweise werden Verfahren wegen eines tätlichen Angriffes auf Vollstreckungsbeamte bis zu einem spürbaren Urteil zu Ende geführt. Damit sich andere außerhalb des Amtsgerichtes nicht bemüßigt fühlen, auch einmal gegen Polizisten, Soldaten oder Gerichtsvollzieher loszuschlagen. Doch diesmal war alles etwas anders.

In Schönbrunn (Landkreis Bamberg) ist wieder einmal Kirchweih. Der erste Festtag neigt sich dem Ende zu. Kurz vor vier Uhr früh hat die Band längst eingepackt, die Helfer haben mit dem Aufräumen begonnen. Da entwickelt sich zwischen zwei alkoholisierten Besuchern auf dem Vorplatz ein handfester Streit. Eine Polizeistreife wird zur Hilfe gerufen.

Als die beiden uniformierten Beamtinnen eintreffen, befragen sie zuerst die beiden Beteiligten und machen Beweisfotos der Verletzungen. Was dann passiert, schildert die betroffene bzw. getroffene 37-jährige Polizistin im Zeugenstand. "Ich bekam plötzlich einen Schlag von hinten auf den Hintern. Ich war so perplex." Es sei kein einfacher Klaps gewesen, sondern habe sich wie ein schmerzhafter Peitschenhieb angefühlt. Als sie sich dann umgedreht habe, sei der Angeklagte weggelaufen. Sie habe ihn dann zur Rede gestellt, und er alles zugegeben. Es seien weder Rötungen noch Blutergüsse zu sehen gewesen. Auch habe sich der 39-jährige Täter noch auf der Polizeiwache entschuldigt.

"Ordentlich getrunken"

Vor Strafrichterin Marion Aman räumte der Angeklagte, ein bislang nicht vorbestrafter Industriemechaniker aus Bamberg, die Tat ein. Er gab über seinen Rechtsanwalt Maximilian Glabasnia (Bamberg) an, "ordentlich getrunken" zu haben. Das bestätigte die Blutuntersuchung, die rund 1,7 Promille Alkohol fand. "Sobald Alkohol im Spiel ist, kennt man die Leute nicht mehr", so die Richterin.

Vor dem Festzelt sei es recht düster gewesen, erklärte der Angeklagte. Er habe mit dem Zeltgummi, der am Boden gelegen habe, herumgespielt und dann "ohne nachzudenken eine blöde Idee" gehabt. "Ich habe aber nicht auf die Polizistin gezielt, die in einer Menschenmenge stand. Ich habe auch niemanden verletzen wollen." Es sei vielmehr ein Spaß wie bei einer Schneeballschlacht gewesen. Zum Lachen war Amtsrichterin Aman allerdings nicht zumute: "Das ist ein ganz sensibler Bereich des Körpers, gerade bei Frauen."

Als Schmerzensgeld bot der Angeklagte seinem Opfer eine "kleine moralische Entschädigung" von 500 Euro an und war damit einverstanden, eine spürbare Geldauflage von 2000 Euro an das Frauenhaus Bamberg zu überweisen.

Vorbildlicher Ausgleich

"Ein vorbildlicher Täter-Opfer-Ausgleich", lobte Staatsanwältin Lea Klautke, sah einen besonderen, weil glimpflichen Fall und stellte sich der Einstellung des Verfahrens nicht entgegen. "Auf dem Papier sieht der Vorwurfs schlimmer aus als in der Realität." Damit ist der 39-jährige Industriemechaniker auch weiterhin nicht vorbestraft.