• Schuldnerberatung der Caritas Bamberg-Forchheim: Deutlich mehr Anfragen
  • "Zahlen erheblich gestiegen": Experte erklärt - Insolvenzanstieg nicht nur wegen Corona
  • Gastronomie und Tourismus besonders betroffen
  • Beobachtung nach über einem Jahr Pandemie: Die Selbstständigen haben Corona gut überstanden

Schuldnerberater aus Bamberg erklärt: So schlimm ist die Lage nach über einem Jahr Pandemie wirklich. Wolfgang Ceming ist seit 30 Jahren Schuldnerberater in Bamberg und ebenfalls für den Landkreis Forchheim zuständig. Bei inFranken.de zieht er Bilanz zu den finanziellen Folgen der Corona-Pandemie für die Menschen, die zu ihm kommen oder bereits länger seine Hilfe in Anspruch nehmen. Wir wollten wissen: Hat Corona wirklich so viele Existenzen zerstört wie befürchtet?

Schuldnerberater in Bamberg zu Corona-Folgen: "Desto stärker steigt der Druck"

Man könne grundsätzlich nicht sagen, dass Schulden von bestimmten Einkommen abhängen, sagt Ceming. Überschuldung könne jeden treffen. Und doch seien es in der Regel eher Menschen "mit niedrigem Einkommen und/oder Bildungsstand", die zu ihm kämen. "Häufig haben wir es mit Langzeitarbeitslosen zu tun, viele verschulden sich auch nach einer Krankheit oder Scheidung."

Grundsätzlich habe sich die Klientel während Corona aber nicht stark gewandelt, so Ceming. "Mit Beginn der Pandemie kamen erstmal nicht deutlich mehr Leute. Das hat später angefangen, so im Laufe des Dezembers 2020." Seitdem verzeichne er bei den Anfragen "einen deutlichen Unterschied zu Vor-Corona-Zeiten", einen "Nachfrageschub."

Das liege zum einen daran, dass "Leute die Zeit, in der ihnen Einkommen fehlt, überbrücken". So seien zum Pandemiebeginn viele Ratenzahlungen vereinbart worden. Doch irgendwann, sagt Ceming, könnten einige dieser Menschen dann ihre Raten nicht mehr bezahlen. "Je länger so ein Zustand andauert, desto stärker steigt der Druck."

Nicht nur wegen Corona: Experte erklärt Insolvenzanstieg mit rechtlicher Änderung

Neue Gruppen, die deshalb bei Ceming Beratung suchen, kämen vor allem aus der Gastronomie und dem Tourismus. Gleichzeitig meldeten sich auch immer mehr Personen bei dem Experten, die Insolvenz anmelden müssen. Allerdings sei dafür aus seiner Sicht nicht unbedingt nur Corona der Grund. "Die Bundesregierung hat die Laufzeit von Insolvenzverfahren von sechs Jahren auf drei verkürzt - und das rückwirkend zum 1. Oktober 2020. Dadurch haben wir eine lange Warteliste mit Anfragen", erklärt der Insolvenzverwalter. 

Hinzu sei gekommen, dass die Frist, bis Unternehmen Insolvenz anmelden müssen, zeitweise von sechs Monaten auf zwölf Monate verlängert wurde. Diese Regelung ist Ende April ausgelaufen. "Jetzt sind es wieder zwölf Monate", sagt Ceming. Allerdings könne er in seinem persönlichen Arbeitsalltag nicht beobachten, dass durch die Pandemie überdurchschnittlich viele Existenzen komplett zerstört worden seien. Auch im Unternehmensbereich treffe es längst nicht jeden. "Wir betreuen Verbraucherinsolvenzen, also auch viele ehemals Selbstständige, die weniger als 19 Gläubiger haben. Und da ist es so, dass meistens die wirtschaftliche Situation schon vorher schwierig war."

Wer keine Rücklagen aufgebaut habe, den treffe die Pandemie besonders stark. Nur in wenigen Fällen sei sie aber der alleinige Auslöser für eine Insolvenz gewesen. Das drückt sich auch in den Zahlen aus. Nach einem klaren Anstieg der Insolvenzen zum Jahresbeginn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im Stadtgebiet Bamberg vermeldet das Bayerische Landesamt für Statistik für den April sogar einen Rückgang um 25 Prozent. Im Landkreis Forchheim liegt der Rückgang sogar bei 40 Prozent. Die Behörde spricht sogar davon, dass sich die Insolvenzen wieder "auf niedrigem Niveau" befinden. 

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