Auf dem Michelsberg wird wieder heftig abgelästert, von einem Mönch, der aus dem Dunkel ins Rampenlicht tritt: Vorhang auf für die II. Bamberger Fastenpredigt von "Bruder Andreas" (Ulich), der es diversen Schäflein wieder sauber einschenkt: "Ja, liebe Stadt- und Landräte: warm anziehen!" rät der Mime schon im Vorfeld, dessen Seitenhiebe auf die Kommunalpolitik der FrankenDreier mit Akkordeon, Trompete und Tuba in den Ohren des Publikums klingen lässt. Was den Schauspieler, Rezitator und Strafprediger in Bamberg alle Jahre wieder inspiriert, verriet Ulich im Interview.

Innerhalb der Klosteranlage, die heuer ihr 1000-jähriges Bestehen feiert, nehmen Sie die Kommunalpolitik aufs Korn. Gibt's keine lohnenderen Ziele?
Menschliche Schwächen sind nun mal die Stärken unserer geliebten Stadt- und Landräte. Sie machen es einem nicht schwer, genügend Stoff für eine kabarettistische Fastenpredigt zu sammeln. Man braucht nur mitzuschreiben, was der eine oder andere Protagonist bei Sitzungen und anderen Gelegenheiten munter vor sich hin formuliert. Das Ganze muss dann allerdings noch gefiltert werden, damit die Damen und Herren vor Publikum nicht allzu dumm dastehen. So kommt Satire an die Realität oft nicht heran.

Peinlichkeiten im FT
Ist das nicht Wasser auf die Mühlen aller Politikverdrossenen?
Ach was! Wir freuen uns über das, was die Celebrities unserer Stadt absondern und lachen herzlich darüber. Von Verdrossenheit bleibt also keine Spur, für Zuhörer ist das Unterhaltung pur. Eine wunderbare Fundgrube ist übrigens der FT, dem die Herren und Damen manche Peinlichkeit anvertrauen. Ja, Zeitung zu lesen hat noch keinem Satiriker oder Kabarettisten geschadet.

Wie lief die Premiere im vergangenen Jahr?
Im letzten Jahr war ich als Fastenprediger in der paradiesischen Situation, dass gerade Stadtratswahl war. Und wenn anlässlich dessen überforderte Politiker auf überforderte Wahlkampfteams mit überforderten Sloganschreibern treffen, lehnt sich der Satiriker getrost zurück und genießt. Dass sie in Gefahr schwebten, veralbert zu werden, muss unseren armen Stadtvätern allerdings gedämmert sein, da sie sich konsequent vor meiner Predigt gedrückt haben. Ihr Fett haben sie trotzdem abbekommen.

Was reizt Sie daran, Ihre Strafpredigt vor Unbeteiligten abzuhalten? Oder denken Sie, dass sich diesmal ein Opfer im Zuschauerraum zeigt?
Wenn man über Kunst, Kultur, Gesellschaft und vor allem über die Politik lachen kann, dann muss man schon mal nicht darüber weinen. Vielleicht hat diesmal ja einer von der Stadtspitze den Mumm, aufzutauchen. Möglicherweise werden auch von den Fraktionen würdige Opfer ausgelost, die sich als Punchingball zur Verfügung stellen müssen. Ich bin gespannt.

Was steht diesmal an?
Die Inhalte liegen auf der Hand. Genaues wird aber noch nicht verraten. Sie können jedoch sicher sein, dass alles Mögliche und Unmögliche aufgedeckt, bloßgelegt und angeprangert wird. Es macht schließlich Spaß, das hervorzuziehen, was in Bamberg unter den Teppich gekehrt wurde, und genüsslich die Leichen im Keller unserer Gesellschaft, Kultur und Politik zu sezieren. Ich würde es mal so zusammenfassen: Hart, aber unfair wird dick aufgetragen und unter subjektiven, politisch völlig unkorrekten Gesichtspunkten in Wunden herumgestochert. Ich hoffe, dass das dann für alle Beteiligten eine wahre Freude sein wird.

Heißt's nicht so schön: "Flüssiges bricht das Fasten nicht." So gibt's in guter alter Tradition zur Predigt auch einen Starkbieranstich, oder?
Ja, mit Unterstützung von Agil und natürlich der Brauerei Ambräusianum, die das Ritual vornimmt. Der Ausschank von Starkbier zur Fastenzeit hat schließlich eine fast 400-jährige Tradition. "Flüssiges Brot" zu konsumieren, gilt noch heute nicht als Fastenbrechen.


Ein Handy-Fasten?
Wie fasten Sie selbst zur Fastenzeit?
Für jemanden wie mich - ein geduldeter Zuwanderer mit Berliner Migrationshintergrund - war es nicht leicht, mich in die hiesige Fasten-Problematik einzufühlen. Was der Franke als solcher während der Fastenzeit alles weglassen kann (sofern er die Sache ernst nimmt), wurde mir als Vegetarier aber bald beim Studieren der Speisekarten einschlägiger Wirtshäuser klar. Wobei es noch andere Fasten-Möglichkeiten gäbe, die weniger schmerzlich wären: beispielsweise ein Auto-Fasten, ein Handy-Fasten (zumindest im öffentlichen Raum) oder ein Parken-auf-dem-Gehweg-Fasten. Ich selbst verzichte schweren Herzens darauf, meinen Schreibtisch aufzuräumen. Sie glauben gar nicht, wie gesund sich das anfühlt. Auch versuche ich zur Zeit, das Hainbad zu meiden. Schwierig, aber man muss sich Ziele stecken, besonders in der Fastenzeit.
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Worauf freuen Sie sich in diesem Jahr als fastenpredigender Mönch besonders?
Auf die Musik, die's im letzten Jahr noch nicht gab. Der FrankenDreier spielt als Gruppe, die sich eigens zu diesem Anlass gründete. Wenn die Jungs dann mit Tuba, Akkordeon und Trompete auftreten, wird's ganz schön eng werden auf der Bühne des Theaters am Michelsberg. Und wenn dann noch der Ämbräusianer sein Fass in Stellung bringt ...

... bleibt kein Auge trocken. Na denn prost!

Auf einen Blick
Die 2. Bamberger Fastenpredigt hält der Schauspieler und Rezitator Andreas Ulich unter dem Stichwort "Lästern auf dem Michelsberg" am Freitag, 20. März, ab 19 Uhr im Theater am Michelsberg (Michaelsberg 10f). Dazu spielt der FrankenDreier. Tickets können sich Interessenten unter der Homepage des TaM reservieren lassen.