Der Anzug sitzt, der Schnitt passt, die Farbe. Als Harald F. (Name geändert) mit seinem Anwalt den Gerichtssaal betritt, ist erst auf den zweiten Blick klar, wer der Angeklagte und wer der Verteidiger ist. Denn auch Harald F. ist es gewohnt, auf ein gepflegtes Erscheinungsbild zu achten, war er doch 14 Jahre selbstständiger Finanzdienstleister.
War, weil sein unbedachtes Verhalten - beziehungsweise dessen Folgen - seine bisherige berufliche Laufbahn beendet haben.


"Glorreiche" Idee

Es ist die Nacht des 3. Dezember 2016, Harald F. beschreibt sie als kalt und nebelig. "Nach dem Ende einer Veranstaltung wollte ich eigentlich im Auto schlafen, doch leider war der Tank leer. Dann bin ich auf die glorreiche Idee gekommen, die zwei Kilometer heim zu fahren", sagt der 34-Jährige vor Gericht und setzt das "glorreich" in Anführungszeichen. Denn mit Alkohol im Blut war der Einfall genau das Gegenteil.
Mit seinem BMW fährt der Mann von Stückbrunn in Richtung Viereth-Trunstadt, wo er wohnt. Aufgrund der "alkoholbedingten Fahruntüchtigkeit", wie es in der Anklageschrift heißt, habe F. zunächst ein Verkehrsschild umgefahren, so dass dieses gegen ein geparktes Wohnmobil gedrückt wurde. Der Schaden liegt bei etwa 1300 Euro. Ohne sich um diesen zu kümmern, fuhr Harald F. davon.

Wenig später rammte er in Viereth-Trunstadt einen Audi A6. "Durch den Zusammenstoß wurde der Pkw über eine komplette Fahrzeuglänge entlang der Grundstücksmauer" nach vorne geschoben, heißt es in der Anklage weiter. Der Schaden am Auto liegt bei etwa 2400 Euro, bei der Gartenmauer bei rund 100 Euro. Wieder haute der Unfallverursacher einfach ab. In der Anklageschrift steht dazu nüchtern: "Sie haben sich durch die Taten als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen erwiesen."

Die Blutalkohlkonzentration lag bei 1,8 beziehungsweise 1,9 Promille, ein Problem mit Alkohol hat der Angeklagte nach eigener Aussage nicht. Bei den Geschädigten habe er sich entschuldigt, in Bezug auf die Schäden stehen die Versicherungen in Kontakt.


Zahlreiche Delikte

Richterin Marion Aman verurteilte den Mann aus dem Landkreis Bamberg wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs, vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs, vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr sowie unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Fällig wird eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu jeweils 20 Euro, sprich insgesamt 2400 Euro. Zusätzlich trägt der Angeklagte die Kosten des Verfahrens.
Das Urteil wurde noch am Tag seiner Verkündung rechtskräftig, mit den Folgen seiner Fahrt unter Alkoholeinfluss wird der 34-jährige aus dem Landkreis allerdings noch deutlich länger zu kämpfen haben.


Die Karriere ist beendet

Er habe als Selbstständiger unter dem Dach einer größeren Firma gearbeitet. Sein letztes Einkommen habe er im Dezember, dem Monat des Vorfalls, erhalten. "Ich bin auf mein Fahrzeug angewiesen, konnte den Beruf nicht mehr ausüben." Nun muss er sich arbeitslos melden. "Man hat mir einen Aufhebungsvertrag nahegelegt", sagte Harald F. vor Gericht. "Im Finanzdienstleistungsbereich werden keine Einträge geduldet." Der Aufhebungsvertrag sei die sauberere Lösung gewesen, um eine Kündigung zu umgehen.

Harald F. geht davon aus, "dass es auf Hartz 4 rauslaufen wird. Ich weiß nicht, wie es weitergeht".
Auch sein Anwalt sagte im Plädoyer: "Er weiß, dass er diesen Vorfall selbst verschuldet hat, zeigt Einsicht und Buße. Er wird hart bestraft, es ist eine Zäsur in seinem Leben", zumal gerade noch die Scheidung von der Ehefrau laufe. Selbst, wenn das Amt vorerst die Unterhaltszahlungen für die beiden gemeinsamen Kinder übernehme, müsse F. das Geld irgendwann zurückzahlen.

Der hatte mit Hilfe seines Anwalts versucht, die Höhe der Tagessätze auf 15 Euro herabzusetzen.
Doch Richterin Marion Aman sprach von "Gleichbehandlung in diesen Fällen" und befand die ursprünglich angesetzten 20 Euro für angemessen. "Deren Höhe entspricht den Verhältnissen." Das Gericht entschied außerdem, dass elf Monate vergehen müssen, bis Harald F. überhaupt versuchen darf, über eine MPU seinen Führerschein zurückzubekommen.