Die Schülerin Sina bekommt ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk: Bei der Aktion "Hallo Auto" schenkt ADAC-Moderator Uwe Hauber Sina ihre ganz persönliche Maßeinheit im Verkehrsalltag.
Leider gibt es auf den Straßen Deutschlands viel zu viele Unfälle. Ein Kind läuft fahrlässig auf die Straße, wird von einem Auto erfasst und bleibt verletzt liegen.

Nach 90 Minuten, zwei Schulstunden, begreifen die Kinder der fünften Klasse der Realschule Scheßlitz, welche Gewalt ein Auto hat - selbst wenn es in Schrittgeschwindigkeit auf einen zurollt. Nicht nur theoretisch, die Erfahrung am eigenen Leib, macht das Projekt so wirkungsvoll.

Eindrückliche Selbsterfahrung

Emely und Tim gehen in die fünfte Klasse. Sie sind gleich alt, aber Emely ist einen Kopf größer als Tim. Im Auto macht das einen großen Unterschied: Tim muss noch mit einem Kindersitz mitfahren.
"Wisst ihr, eigentlich ist Kindersitz ein blödes Wort. Bei einer Messe habe ich mich mal vor einer Gruppe über einen Kindersitz auf dem Fahrerplatz amüsiert. Der Mann, dem das Auto gehörte, war nicht viel größer als Tim. Seine Antwort auf meine blöde Reaktion war nur: Lieber mit Kindersitz, als tot", seit diesem prägenden Ereignis spricht Uwe Hauber von der Sitzerhöhung im Auto.

Seine Wortwahl fällt während des Projekts oft sehr drastisch aus: "Ihr sollt hier etwas lernen, was ihr auch nicht mehr vergesst." Eine dieser Botschaften ist zum Beispiel, dass man den frontalen Aufprall eines 50 Stundenkilometer schnellen Autos nur schwer überleben kann.

Die Aktion "Hallo Auto" geht in diesem Jahr in die 17. Runde. Seit 1997 kümmert sich der ADAC Nordbayern darum, dass Kinder "aus Erfahrung klug werden" und die Gefahren im Verkehrsalltag besser einschätzen lernen.
Seit Einführung der Aktion haben über 8200 Klassen mit mehr als 200 000 Schülern aus den fünften und sechsten Jahrgangsstufen der nordbayerischen Schulen an "Hallo Auto" teilgenommen. Allein in den letzten zwölf Jahren wurden bundesweit über zwei Millionen Kinder für den Straßenverkehr fit gemacht.

Obwohl Kinder fast täglich im Auto ihrer Eltern mitfahren, können sie die Risiken des Fortbewegungsmittels nur schwer einschätzen. Kinder können Geräusche schlechter orten als Erwachsene und oft fehlt ihnen schlichtweg der Überblick auf den Straßen mit ihrer Größe.

Formel lernen leicht gemacht

Das Gefährlichste für Kinder im Straßenverkehr ist, dass sie das Tempo eines sich nähernden Fahrzeuges nicht abschätzen können. Sie glauben, dass ein Auto, wie ein Fußgänger, einfach stehen bleiben kann.
Erst was ein Kind in der Praxis hautnah erlebt hat, bringt einen Lerneffekt. Deshalb fangen die Kinder im Verkehrsprojekt "Hallo Auto" bei sich selbst an: Sie stoppen aus vollem Lauf an einer Ziellinie und müssen erkennen, dass sie nicht sofort stehen bleiben können. Noch länger dauert es, wenn sie auf ein Flaggen-Zeichen hin sofort anhalten sollen.

Sina hat einen Bremsweg von zwei "Sina-Schritten" und einen Reaktionsweg von sechs "Sina-Schritten". Physikalische Erklärungen und mathematische Formel sind den Fünftklässlern noch unbekannt. Trotzdem gelingt es den ADAC-Moderatoren, den Kindern die richtigen Fachbegriffe zu entlocken.

Die Kinder erarbeiten sich mit bunten Karten und lautem Vorsagen selbstständig die Formel: "Reaktionsweg + Bremsweg = Anhalteweg". Diese zieht sich fortan wie ein roter Faden durch die weiteren Übungen.
Die Erfahrungen, die die Schüler an sich selbst gemacht haben, gilt es nun, auf das Auto zu übertragen.

Unfall verhindern leicht gemacht

Eine erste Steigerung: Die Kinder sollen kleine Hütchen an der Stelle aufstellen, an der sie meinen, ein 50 km/h schnelles Auto würde bei einer Vollbremsung zum Stehen kommen.

Obwohl sie an sich selbst erfahren haben, wie verhältnismäßig lange es dauert, dass sie sie zum Stillstand kommen, unterschätzen sie den Anhalteweg im ersten Anlauf gewaltig.

Auf die Frage der Moderatoren, was denn nun im Ernstfall auf der Straße passiert wäre, kommt nicht selten die - leider zutreffende - Antwort: "Dann wäre ich tot!". Ein zunächst für Kinder vielleicht nicht leicht zu bewältigender Aha-Effekt, der sich aber auf Dauer einprägt.

Ein Schritt weiter geht es in der nächsten Lerneinheit: Dafür erleben Emely und Tim angegurtet auf dem Beifahrerplatz, wie heftig sich eine Vollbremsung mit 30 km/h anfühlt. Schnell ist Emely wieder aus dem Auto draußen - leicht blass um die Nase.

Was hätte passieren können, wenn die Insassen des Autos nicht angeschnallt gewesen wären, demonstriert der "Teddy-Beifahrer". Voller Wucht schleudert das Kuscheltier, zu dem die Kinder sofort einen persönlichen Bezug aufbauen können und ihn süß finden, gegen die Windschutzscheibe.

"Versprecht ihr mir, dass ihr euch in Zukunft immer anschnallen werdet?" Sichtlich erschrockene zehn bis elfjährige Kinder versprechen es Uwe Hauber - sprachlos, mit offenen Mündern. Eltern haben die Verantwortung für ihre Kinder im Auto. Oft können Sie die Gefahren aber selbst nicht einschätzen, weil überhaupt nicht klar ist, welche Gefahren sich im Auto verbergen.

Nach zwei Schulstunden haben an diesem Tag alle Mädchen und Jungen etwas gemeinsam: Sie haben nachdrücklich etwas gelernt, mit dem sie sofort etwas in ihrem Leben anfangen können. In der Mitmach-Aktion wird jeder abgeholt, jeder hat mindestens eine Botschaft, die vielleicht sogar Leben retten kann, verinnerlicht. Anschnallen werden sich diese 26 Kinder in Zukunft auf jeden Fall alle - auch auf Kurzstrecken!