Am 19. Januar 2020 war die Welt für die Stephansgemeinde noch in Ordnung. Sie feierte den Auftakt in das 1000. Jubiläumsjahr ihrer Kirche - mit Regionalbischöfin Dorothea Greiner, Chören, Bläserensemble, mit Ehrengästen aus Politik, Kommune und katholischer Kirche, Vertretern der jüdischen und islamischen Gemeinden in Bamberg. Das ganze Jahr hindurch sollte mit rund 70 Veranstaltungen gefeiert werden. Ein weiterer Höhepunkt hätte der 24. April sein sollen. Denn auf den Tag genau vor 1000 Jahren hat Papst Benedikt VIII. diese Stiftung von Kaiserin Kunigunde geweiht.

Und dann brach die Pandemie auch über Bamberg herein und machte erst einmal alle Vorhaben zunichte. "Wir sind schon traurig, dass wir nicht so feiern können wie geplant", sagt Walter Neunhoeffer, geschäftsführender Pfarrer von St. Stephan. Doch "wir spüren, dass es in dieser Zeit um etwas anderes geht!", fügt er hinzu. So hätten all die fleißigen Planer des 1000. Jubiläumsjahres 2020 eine "charmante Lösung" gefunden: "Wir verschieben viele Termine in das Jahr 2021, da bekommt das Jubiläum eine Öffnung in die Zukunft", gewinnt der Pfarrer den Notwendigkeiten etwas Positives ab. Und freut sich, dass bereits die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner für den 24. April 2021 als Festrednerin zugesagt hat. Der ursprünglich anvisierte Dekanatskirchentag - 4./5. Juli 2020 - mit Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Erzbischof Ludwig Schick wird ebenso auf 2021 verschoben.

Auch der 24. April 2020 wird nicht sang- und klanglos über die Bühne gehen: Die Stephanskirche ist natürlich für das persönliche Gebet geöffnet. Und jeder kann sich ein besonderes Erinnerungsstück kostenlos abholen. Nämlich einen Schieferschindel von der kürzlichen Dachsanierung, gestaltet mit dem Jubiläumslogo und den Jubiläumsdaten. "Unsere Bundesfreiwilligen haben dafür gesorgt", erklärt Pfarrer Neunhoeffer.

Ökonomische Feier

Von Anfang an sollte das Jubiläumsjahr ökumenisch gefeiert werden. Das hatte schließlich auch Dekan Hans-Martin Lechner als konfessionsverbindende Losung ausgegeben. "Die 800-jährige katholische Geschichte der Stephanskirche ist für uns eine sehr große Verpflichtung, immer wieder neue Kontakte zu suchen und sich zugleich unserer evangelischen und lutherischen Tradition, unseres lutherischen Profils bewusst zu sein", so der Dekan zu dieser für ihn "geschichtsträchtigen, ökumenischen Stephanskirche".

Nach dieser geschwisterlichen Steilvorlage sagt auch Erzbischof Ludwig Schick, dass das katholische Bamberg "dankbar auf die 1000 Jahre, aber auch dankbar auf die vergangenen 200 Jahre" schaue. Gesellschaftliche Verpflichtungen und Aufgaben "zum Wohle aller in unserer Stadt" würden evangelische wie katholische Christen gemeinsam erfüllen sowie "die gute Botschaft Jesu miteinander den Menschen verkünden". Und er hoffe, so der Erzbischof, dass "die Punkte, die uns noch trennen, überwunden werden und wir dann wirklich eine Kirche sind".

Im Jahr 1020 gab es nur eine Konfession. Und es gab Kaiser Heinrich II., der Papst Benedikt VIII. nach Bamberg eingeladen hatte. Und der auch prompt mit großem Gefolge anreiste, weil er die Unterstützung des von ihm gekrönten Kaisers brauchte. In Rom und Süditalien bedrängten Patrizierfamilien und byzantinische Sarazenen den damaligen Pontifex. Der ehrte nun die Bamberger Bistumsgründung des Kaisers und weihte während seines Besuches die Stiftskirche St. Stephan - in Gegenwart von 40 Bischöfen: Damals eine Sensation, wie Diakon Bebo - ein Augenzeuge - das Geschehen in einer historischen Quelle überliefert.

Von der ursprünglichen Stephanskirche nach dem römischen Vorbild Santo Stefano Rotondo existiert nur noch der romanische Kirchturm. Im 17. Jahrhundert entstand zuerst ein neuer Chorraum. Langhaus und Seitenflügel auf dem kreuzförmigen Grundriss wurden nach Plänen von Antonio Petrini vollendet.

Während der historischen Umwälzungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde auch das Stift St. Stephan säkularisiert. Bayerns König Maximilian I. übereignete die zwischenzeitlich als Obst- und Gemüselager zweckentfremdete Stephanskirche der knapp 150 Seelen zählenden protestantischen Gemeinde. Sie bekam damit in Bamberg ihr erstes eigenes Gotteshaus und konnte dort am 28. Januar 1808 erstmals Gottesdienst feiern, anstatt wie bisher zur evangelischen Kirche in Walsdorf pilgern zu müssen.

Inzwischen ist St. Stephan mit rund 6000 Mitgliedern die größte evangelische Kirchengemeinde der Stadt.