Einpacken, Auspacken, Umräumen: In der ehemaligen Weltbild-Filiale herrscht Bewegung. Seit Anfang der Woche ist der Verkauf an den neuen Eigentümer perfekt. Rüdiger Wenk (Ahaus) hat 67 der früheren Weltbild-Filialen gekauft. Darunter auch die in der Ludwigstraße.
Filialleiterin Petra Görner samt Team ist damit beschäftigt, das Sortiment neu auszurichten. "Lesensart" wird das Geschäft künftig heißen.
Die Umfirmierung an der Fassade des 1901 bis 1902 erbauten Hauses wird dagegen noch ein wenig dauern, ist Görner überzeugt. Der goldene Weltbild-Schriftzug kann erst mit Absprache der Vermieterin entfernt werden.
Vermissen wird ihn Petra Görner nicht. "Die Stimmung ist hervorragend", lässt sie Aufbruchstimmung durchblicken. "Wir hingen ein Jahr in der Luft", blickt sie auf die Unwägbarkeiten zurück, in die der Laden durch die wirtschaftlichen Turbulenzen des Weltbild-Verlages geraten war.

Neue Entscheidungsspielräume

Was die Kunden künftig alles erwartet, ist noch nicht bis ins letzte Detail besprochen. Seit 16 Jahren war Weltbild in Bad Kis singen auf 400 Quadratmetern präsent. Petra Görner schwärmt von der Kundenbindung. "Viele nehmen Anteil und wollen wissen, wie es weitergeht." Ihr Fazit: "Die meisten kommen wegen des Teams und nicht, weil Weltbild drüber stand."
Das macht ihr offensichtlich gute Laune. Außerdem spürt sie nach ihren Worten unter dem neuen Eigentümer mehr Freiheiten, auf die Kunden einzugehen. "Endlich dürfen wir denken", lässt sie wissen.
Aktuell werden Ideen gesammelt, wie die neuen Spielräume genutzt werden können. So könnten mehr regionale Bücher angeboten, mehr auf den Kurgast eingegangen oder Souvenirs angeboten werden.
Gedanken sind auch für den kleineren der beiden Läden gefragt. Unter dem Überbegriff Weltbild.idee gab es hier ein buntes Sammelsurium von Zimmerspringbrunnen bis zum Massagekissen. "Gartenschläuche wird es hier keine mehr geben", kündigt Petra Görner an.
Welches Konzept der neue Eigentümer verfolgt, darüber herrscht in der Branche Rätselraten. Als Unbekannter sorgte Rüdiger Wenk für Aufregung. Der Filialkäufer ist früherer Zeitsoldat, IT Consultant, Finanzberater und seit weni gen Monaten Buchhändler. Bislang war von den Motiven des 48- jährigen Unternehmers nicht viel mehr bekannt als das, was auf eineinhalb DIN-A4-Seiten passt. So knapp gehalten ist das Strategiepapier, in dem er darlegt, was er mit den Filialen vorhat. Zudem gibt es weitere offene Fragen. Gesamtbetriebsrat und Wenk haben in der vergangenen Woche einen Interessensausgleich vereinbart. Demnach werden alle 400 Mitarbeiter in den betroffenen Filialen übernommen.
Gesamtbetriebsratsvorsitzende Julia Käding sagt, sie habe den neuen Eigentümer als "sehr ambitioniert" kennen gelernt. "Ihm war bewusst, dass da jede Menge Arbeit auf ihn und die Mitarbeiter zukommt."
Fest steht: Wenk will vor allem bei den Miet- und Raumkosten sparen. Ziel sei es, die Ausgaben auf unter zehn Prozent des Umsatzes zu bringen. Das war zu Weltbild-Zeiten das große Manko der Standorte. Der Verlag hatte sich "aufgrund zu hoher Struktur- und Mietkosten" von ihnen getrennt.