Heimische Nadelbäume leiden unter dem Klimawandel. Dabei war es gerade die Kiefer, in die vor Jahrzehnten hohe Erwartungen gesetzt wurden. Sie wurde dort angepflanzt, wo Jahrhunderte lang Schafe geweidet haben. Während die Kiefern mittlerweile auf den steinigen, trockenen Böden darben, hat eine Baumgewächs mit Hitze und Trockenheit anscheinend wenig Probleme: Der Wacholder. Ihm geht es gut, so die Auskunft aus der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes.

Das Zypressengewächs wächst im Landkreis überall dort, wo sich andere Bäume und Sträucher meist schwer tun. Es sind die Muschelkalkhänge, die in früheren Jahrhunderten wegen ihrer schlechten Böden hauptsächlich zur Schafbeweidung genutzt wurden. Von den Schafen wurden die stacheligen Gewächse gemieden und entwickelten sich dort zu Büschen, teilweise zu richtigen Bäumen.

Auf rund 250 Hektar Fläche finden sich im Landkreis Bad Kissingen bis heute die Wacholderheiden. Im Hammelburger Raum, rund um Münnerstadt oder auf den Trockenhängen rund um Bad Kissingen und Nüdlingen ist der Wacholder beheimatet.

Die Pflanze sei gut an Trockenheit und Hitze angepasst, erläutert die Pressesprecherin des Landratsamtes, Nathalie Bachmann auf Anfrage. Dass es Trockenschäden gibt, ist der Unteren Naturschutzbehörde nicht bekannt. Zeige der Wacholder dürre Stellen, liege das vermutlich an seinem Alter. Auch Karl Schwarz (Poppenlauer), Botanik-Experte beim Bund Naturschutz, kann das bestätigen. Er hat ebenfalls den Eindruck, dass der Wacholder gut steht.

Dem Strauch bzw. Baum geht es teilweise sogar so gut, dass er in Zaum gehalten werden muss. Eine Besonderheit der Wacholderheiden sind die dazugehörigen Magerrasenwiesen. Diese gelten als ausgesprochen artenreich und stehen im Landkreis vielfach unter Naturschutz. Sie sollen erhalten bleiben.

Breitet sich der Wacholder nun zu sehr aus, könnte er die Magerrasenflächen überwuchern. Es würde ein richtiger Wacholderwald entstehen. Das ist nicht gewollt.

Deshalb muss entweder bei der Schafbeweidung oder bei Pflegearbeiten durch den Landschaftspflegeverband junger Wacholder teilweise sogar ausgerissen werden. Das ist übrigens eine Praxis, die schon vor Jahrhunderten üblich war, kann man im Internet nachlesen. Weil die Schafe das stachelige Gewächs verschmähen, drohte es, die Weideflächen zu verdrängen. Deshalb hielt der Schäfer die Wacholderbäume mit seiner sogenannten Schäferschippe kurz.

Besonderer Lebensraum

Heute wacht die Untere Naturschutzbehörde darüber, dass die Balance in den Wacholderheiden erhalten bleibt. Denn die offenen Flächen gelten als ausgesprochen artenreicher Lebensraum, beispielsweise für Schmetterlinge oder für Orchideen. Und es gibt sogar Tiere, die den Wacholder in ihrem Namen tragen, wie die Wacholderdrossel, die Wacholderminimiermotte oder der Wacholderprachtkäfer.

Interessant ist auch, dass einzelne Exemplare ein beachtliches Alter erreichen können. Auf der Internetplattform Waldwissen.net ist nachzulesen, dass der Baum/Busch zwischen 800 und 1000 Jahre alt werden kann.

Der Wacholder ist zwar robust und wächst dort, wo sich andere Bäume schwer tun würden, aber eine forstwirtschaftliche Alternative in Zeiten des Klimawandels ist er dennoch nicht. Man spreche zwar von Wacholderbaum, aber in unseren Breiten handle es sich beim Wacholder in der Regel um Büsche, sagt Jörg Mäckler, der Leiter der Forstbetriebsgemeinschaft Fränkische Rhön und Grabfeld. Das Nadelgewächs entwickle keine Stämme, die für die Holzverarbeitung genutzt werden könnten. Und hinzu kommt, dass der Baum sehr langsam wachse.

"Der Wacholder wird seine Nische haben" sagt Jörg Mäckler. Das sind die Flächen, auf denen er bis heute wächst: trockene, steinige Muschelkalkböden.

Interessant seien seine Beeren oder der Duft seines Holzes. Die Beeren werden ja schon seit ewigen Zeiten auch in der fränkischen Küche genutzt, beispielsweise zum Verfeinern von Sauerkraut oder Wildgerichten. Als Destillat verwendet, entsteht aus ihnen das Trend-Getränk Gin. Aber dass der Wacholder einmal forstwirtschaftlich genutzt werden sollte, das sei unwahrscheinlich, meint Jörg Mäckler.