Vor 40 Jahren, am 12. November 1981, trafen sich 28 Männer und Frauen aus dem Markt Steinach auf Einladung von Kaufmann Alois Gundalach im Gasthaus "Adler-Post" zur formalen Gründung eines Sanitätszuges des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) mit angeschlossener Weiblicher Bereitschaft. Die offizielle Gründungsfeier mit Vorführungen auf dem Marktplatz folgte am 21. November in Anwesenheit des damaligen Landrats Marko Dyga (CSU). Dieses historische Ereignis und ihr 40-jähriges Bestehen feiert die BRK-Ortsgruppe am Freitag, 19. November, ab 18 Uhr, im Rotkreuz-Raum des Alten Rathauses bei einem Festessen mit Ehrung der fünf noch verbliebenen Gründungsmitglieder.

Schon 1971 war Alois Gundalach als Obergefreiter aus dem Sanitätsdienst der Bundeswehr entlassen worden. Mehrere Lehrgänge und Ausbildungszeiten in Bundeswehr-Krankenhäusern hatte er während seines 18-monatigen Wehrdienstes hinter sich und einen Ausbildungsstand erreicht, der dem eines heutigen Rettungsassistenten vergleichbar ist. "Ich hatte eine Bombenausbildung in Wildflecken." Doch dieses Wissen blieb die nächsten Jahre ungenutzt. Beruf und Familie forderten den jungen Mann. Doch immer wieder sprach er mit seinem Freund Thomas Stößel, damals stellvertretender Chefarzt des BRK-Kreisverbandes, über die Neugründung eines Sanitätszugs in Steinach. Denn die 1928 in Steinach gegründete Sanitätskolonne hatte sich bei Kriegsbeginn aufgelöst.

13 Männer bildeten den neuen Sanitätszug

Nach zwei vorbereitenden Sitzungen kam es endlich zur Gründungsversammlung. 13 Männer bildeten den neuen "Sanitätszug Steinach des Marktes Bad Bocklet", dessen Zugführer Alois Gundalach wurde, unterstützt von Hans Huber als Stellvertreter. Die gleichzeitig gegründete Weibliche Bereitschaft bestand aus 15 Frauen, geführt von Petra Limpert mit Irene Gundalach als Stellvertreterin.

Bei der öffentlichen Gründungsfeier am 21. November zeigte die Kissinger Sanitätskolonne ab 15 Uhr auf dem Marktplatz Beispiele ihrer Arbeit. Am Verbandsplatz konnte man sich über Sofortmaßnahmen am Unfallort informieren und im Rettungswagen den Blutdruck messen lassen. Einheiten aus anderen Orten präsentierten ihre Notarzt- und Rettungswagen. Mitglieder und Ehrengäste trafen sich im Gasthaus zum offiziellen Festakt, bei dem Landrat Dyga die Tatsache würdigte, dass 28 Männer und Frauen "die Idee der Menschlichkeit wieder aufgegriffen und sich in den selbstlosen Dienst am Nächsten gestellt" hätten. BRK-Chefarzt Wolfgang Ruppert und Kreiskolonnenführer Gerhard Glöckler freuten sich über den "neuen Pfeiler des Kreisverbandes, nachdem der nördliche Teil des Landkreises so lange verwaist war".

Viele Übungen

Zwei Monate später begannen die Rotkreuzler mit Erste-Hilfe-Kursen. "Wir haben Ausbildung ohne Ende gemacht", blickt Gundalach auf die vergangenen vier Jahrzehnte zurück. Viele Übungen wurden durchgeführt, um den Sanitätsdienst bei großen Festen oder Sportveranstaltungen wahrnehmen zu können. Gern erinnert sich der Zugführer an die Übernahme des ersten Fahrzeugs im Juli 1983, einen gebrauchten VW-Bus, für dessen Anschaffung der Rauchclub das Geld gespendet hatte. 1988 wurde dieser gegen einen gebrauchten Mercedes-Transporter getauscht, der weniger für Krankentransporte, sondern bei Übungen und für die ärztliche Versorgung bei Veranstaltungen eingesetzt oder für den Transport von Material und die zweimal jährliche Altpapier- und Altkleidersammlung genutzt wurde. Für echte Krankentransporte blieb das BRK Bad Kissingen verantwortlich. Auf den alten Mercedes folgte deshalb vor zwei Jahren nur ein VW Caddy als reines Transportfahrzeug.

Nur noch neun Mitglieder

Nach 40 Jahren ist die Steinacher BRK-Ortsgruppe auf neun Mitglieder geschrumpft, von denen sogar fünf noch aktive Gründungsmitglieder sind. Deshalb beschränken sich die Aktivitäten der Rotkreuzler auf den Blutspendedienst (viermal pro Jahr), auf Haussammlungen (zweimal jährlich), die Betreuung des Steinacher Wandertags, Aushilfsdienste im Kreisverband sowie die Weihnachtsfeier für Menschen mit Behinderung, die Irene und Alois Gundalach seit 33 Jahren in Steinach für den BRK-Kreisverband durchführen. Erstmals im vergangenen Jahr und auch heuer musste der festliche Jahresabschluss wegen der Pandemie ausfallen. "Einige Stammgäste haben am Telefon geweint, als sie von der Absage hörten", unterstreicht Gundalach die Bedeutung dieser Feier für die Betroffenen.

Suche nach Nachwuchs

"Das soziale Herz unseres Vereins schlägt noch immer, auch wenn wir schon lange keine Bereitschaftsdienste mehr ausführen", beschreibt Irene Gundalach die gegenwärtige Situation der Steinacher BRK-Ortsgruppe. Trotz ständiger Werbung fehlt es an Nachwuchs. "Früher hatten wir sogar eine 20-köpfige Jugendgruppe", ergänzt Ehemann Alois. Doch die jungen Steinacher scheinen kein Interesse mehr am Ehrenamt im Roten Kreuz zu haben. "Wir würden jeden nehmen, der sich meldet", ruft er zum Mitmachen auf: "Helfen Sie uns helfen!"

Ehrungen

Für ihre 40-jährige Mitgliedschaft im BRK Steinach werden am Freitag, 19. November, die Gründungsmitglieder Alois Gundalach, Irene Gundalach, Petra Limpert, Paul Roth und Rosa Roth geehrt.