Wegen Beleidigung einer Polizistin wurde ein 30-Jähriger kürzlich vom Bad Kissinger Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 3500 Euro sowie zur Übernahme der Verfahrenskosten verurteilt. Erschwerend galten bei der Urteilsfindung dessen zweimalige einschlägige Vorstrafe sowie das fehlende Geständnis.

Er habe bei dem Vorfall im August tatsächlich "Schlampe" gerufen, gab der Angeklagte zu, der ohne Verteidiger vor Gericht erschienen war. Doch habe er keinesfalls die Polizistin gemeint, sondern seine hinter ihm im Auto sitzende Freundin, mit der er sich gerade heftig gestritten hatte. Damit widersprach er dem Vorwurf des Staatsanwalts, der Angeklagte habe mit der Beschimpfung der Polizistin ihr gegenüber "seine Missachtung ausgedrückt" und sei nun wegen Beleidigung gegen einen Amtsträger zu verurteilen. Sowohl die Polizistin als auch ihr Dienststellenleiter hatten Anzeige erhoben.

Nach Aussage der Zeugen war es im Rahmen einer turbulenten Geburtstagsfeier im Familienkreis des Beschuldigten, der als Kleinkind mit seiner Familie aus Kasachstan eingewandert war, zu einem Unfall gekommen: Der Vater war wohl bei einer Schlägerei zu Boden gegangen, wobei er sich eine Sprunggelenkfraktur zugezogen hatte, wie der Rotkreuz-Ersthelfer vor Gericht bestätigte.

Drei Zeugen widersprechen

Jemand hatte den Rettungsdienst alarmiert, der wiederum die Polizeistreife wegen einer Schlägerei hinzurief. Bei ihrem Eintreffen habe sich der alkoholisierte Angeklagte sehr aggressiv gezeigt, schilderte die Polizistin als Zeugin die vorgefundene Lage, und das "Abhauen der Polizei" verlangt. Deshalb hatte sie die Mutter aufgefordert, ihren Sohn zu beruhigen, sonst müsse er in Gewahrsam genommen werden. Bald danach wurde er von einem Freund mit dem Pkw abgeholt.

Auf den konkreten Vorfall der Beleidigung angesprochen, versicherte die Polizistin, der Angeklagte hätte als Beifahrer des wegfahrenden Autos den Kopf aus dem geöffneten Fenster gereckt und mit direktem Blickkontakt zu ihr das Wort "Schlampe" gerufen. Dies bestätigten ihr Kollege und der Ersthelfer, der ergänzte, der Angeklagte sei "der Polizei gegenüber sehr aufgebracht" gewesen.

Obwohl die zu verurteilende Tat von seinem Auto aus geschah, wollte der Abholer, so erklärte er vor Gericht, davon überhaupt nichts mitbekommen haben - weder die Beleidigung des neben ihm Sitzenden noch den Inhalt seines Streits mit der Freundin. Auch diese äußerte sich vor Gericht zwar vorsichtig, bestätigte aber die Version des Angeklagten, sie habe sich "mit ihm gezofft", weshalb er sich zu ihr nach hinten umgedreht und sie als Schlampe beleidigt habe. "Jetzt wird es gefährlich", warnte die Richterin die junge Frau. "Wir haben drei Zeugen, die bestätigen, dass der Angeklagte den Kopf aus dem Autofenster gestreckt hat", klärte sie die Freundin auf. "Dazu kann ich nichts sagen", machte diese einen Rückzieher, worauf der Staatsanwalt zu ihr nur meinte: "Sie sind eben haarscharf an einer Falschaussage vorbei geschliddert."

"Die ganze Geschichte ist erstunken und erlogen", warf er in seinem Plädoyer dem Angeklagten dessen Aussage vor, die Beleidigung habe nicht der Polizistin, sondern seiner hinter ihm sitzenden Freundin gegolten. Richtig sei, dass er die Beamtin "völlig grundlos beleidigt" hat, nur weil er mit ihrer Anwesenheit nicht einverstanden gewesen sei. Zu Lasten des Angeklagten führte der Staatsanwalt die zwei einschlägigen Vorstrafen sowie dessen Uneinsichtigkeit und das fehlende Geständnis an und beantragte die Verurteilung zu 95 Tagessätzen zu je 50 Euro. Die Richterin sprach mit nur 70 Tagessätzen ein milderes Urteil, das sie "trotz vehementer Leugnung" in ihrer Begründung noch für ausreichend hielt. Der Angeklagte habe offensichtlich seinen Frust deutlich hörbar an der Polizistin ausgelassen. Vorsorglich warnte die Richterin den 30-Jährigen: Schon bei diesem dritten Mal vor Gericht wäre eine Freiheitsstrafe möglich gewesen. "Wenn Sie in Zukunft noch einmal vor Gericht stehen, wird es zu einer Freiheitsstrafe kommen."