Nach wie vor brodelt es um die Staatsbad Philharmonie Bad Kissingen. Die Fronten verhärten immer mehr. Die Redaktion gibt einen Überblick über einige strittige Punkte.

1. Wer sind die Streitparteien?

Drei Parteien sind sich uneins, wie es weitergeht: Die Philharmoniker, deren Gewerkschaft (DOV) und die Bayerische Staatsbad GmbH mit der Stadt Bad Kissingen.

2. Was sind die Kernpunkte?

Im Fokus der Musiker stehen insbesondere bessere Arbeitsbedingungen und eine höhere Vergütung sowie die Wiedereinstellung zweier gekündigter Musiker. Sie fordern einen Tarifvertrag. Der wäre für die Gesellschafter der Staatsbad GmbH - Freistaat und Stadt - nach eigenen Angaben nicht zu finanzieren.

3. Wie viel verdienen die Musiker?

Der Durchschnittslohn liegt bei etwa 3000 Euro brutto. Laut DOV ist das weniger als bei einem D-Orchester, also der niedrigsten Vergütungsgruppe für Berufsorchester. Leistungszulagen oder Instrumentengeld gibt es in Bad Kissingen bislang nicht. Gehaltserhöhungen - das gestand auch der Bad Kissinger OB Dirk Vogel ein - hat es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Manche Musiker haben seit 2009 keine Anpassung erhalten.

4. Wie viel verdient ein Musiker mit Tarifvertrag nach 19 Jahren Orchesterzugehörigkeit?

Nach 19 Jahren ist die höchste Gehaltsstufe erreicht. Eine Musikerin der höchsten Stufe aus einem angesehenen bayerischen Orchester äußerte sich gegenüber der Redaktion zu ihrem Gehalt - es liegt bei 6000 Euro brutto.

5. Was sind Eckpunkte des städtischen Angebots?

Die Wochenstunden sollen beispielsweise von 40 auf 30 reduziert werden. Zu spielen sind 13 Konzerte. Neueingestellte Musiker sollen 3171 Euro brutto erhalten. Netto sind das für eine ledige Person 2100 Euro. Nach zehn Jahren erhöht sich das Bruttogehalt laut Stadt auf 3300 Euro pro Monat, so dass ein verheirateter Musiker nach zehn Jahren bei 2435 Euro netto landet. Gleichzeitig hat die Stadt in Aussicht gestellt, dass zukünftig Tarifsteigerungen im TV-L übernommen werden. Und: Für langjährige Musiker will der OB eine Lösung finden. Laut OB liegt das Einstiegsgehalt beim städtischen Angebot über dem geforderten Tarifvertrag. Für Zusatzdienste soll es Zulagen geben. Einen Tarifvertrag möchte die Stadt nicht. Er sei nicht zu finanzieren. OB Vogel spricht von Mehrkosten von 200 000 Euro.

6. Was kritisiert die DOV am Vorschlag der Stadt?

Die Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit sei bereits bei einigen Musikern vertraglich vorhanden. Es wäre somit nur eine Verbesserung für einen Teil der Philharmoniker. Und: Es handele sich nur um eine Verringerung auf dem Papier. Laut DOV fallen 26 Stunden in der Woche für Konzerte und deren Umfeld an. Hinzu kommen zweivierstündige Proben pro Woche sowie beispielsweise Auf- und Abbauarbeiten.

Ein weiterer Kritikpunkt: Bei der Konzertanzahl ändert sich nichts. Bei der Vergütung sei keine Verbesserung erkennbar - das Gehalt liegt bereits auf der Stufe. Preissteigerungen würden nicht ausgeglichen. Musiker müssen zudem etwa Saiten selbst zahlen. Laut DOV ist die Übernahme solcher Kosten bei allen Tarif-Orchestern Standard.

Vogels Bemerkung, dass das Einstiegsgehalt aus dem städtischen Angebot bereits über dem Tarifvertrag liege, hinkt laut der DOV. Denn: Seine Argumentation ist nur bei Neueinstiegen im Orchester korrekt, nicht aber bei langjährigen Mitgliedern eines Ensembles.

Für die DOV ist nicht nachvollziehbar, wie der OB auf die Mehrkosten von 200 000 Euro bei einem Tarifvertrag kommt. Laut der Gewerkschaft gibt es Angebote mit konkreten Berechnungen, die dem OB vorliegen. Die Mehrkosten mit einem Tarifvertrag beziffert die DOV auf weniger als 100 000 Euro.

Im Fokus stünden nicht nur das Geld, sondern vor allem zukunftsfähige Arbeitsbedingungen. In beiden Fällen habe die DOV angeboten, mit der Stadt Seite an Seite zu arbeiten. Und: Schon in der Vergangenheit habe es in Bad Kissingen einen Tarifvertrag gegeben.

Im Fokus sind weiterhin die Zusatzdienste !!!!!!!!!!!!!!!. Mit diesen wird es laut Gewerkschaft kaum bei einer 30-Stunden-Woche bleiben. Außerdem eröffne sich die Frage, was eigentlich Zusatzdienste sind. Und: Im Unterschied zu einer dauerhaften, von zusätzlichen Diensten unabhängigen Gehaltserhöhung wird hier nur dann in die Rentenkasse eingezahlt, wenn auch Zusatzdienste geleistet werden. Der Kissinger Tarifvertrag würde auf die Stadt maßgeschneidert.

7. Was sind die Aufgaben der Musiker?

Hier scheiden sich die Geister. Der OB bemühte in seinem offenen Brief die Geschichte. Das Orchester sei musikalische Unterstützung der Trinkkur. Die DOV verneint das mit Hinblick auf die Vermarktung des Orchesters. Die Staatsbad GmbH wirbt mit Worten wie "Weltniveau" für die Philharmoniker. Bei der Umbenennung des Ensembles 2018 sprach Sylvie Thormann, die Kurdirektorin, davon, dass sich die Wahrnehmung vom Kurorchester hin zu einer hochwertigen Philharmonie verschieben solle. Diese damals avisierte Entwicklung soll nun - so die DOV - durch die Stadt stillschweigend umgekehrt werden.

8. Warum sollen die Kündigungen rückgängig gemacht werden?

Laut Intendant Burghard Toelke, kamen die Kündigungen ohne fachlichen Grund. Auf ihn wirkt es, als habe man einfach irgendwen treffen wollen. Die Staatsbad GmbH äußert sich dazu nicht. Die Gesellschaft hält das Orchester nach wie vor für spielfähig. Burghard Toelke dementiert das. Für den Großteil des mehr als 3000 Stücke umfassenden Repertoires brauche man die Flöten- und Klarinettenstimme.

9. Was ist dran am Vergleich?

Regelmäßig bemühte die Stadt in Sachen Gehalt den Vergleich, dass die Philharmoniker in etwa auf einer Stufe mit einem Musiklehrer stünden. Laut Stadt: eine faire Bezahlung. Sebastian Rocholl spielt bei den Nürnberger Philharmonikern Viola und ist Musiklehrer. Er sagt, der Vergleich hinke. Unter anderem sei die körperliche Belastung bei einem Lehrer geringer. Die beiden verschiedenen Berufe gleichzusetzen, zeuge von Unwissen. Hinzu kommt laut DOV, dass die Musikschullehrkräfte regelmäßige Tariferhöhungen erhalten und in höhere Altersstufen aufsteigen.

10. Wie viele Orchester in Bayern haben einen Tarifvertrag?

Von 18 Orchestern, die von der DOV in Bayern vertreten werden, haben nur zwei keinen Tarifvertrag. Das Münchner Kammerorchester, welches aufgrund des guten Gehaltes derzeit keine Notwendigkeit sieht, und die Staatsbad Philharmonie in Bad Kissingen.