Bad Kissingen
Fulda-Main-Leitung

So soll P43 in Unterfranken verlaufen

Über die Stromtrasse P43 wird in der Region erbittert gestritten. Jetzt legt Netzbetreiber Tennet den Plan für einen konkreten Korridor zwischen Motten und Bergrheinfeld vor.
Netzbetreiber Tennet legt den Plan für einen konkreten Korridor zwischen Motten und Bergrheinfeld vor
Netzbetreiber Tennet legt den Plan für einen konkreten Korridor zwischen Motten und Bergrheinfeld vor Foto: Gina Sanders - stock.adobe.com
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Wo genau wird die umstrittene Wechselstromleitung P43 durch Unterfranken führen? Zu dieser offenen Frage gibt es nun einen ersten konkreten Vorschlag: Der Netzbetreiber Tennet hat an diesem Mittwoch den Antrag auf Bundesfachplanung bei der Bundesnetzagentur eingereicht - und damit einen Trassenkorridor sowie mögliche Alternativen vorgestellt. Der Vorschlag sei noch "keine Vorfestlegung", heißt es von Tennet. Alle "infrage kommenden Korridore" würden weiter detailliert untersucht, die finale Entscheidung treffe die Bundesnetzagentur.

In der Region stoßen Tennets Pläne teils auf heftige Kritik. Der Vorschlag: Die Fulda-Main-Leitung P43 soll über insgesamt rund 130 Kilometer von Mecklar in Hessen über Dipperz (Landkreis Fulda) führen und in Bergrheinfeld im Landkreis Schweinfurt enden. Bereits im Frühjahr hatte Tennet für den hessischen Abschnitt einen ersten Korridor aufgezeigt. Nun folgt das Teilstück zwischen dem Umspannwerk Dipperz und Bergrheinfeld.

1000 Meter breiter Streifen

Dabei handelt es sich bei dem Vorschlag des Netzbetreibers zunächst um einen 1000 Meter breiten Streifen. Dieser würde Unterfranken bei Motten im Norden des Landkreises Bad Kissingen erreichen. Von dort zieht sich der Korridor grob entlang der A7, vorbei an Bad Brückenau, Schondra, Oberthulba und Elfershausen bis in den Landkreis Schweinfurt. Hinter Wasserlosen schwenkt die Trasse am Autobahnkreuz Werneck Richtung Osten und führt schließlich in einer Kurve zum Endpunkt in Bergrheinfeld.

Anders als der Südlink, der als Erdkabel verlegt wird, sei P43 dabei grundsätzlich als Freileitungsprojekt ausgelegt, sagt Cindy Schemmel, Referentin für Bürgerbeteiligung bei Tennet. Es gebe jedoch "ganz neu die Option, auf Teilabschnitten Erdkabel zu nutzen" - beispielsweise um Siedlungsflächen oder Naturschutzgebiete zu queren. Wo das möglich sei, müsse aber erst geprüft werden.

In Unterfranken gibt es gegen P43 parteiübergreifende Kritik. Immer wieder machten Landräte, regionale Abgeordnete und Bürger ihrem Unmut über die Trasse Luft. So hatten mehrere Bürgerinitiativen aus dem Norden der Region bereits in der vergangenen Woche mit einer "Rhöner Erklärung" ihre Ablehnung gegenüber P43 untermauert. Sie befürchten unter anderem massive Eingriffe in das Biosphärenreservat Rhön.

Sinn hinterfragen

"Wir lehnen die Trasse P43 ab, weil sie nicht nötig ist", sagt auch Hildegard Beyfuß, Vorsitzende der BI "A7 Stromtrasse Nein" aus Wasserlosen. Der geplante Netzausbau sei schlicht "überdimensioniert". Ähnlich sieht das Matthias Göbel, Sprecher der BI "Bergrheinfeld sagt Nein zu Südlink". Für ihn kommt der vorgeschlagene P43-Verlauf über Werneck nach Bergrheinfeld wenig überraschend. "Das war abzusehen", so Göbel am Mittwoch. "Uns geht es aber nicht um das Wo, sondern uns um das Warum." Der Sinn solcher Leitungen müsse hinterfragt werden, denn sie dienten nicht der Energiewende, sondern vorrangig dem europäischen Stromhandel.

Ganz anders sieht das Netzbetreiber Tennet. Die Fulda-Main-Leitung sei seit 2014 Bestandteil des Bundesbedarfsplan-Gesetzes und ihre Notwendigkeit immer wieder bestätigt worden. Der Bau diene zur Stabilisierung des gesamten Wechselstromnetzes.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) erklärte am Mittwoch auf Nachfrage dieser Redaktion, dass sich aus den nun vorgeschlagenen Korridoren noch kein endgültiger Verlauf ergebe. Im Verfahren seien noch viele Änderungen möglich.

"Bürger und Kommunen sollen sich intensiv mit ihren Anliegen einbringen", fordert Aiwanger deshalb. "Die Trassenkorridore durch Unterfranken sind das Ergebnis der politischen Verhandlungen von Herrn Aiwanger im Jahr 2019", kritisiert dagegen der Bad Kissinger CSU-Landtagsabgeordnete Sandro Kirchner. Aiwanger habe eine weitgehende Erdverkabelung versprochen: "Davon ist leider nicht mehr viel übrig." Zudem müsse eine alternative Route durch Hessen weiter eine Option bleiben, fordert Kirchner.

Deutliche Kritik

Durch P43 "wird meine Heimatregion zu Unrecht über Gebühr belastet", sagt die Schweinfurter CSU-Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber. Deutliche Kritik kommt auch von Volkmar Halbleib: Der unterfränkische SPD-Landtagsabgeordnete bemängelt, dass von den Netzbetreibern "Bedenken gegen die weitere Belastung des Knotenpunktes Bergrheinfeld nicht so ernst genommen werden, wie es erforderlich wäre". Offen bleibe, warum die Alternativtrasse durch Hessen nicht mehr weiterverfolgt werde und welche Teile erdverkabelt werden können.

Der Grünen-Energieexperte Martin Stümpfig dringt hingegen auf eine schnellere Realisierung der Stromleitung: Grundsätzlich sei P43 zur Stabilisierung des Stromnetzes nötig. "Bayern ist seit 2018 Strom-Importland", warnt Stümpfig. Der fehlende Ausbau der Windkraft bei weiter steigendem Strombedarf erhöhe die Notwendigkeit neuer Nord-Süd-Stromleitungen in Deutschland.

Ob es bei der Fulda-Main-Leitung beim von den Netzbetreibern favorisierten Weg bleibt, darüber entscheidet die Bundesnetzagentur. Sie prüft den Vorschlagskorridor sowie die Alternativen und gibt vor, welche weiteren Untersuchungen nötig sind - beispielsweise zum Arten- oder Wasserschutz. Voraussichtlich 2023 soll laut Tennet der finale Korridor feststehen. Strom könnte dann ab 2031 durch die Fulda-Main-Leitung fließen. Zu den Kosten will Tennet-Referentin Schemmel noch keine konkreten Angaben machen.

Sicher ist: Während der Bundesfachplanung können Bürgerinnen und Bürger sowie Vereinigungen oder Behörden Hinweise zu den Korridoren einreichen. Zudem will Tennet Infomärkte organisieren. Dazu gibt es Veranstaltungen in in Elfershausen am 26. Oktober und in Schweinfurt am 28. Oktober. Eine Anmeldung ist wegen Corona zwingend erforderlich. Weitere Infos auf der Homepage von Tennet.

Susanne Schmitt/Henry Stern