Pleiten, Pech und Pannen sorgen für Überraschungen beim Bau des Windparks in Fuchsstadt. Das neueste Kapitel wird in München geschrieben. Dort hat der Windpark-Betreiber Green City AG Insolvenz angemeldet. Ursache sind laut dem Unternehmen Überschuldung und drohende Zahlungsunfähigkeit. Bei allen Problemen gibt es Signale, die Hoffnung für das Projekt in Fuchsstadt wecken.

Denn für eine Fortführung der Green City AG sieht der vorläufige Insolvenzverwalter Axel Bierbach offenbar gute Erfolgschancen. "Wirtschaftlich ist es unverzichtbar, dass das Projektgeschäft weiterläuft und die begonnenen Vorhaben fertiggestellt werden können", wird Bierbach auf der Homepage der Green City AG zitiert. Die 120 Mitarbeiter erhalten aktuell Insolvenzgeld. Aber: Die Prüfung der Sanierungsoptionen für die hauptsächlich über Anleihen finanzierten Kraftwerkparks werde auf Grund der Komplexität voraussichtlich noch Wochen, wenn nicht Monate dauern, so Bierbach weiter.

Bauverzögerungen im In- und Ausland

Ein Teil der Misere von Green City ist auf der Höhe bei Fuchsstadt zu sehen. Hier ragen die Stümpfe von drei unvollendeten Windrad-Türmen in die Höhe. Auch bei verschiedenen Wind- und Solarparkprojekten des Konzerns im In- und Ausland war es laut Konzernangaben zu Verzögerungen gekommen.

Zu den Erschwernissen trug die Corona-Pandemie bei. Sie führte zu Lieferengpässe bei Solarmodulen, Problemen bei der Verschiffung von Containern sowie verspäteten Genehmigungen von Projekten, etwa in Spanien.

Insolvenzverwalter eingeschaltet

Dennoch soll es in Fuchsstadt und auf anderen Baustellen weitergehen. "Das operative Geschäft der Green City AG, die Projektierung und Umsetzung von Projekten in den Bereichen Photovoltaik, Windenergie und Wasserkraft, soll in vollem Umfang aufrechterhalten werden und es sollen alle laufenden Projekte fortgeführt werden", teilt ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage dieser Redaktion mit.

Einen Zeitplan, wann und wie in Fuchsstadt wieder durchgestartet wird, gibt es offenbar noch nicht. "Es liegt noch kein Gutachten vor, aus diesem Grund können wir dazu im Moment nichts weiter sagen", so der Green City-Sprecher zur Fortsetzung des Bauvorhabens. Zwar lagern die Großkomponenten bereits auf dem Areal. Aber nachdem im Oktober 2021 bei Haltern (Nordrhein-Westfalen) ein fertiggestelltes Windrad des gleichen Typs zusammengebrochen war, gab es in Fuchsstadt einen Baustopp. Dazu dauert die Ursachenforschung an. Zu klären ist unter anderem, ob ein Material- oder Montagefehler vorliegt.

Auch andere Kommunen warten sehnlichst auf die erlösende Expertise, die das weitere Vorgehen absteckt. Die Firma Nordex stoppte bundesweit den laufenden Bau von vier ihrer 239 Meter hohen Anlagen. Betroffen sind auch 19 bereits fertiggestellte Anlagen. Ihr Betrieb ist aus Sicherheitsgründen vorerst eingestellt.

In Fuchsstadt kommt eins zum anderen. Der Bau des Windparks Fuchsstadt hinkt schon länger hinter den gesetzten Fristen her. So waren die geplanten Fertigstellungstermine 2020 und 2021 nicht zu halten. Offenbar musste die Green City AG bereits einen finanziellen Ausgleich im hohen sechsstelligen Bereich leisten, weil der Windpark nicht ausschreibungsgemäß ans Netz ging. Viel Geld ging wohl auch verloren, weil die zunächst bestellten Windräder nicht geliefert wurden.

Dabei sah 2017 zunächst alles ganz gut aus, als Green City von der Bundesnetzagentur den Zuschlag für den Bau der Anlage erhielt. Bereits Ende jenes Jahres hatte hinter der Lauerbachkapelle die Rodung der Flächen für die Rotoren begonnen.

Seitdem läuft manches anders als erwartet. "Geschockt" reagierte Bürgermeister René Gerner (ZAG), als er vergangene Woche durch diese Redaktion von der Insolvenz erfuhr.

Pacht fließt bisher wie vereinbart

Inzwischen blickt er wieder zuversichtlicher auf das Windpark-Projekt. Er habe Signale aus München bekommen, dass möglicherweise dieses Jahr mit großer Priorität weitergebaut werden soll, sobald das Gutachten über den Umgang mit den Turmstümpfen vorliegt. Vom Rückbau bis zur Sanierung sei offenbar alles offen.

Zum Optimismus von Gerner trägt bei, dass die Green City Tochter Green City Energie Fuchsstadt Windpark GmbH bisher die jährliche Geländepacht in Höhe von 60 000 Euro geleistet hat. Mit eigenen Mitteln sei die Gemeinde nicht an dem Windpark beteiligt und Einwohner hätten seines Wissens nach ebenfalls keine Anteile unmittelbar an diesen drei Windrädern gezeichnet.

Neuer Eigentümer

Überrascht ist wahrscheinlich nicht nur Gerner über die Information, die schon länger auf der Homepage von Green City zu lesen ist: Dass der Windpark nämlich 2021 den Eigentümer wechselte. Erworben hat ihn der Schweizer Anlage- und Vermögensverwalter Reichmuth & Co, findet man dort. Die kaufmännische und technische Betriebsführung des Windparks hat demnach die Green City AG, Verwaltung und das Management hingegen liegen bei Reichmuth Infrastruktur.dübi