Die Kissinger Stadtverwaltung ist vielleicht nicht der größte und wichtigste Arbeitgeber in der Region. Ein bedeutender Arbeitgeber in Bad Kissingen selbst ist sie aber durchaus. 314 Frauen und Männer in Diensten der Kurstadt weist der Personalbericht des Rathauses zum Stichtag 31. Oktober 2020 aus.

Die Männer sind dabei insgesamt nach wie vor in der Mehrheit. Nach Angaben von Kerstin Heinisch, der Referatsleiterin Haupt- und Personalverwaltung, machen sie 55 Prozent der städtischen Bediensteten aus. Noch deutlicher wird der größere Anteil der Männer beim Blick auf die Verteilung von Vollzeitstellen und Teilzeitstellen bei der Stadt. 47 Prozent aller Stellen bei der Stadt sind von Männern in Vollzeit besetzt. Nur 16 Prozent aller Stellen haben Frauen in Vollzeit inne. Dafür entfallen 29 Prozent der städtischen Stellen auf Frauen in Teilzeit und nur acht Prozent auf Männer in Teilzeit.

Sechs Prozent der städtischen Stellen besetzen bei der Stadt Menschen mit Behinderung. Genauso hoch ist der Anteil der befristeten Stellen. Bei den befristeten Stellen ist der Frauenanteil höher, bei den Stellen für Menschen mit Behinderung der Männeranteil.

Männer in der Mehrheit

Der durchschnittliche Bedienstete der Stadt ist knapp 49 Jahre alt. Auf zwei Stellen hinter dem Komma genau berechnet sind es 48,97 Jahre. Im Bereich des Servicebetriebs liegt das Durchschnittsalter mit 51,23 Jahren ein bisschen höher als in der Verwaltung (48,21 Jahre). Damit ist der Altersdurchschnitt des städtischen Personals ein bisschen niedriger als in den vergangenen Jahren.

Der Blick auf die grafische Darstellung der Altersverteilung im städtischen Personalbericht wird die Dominanz der älteren Jahrgänge sofort augenfällig. Die mit 24,2 Prozent Anteil an der Gesamtstellenzahl größte Altersgruppe ist die der Frauen und Männer von 56 bis 60 Jahren. Überhaupt machen die Gruppen zwischen 46 Jahren und Renteneintrittsalter fast 70 Prozent aller Beschäftigten aus.

Dabei ist in der Mitarbeiterschaft der Stadt inzwischen viel mehr Bewegung als früher. Wie Kerstin Heinisch dem städtischen Finanzausschuss bei der Haushaltsdebatte berichtete, verzeichnete sie noch vor nicht einmal zehn Jahren an die zehn Stellenbewegungen pro Jahr. Jetzt seien es dreimal bis viermal so viele. 2020 habe es zum Beispiel 39 verschiedene Stellenausschreibungsverfahren gegeben. Oftmals sei es nötig gewesen, Stellen zweimal oder dreimal auszuschreiben.

"Vor allem in technischen und hochqualifizierten Berufen" sei es schwierig, Bewerber zu gewinnen, schreibt Heinisch: "Die Bezahlung ist in diesen Bereichen nach wie vor nicht mit der Wirtschaft konkurrenzfähig."

Musterbeispiel für diese Problemlage ist der Bereich Neue Altstadt im städtischen Tiefbau. Dafür seien im Stellenplan des vergangenen Jahres vier weitere Stellen ausgewiesen worden, schreibt Kerstin Heinisch. Die Stellen seien aber bislang noch nicht besetzt. Eine Stelle sei daher dafür hergenommen worden, einen Engpass in der Baugenehmigung aufzufangen. Diese Stelle werde jetzt wieder im Tiefbau für die Neue Altstadt eingestellt. Seit dem vergangenen Jahr wissen die städtischen Bediensteten wegen Corona auch, was Kurzarbeit ist. Wie Kerstin Heinisch erklärte, wurden sich die Tarifvertragsparteien im vergangenen Frühjahr binnen weniger Wochen über einen Tarifvertrag Kurzarbeit einig. Bis dahin sei Kurzarbeit im öffentlichen Dienst nicht möglich gewesen.

Kurzarbeit im öffentlichen Dienst

Das neue Instrument habe die Stadt dann gleich intensiv genutzt. In der ersten Corona-Welle sei für die Bereiche Schwimmbad, Musikschule, Jugendzentrum, Stadtbücherei und Kissinger Sommer Kurzarbeit angemeldet worden. Die Arbeitsagentur habe die Anträge genehmigt. Der Kostenersatz für die Stadt habe sich bei der ersten Welle auf 70 000 Euro belaufen. Die noch wirksamen Schließungen der zweiten Welle seien noch nicht abgerechnet.

Allgemein hat sich die Gesamtzahl der Stellen bei der Stadt nach einem Stellenabbau bis 2010 und relativer Stagnation bis 2016 in den vergangenen Jahren wieder deutlich erhöht. Im Lauf der vergangenen fünf Jahre seien rund 32 Stellen hinzugekommen. Für 2021 fällt der Anstieg voraussichtlich mit nicht einmal 1,5 Stellen aber moderat aus. Auch wenn nicht alle besetzt wurden, haben sich mit der Zahl der Stellen in den vergangenen Jahren auch die städtischen Personalkosten erhöht. 2017 beliefen sich die tatsächlichen Personalaufwendungen nach Heinischs Angaben auf 13,76 Millionen Euro. Für das laufende Haushaltsjahr sei ein Ansatz von 16,99 Millionen Euro vorgesehen. Allerdings fällt der Unterschied zwischen Ansatz und Ergebnis oftmals groß aus. In manchen Jahren liegt die Differenz bei einer Million oder sogar mehr. 2020 sei der Unterschied zu einem wichtigen Teil darauf zurückzuführen gewesen, dass viele Stellen im Stellenplan nicht besetzt waren.

Trotzdem waren bei der Haushaltsvordebatte im Finanzausschuss die Personalkosten ein Hauptkritikpunkt aus den Reihen der CSU. Die zum Teil großen Unterschiede zwischen Ansatz und Ergebnis stören die CSU bei der Haushaltsaufstellung auch in anderen Bereichen.

Selbst machen oder ausschreiben

Allerdings sähen die Christsozialen "die exorbitante Personalentwicklung" grundsätzlich mit großer Sorge, erklärte Fraktionssprecher Steffen Hörtler und sprach zudem von einer "Kostenexplosion". Die wiederum vermochte Oberbürgermeister Dirk Vogel für den Anstieg um knapp eineinhalb Stellen in der noch vergleichsweise kurzen Zeit seiner Verantwortung nicht so recht zu erkennen. Vogel sicherte aber eine Diskussion über die Personalentwicklung zu. Die Stadt müsse sehen, "was wir wollen oder nicht". Es sei dann aber schon auch notwendig zu bekennen, was man selber machen will "oder ausschreibt". Siegfried Farkas