Der Klimawandel wird Realität und stellt vor allem auch die Landwirtschaft vor neue, große Herausforderungen. Deshalb wurde die Initiative boden:ständig gegründet. Sie hat das Ziel, Böden und Landschaften zusammen mit Landwirten und Gemeinden für diese Entwicklung "fit" zu machen. Anlässlich einer zweitägigen Fachveranstaltung der Bayerischen Verwaltung für ländliche Entwicklung wurden die Preisträger der Initiative durch den Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Helmut Brunner, mit dem boden:ständig-Preis, mit Urkunde und einem Preisgeld von je 5000 Euro ausgezeichnet.


Komplexes Thema

Beim Festakt im Abteigebäude des Klosters Maria Bildhausen sagte Wolfgang-Günther Ewald vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, dass Helmut Brunners Anwesenheit "den hohen Stellenwert der Initiative" dokumentiere. Bernhard Weiler, Bezirkspräsident Unterfranken des Bayerischen Bauernverbandes, betonte die enorme Wichtigkeit des Wassers für das "Trockengebiet Unterfranken". Die Initiative boden:ständig bezeichnete er als "hilfreich, notwendig und wichtig". "Wie gehen wir mit dem kostbaren Rohstoff Wasser in Zukunft um?", fragte Weiler. Dies sei ein komplexes Thema, das aufgearbeitet werden müsse. "Wir müssen die Probleme in einem Werkzeugkasten in die Hand nehmen", sagte Weiler. Dazu seien Hilfen aus dem Ministerium nötig.


Zisterzienser waren "Vorreiter"

Staatsminister Helmut Brunner sagte, dass das ehemalige Zisterzienserkloster als Ort für eine Tagung prädestiniert sei, in der es um Boden und Wasser gehe. Die Zisterzienser seien in der Land- und Wassernutzung ihrer Zeit weit voraus gewesen, "quasi unsere historischen Vorreiter". Wasser werde zunehmend der wichtigste Produktionsfaktor, den man nicht kaufen könne. Gerade Unterfranken habe 2015 nur etwa die Hälfte der sonst üblichen Niederschläge gehabt. Auf die zunehmende Häufung von Extremereignissen wie lange Trockenperioden und Starkregen müsse reagiert werden. "Technische Lösungen werden immer ein wichtiger Teil der Antwort sein", sagte Brunner und nannte als Beispiele den Hochwasserschutz mit Dammbau, die Anlage von Poldern und den verstärkten Ausbau von effektiven Bewässerungsanlagen.
Der Wandel werde aber nicht nur technologischer Natur sein. "Entscheidend wird sein, wie wir mit dem Boden umgehen", meinte Brunner. Regenwasser fließe derzeit noch zu rasch ab. Zukünftig müsse mehr Wasser in der Landschaft und damit im Boden gehalten werden. Der Boden müsse wie ein Schwamm genutzt werden.


Drei Handlungsebenen

Für die Praxis nannte Brunner Beispiele wie den Anbau von Zwischenfrüchten, Mulchsaaten, die Anlage von begrünten Abflussmulden oder Maßnahmen zur Bachauenentwicklung. "Hier sehe ich mit der Initiative boden:ständig und ihren drei Handlungsebenen Boden, Landwirtschaft und Gewässer den richtigen Weg", betonte Brunner. Der Auftrag von boden:ständig sei Hilfe anzubieten, Wertschätzung aufbauen und Freiräume für unternehmerische Menschen schaffen.


Rund 35 Projektgebiete

Inzwischen hat sich die Zahl der Projektgebiete auf über 35 erhöht. Langfristig denken, beherzt und rasch handeln seien bei den boden:ständig-Gemeinden keine Gegensätze und freuten ihn besonders. Beim Thema Boden sei ein langer Atem nötig. Unterstützt wird die Initiative von verschiedenen Verwaltungen. Ziel sei es, den Landwirten und Gemeinden im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe maßgeschneiderte Instrumente anzubieten. Es gelte der Grundsatz "Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht"! Eines der wichtigsten Instrumente sei das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP). Ein Schwerpunkt sei dabei die Maßnahmen zur Förderung des ökologischen Landbaus. In den Projektgebieten von boden:ständig werde die Anlage von Struktur- und Landschaftselementen finanziell unterstützt. Um Menschen zum Mitmachen zu bewegen habe er den Preis ins Leben gerufen. "Mit ihm sollen diejenigen ausgezeichnet werden, die durch ihren Einsatz den Boden- und Gewässerschutz in ihrer Region bereits vorangebracht haben, aber auch diejenigen, die ihre pfiffigen und innovativen Ideen erst noch in die Tat umsetzen wollen", sagte Brunner.


Preisträger des Projekts boden:ständig

Ein Beirat wählte aus zwölf Bewerbern die vier Preisträger aus. In lockerer, aber sehr informativer Weise stellten die Preisträger ihre Projekte vor.
Aus Oberbayern wurde das Projekt "Waginger-Tachinger See" der Gemeinden Taching, Waging, Wonneberg, Petting und Kirchanschöring im Landkreis Traunstein ausgezeichnet. "Engagierte Landwirte finden und mit ihnen Filterbecken zum Phosphatrückhalt umsetzen", lautet das Projekt.
Das Projekt "Schwimmbach" der Gemeinden Frontenhausen, Marklkofen, Gangkofen und Aham im Landkreis Dingolfing-Landau in Niederbayern beschäftigt sich mit wirkungsvollen Maßnahmen zum Stoff- und Erosionsschutz und Wasserrückhalt in der Landschaft. Das Dorf Hagenohe und die Stadt Auerbach im Landkreis Amberg-Sulzbach in der Oberpfalz bezeichnen ihr Projekt als "Kombination aus erosionsmindernden Maßnahmen und der Verbesserung der Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens, die Anlage von bewirtschafteten Rückstauzonen zum Wasser- und Nährstoffrückhalt sowie die gedrosselte Ableitung bzw. Umleitung von Niederschlagswasser." Vierter Preisträger ist das Projekt "Hahnenkamm" der Gemeinden Heidenheim, Gnotzheim, Polsingen und Westheim im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen in Mittelfranken. Hier wurde ein Konzept erarbeitet, das von erosionsmindernder Bodenbearbeitung bis hin zu Rückhaltemaßnahmen mit Sedimentflächen reicht. Als effektive Ergänzung wurde eine eigene Kompostwirtschaft zur Bodenstabilisierung aufgebaut.