Das Lied geht mit den letzten Deutungshinweisen des Dirigenten zu Ende. Peter Rottmann lächelt, er ballt die Hände zu Fäusten und schleudert sie dann wieder offen zu seinen 20 Sängerinnen und neun Sängern. Die wissen dann bereits um die Zufriedenheit ihres Leiters, denn sie begleiten sich bereits seit vielen Jahren, manche von der ersten Probe an.
Ja, es war wieder einer dieser Höhepunkte im Kirchenmusikjahr 2017. " Chor- und Orgelmusik zur Fastenzeit" hatte sich der Regionalkantor zur inneren Einstimmung auf die vielfach nüchterne Lebensweise in den Tagen zwischen Aschermittwoch und Karsamstag vorgenommen. Dass das auch mit Genuss verbunden sein kann, bewies auch diesmal wieder das "Ensemble Vokal Münnerstadt" als hochmotivierter Chor, sowie Martin Seiwert, der Kantor der Heilig Geist Kirche in Schweinfurt, an der Orgel.
Schon ohne Konzert bietet die Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena viel Raum zur Besinnung. Das Fastenkonzert hat den Appetit nach Sinnlichkeit wohl noch gesteigert. Stück für Stück drang der sehr gut harmonierende Chor bei den eher leisen Werken "O bone Jesu" (Marco Antonio Ingegneri), "O crux ave" (Giovanni Pierluigi da Palestrina), "Adoro te" ( Peter Josef Zwyssig) oder "Ave verum corpus" (Mozart) in die Sinne der Zuhörer. Besonders auffällig im Programm, dass sich das Vokal-Ensemble mit einem Werk in der Interpretation dreier Komponisten befasste. "Verleih uns Frieden gnädiglich", einmal als die 1529 in Töne gelegte Fassung von Martin Luther, weiter die Variation für einem dreistimmigen Frauenchor von Balthasar Resinarius und am Ende die A-Capella Version von Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Eine Spitzenleistung des Chores, vor allem der Sopranistinnen Katrin Woijtczyk und Alina Göbel. Rottmann gab ihnen Eigenständigkeit, ohne dass das gemeinsame Sangeserlebnis aus den Fugen geriet. Brillant!
Felix Mendelssohn-Bartholdy war der Favorit des sonntäglichen Fastenkonzerts. Neben der "Verleih uns Frieden..." Abhandlung, kamen vom Chor noch " Richte mich Gott" (der 43.Psalm) und vom Organisten Martin Seiwert die "Sonate c-Moll, op.65 Nr. 2" im gut besetzten Mittelschiff des Gotteshauses an. Später konnte Rottmann noch mit den vier Teilen der "Sonate Nr.4 in d-Moll opus 61" den Reiz der klangstarken Klais-Orgel ausspielen. Was wäre ein Kirchenkonzert ohne Bach? Der Chor intonierte einen Auszug aus der Matthäus-Passion: " Nun ruhen die Wälder". Der Waldspaziergang wurde durch den Chor spürbar erlebt. Man fühlte sich von den verhaltenen Stimmen an der Hand genommen und zu seinem Inneren geleitet. Zustimmender, lang anhaltender Applaus waren Chor und Organist gewiss. Peter Rottmann sollte weiter lächeln.