Über einen außergewöhnlichen Besuch freuten sich am Dreikönigstag die Bewohner des Seniorenheims Juliusspital in Bad Königshofen. Die Heiligen Drei Könige und ihre beiden Sternsingerinnen Johanna Schmitt und Stefanie Rützel unterbrachen ihre mehrtägige Tour in Großwenkheim, um erstmals außerhalb der Ortsgrenzen aufzutreten.
Die Könige besuchten vor allem ihre Großmütter, um in ihren prächtigen Gewändern das weit über die Heimatgrenzen hinaus bekannte Großwenkheimer Dreikönigsspiel aufzuführen. Es war eine eindrucksvolle, emotionale Aufführung.


Sichtlich bewegt

So manche Träne wurde vergossen. Martin Reinhard, der den König Kaspar darstellt, und sein Bruder Heiko als König Melchior sind die Enkel von Stefanie Schmitt (88). Michael Gessner als König Balthasar ist der Enkel von Kleopha Gessner (89). Beide leben seit einiger Zeit im Juliusspital. Sichtlich bewegt folgten sie, wie auch die anderen Großwenkheimer Seniorinnen und die weiteren Bewohner, dem gekonnt vorgetragenen, mehrstimmigen Spiel aus der Heimat.
"Wir haben schon seit Weihnachten diesem Tag entgegengefiebert und freuen uns riesig über das Erscheinen unserer Enkel als Könige", sagte Stefanie Schmitt. Sie könne noch jedes Wort des Textes auswendig, sagte sie. Nicht verwunderlich, haben doch ihr verstorbener Mann Eugen und ihr Sohn Thomas in den Vorgängergenerationen auch jahrelang als Könige mitgewirkt. "Das war ganz toll und für uns das schönste Weihnachtsgeschenk", freute sich Kleopha Gessner. Für die Aufführung bekamen die Großwenkheimer, die kurzfristig sogar zweimal auftreten mussten, von den Senioren viel Beifall. Für eine Unterhaltung mit den Omas blieb allerdings keine Zeit, denn in Großwenkheim warteten noch zahlreiche Familien auf das Erscheinen der "großen" Drei Könige.


Spenden für die Pfarrkirche

"Das war für uns ein ganz besonderer, berührender Auftritt, vor allem weil unsere Omas in ihrem hohen Alter ihn sehen und hören konnten", sagte Martin Reinhard. Das Großwenkheimer Dreikönigsspiel wird in den geraden Jahren von den "großen" Königen aufgeführt. In den ungeraden Jahren ziehen Ministranten von Haus zu Haus. Das etwa zehnminütige Spiel wurde 1946 vom langjährigen Gemeinde-Schreiber und Organisten Eustach Schmitt, dem Urgroßonkel von Martin und Heiko Reinhard, getextet und komponiert. 1947 schrieb es Schmitt ins Reine, und seither wird es aufgeführt.
Der Komponist und Texter hat auch verfügt, dass die Spenden der Pfarrkirche zugute kommen. Mit Martin (33) und Heiko Reinhard (39) und ihrem Cousin Michael Gessner (34), alle aktive Musiker, wird die lange Tradition des Dreikönigsspiels problemlos fortgesetzt. Ihre Väter wirkten in der Vorgängergeneration mit.