Auch wenn Ex-Oberbürgermeister Karl Heinz Laudenbach, wie angekündigt, an einem der nächsten Verhandlungstage vor der 6. Großen Strafkammer des Landgerichts Würzburg ein Geständnis ablegen sollte, hält die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von drei Jahren "für nicht unrealistisch".
Außerhalb der Verhandlung hatte die Staatsanwältin Tanja Zechnall die Katze aus dem Sack gelassen: Für die angeklagten Fälle von
Vorteilsannahme und Steuerhinterziehung hat sie eine "Hausnummer" genannt, als Rechtsanwalt Norman Jacob (Würzburg) sie in ihrem Dienstzimmer aufsuchte, um sich nach einer "seinem Mandanten vermittelbaren Perspektive zu erkundigen".

Positionen deutlich

Das Ergebnis dieses Gesprächs hat die Staatsanwältin in einem Vermerk zusammengefasst und an das Gericht weiter gegeben. Unmissverständlich steht da, dass eine Strafaussetzung zur Bewährung aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht drin ist. Den Vermerk hat der Vorsitzende der 6. Großen Strafkammer, Hans Brückner, gestern verlesen, am inzwischen 11. Verhandlungstag.
Unter dem Strich könnte Rechtsanwalt Jacob sich zum Beispiel eine Freiheitsstrafe in einer Höhe vorstellen, die bei Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft eine zeitnahe Aussetzung der Reststrafe zur Bewährung möglich macht oder aber auch eine Kombination aus einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren mit einer Geldstrafe von 365 Tagessätzen. Worüber man, so der Anwalt, außerdem nachdenken könnte und sollte: Ein zeitnaher Abschluss des Strafverfahrens unter Rücknahme von Beweisanträgen und Verzicht auf Ladung von Zeugen aus dem Ausland.

"Einlassung" am 21. August

Für 21. August hat die Verteidigung eine "Einlassung" des Angeklagten zu den Vorwürfen der Anklage in Aussicht gestellt, als Zeuge soll dann noch ein Mitarbeiter der Steuerfahndung beim Finanzamt Würzburg gehört werden. Danach könnte, je nach Inhalt von Laudenbachs "Geständnis", die Beweisaufnahme geschlossen, plädiert und vielleicht schon am 22. August das Urteil verkündet werden.

Keine Zusage für Verbleib

Karl Heinz Laudenbach wird unter anderem vorgeworfen, dass er für die Vermittlung von zwei Bad Kissinger Immobilien der Arbeiterwohlfahrt an russische Investoren eine Provision von über 400 000 Euro erhalten haben soll. Nach 45 Minuten hat Laudenbach am Freitag bereits wieder die Rückfahrt in die Justizvollzugsanstalt Schweinfurt angetreten, wo er seit knapp einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt. Zusagen, dass er dort nach einer Verurteilung auch seine Haft verbüßen darf, könne die Staatsanwaltschaft allerdings derzeit nicht machen, sagte Tanja Zechnall auf Nachfrage der Verteidigung.