Die fränkische Biodiversität erfährt teils ungewollten Zuwachs. Neben Schwarzwild, Waschbär und Fuchs ist nun auch der Luchs auf dem Vormarsch, darf aber nicht bejagt werden. "Wir müssen die Augen offen halten", gab Gerd Galitzdörfer, der Vorsitzende der Kreisgruppe Bad Brückenau im Bayerischen Jagdverband, bei der diesjährigen Hegeschau als Devise aus.
Jagdberater Heinz Müller stellte die Streckenergebnisse vor: 1034 Rehe wurden im vergangenen
Jagdjahr geschossen. Die Jäger haben somit die Vorgaben zu 93 Prozent erfüllt. "Da hat keiner geschlafen, alle haben ihre Pflicht erfüllt", sagte Müller. Leider sei auch 194 Mal Fallwild gemeldet worden.


Niedriger Leitverbiss

"Wir folgen dem gesetzlichen Auftrag, den Wildbestand anzupassen", so dass die Verjüngung der Hauptbaumbarten ohne zusätzlichen Schutz erfolgen konnte. Der durchschnittliche Leittriebverbiss gab den Jägern Recht: Nur 4,2 Prozent seien ein "absolut waldverträglicher Verbiss, darauf können wir stolz sein", sagte Müller. Öfter geschossen wurden Stockente, Fuchs und vor allem der Waschbär. Müller empfahl, den "Kulturfolger so deutlich wie möglich zu bejagen". Das gelte auch für den Fuchs, weil er als Träger für Seuchen eingestuft wird.
Erfreut zeigte sich Heinz Müller über die Biotop-Verbesserung. Nicht nur im Truppenübungsplatz, sondern auch beim Pilsterfelsen in Kothen kann sich der Biber entfalten, was angesichts der hageren Bäume im gestauten Wasser nicht von der ganzen Bevölkerung angenommen werde. Müller betonte, dass diese "Biotop-Bäume" ebenfalls "mit gesondertem Leben" bevölkert sind.


Zunahme beim Schwarzwild

Schwarzwildring-Obmann Michael Sautter berichtete von einem "stetigen Ansteigen der Schwarzwild-Strecke". Waren in der vorherigen Jagdsaison bayernweit 68 700 Wildscheine erlegt worden, waren es jetzt 71 200. Dieser Trend spiegelt sich auch im Landkreis wider: In der Hegegemeinschaft (HG) 594 (Detter) wurden 420 Sauen geschossen (Vorjahr: 331). Die HG 595 (Schondra) erhöhte ihre Abschusszahlen auf 235 Schweine. Die HG 596 (Motten) hat ihre Schwarzwildstrecke sogar mehr als verdoppelt. 2014/15 waren noch 276 Sauen erlegt worden, im vergangenen Jahr 583.
Der Trend bei Abschusszahlen und Schäden durch Schwarzwild seien "teilweise deckungsgleich", sagte Sautter. Die Kosten, die Sauen in den Fluren verursachten, seien im Vergleich zum Vorjahr um das 1,4-fache gestiegen. Nur in der HG Detter sanken die Kosten auf 13 800 Euro, rund um Schondra stieg es auf 15 000 Euro. In der HG Motten haben sich die Schäden auf knapp 16 100 Euro verdreifacht, obwohl der Waldanteil dort 65 Prozent beträgt.


Revierübergreifende Jagden

Die Jäger haben gerade im vergangen Jahr beobachtet, dass sich die Wildschweine verstärkt auf Grünflächen aufhielten. Michael Sautter warb dafür, Drückjagden und revierübergreifende Jagden zu forcieren. Er pochte auf die grenzübergreifende Erfassung von Sichtungen beim Schwarzwildmonitoring BJV-Digital.
Stellvertretender Landrat Emil Müller (CSU) freute sich mit den Jägern, dass die Verbesserungen für die Biotope der Biodiversität dienen. Er dankte den Jägern für ihren behutsamen und verantwortungsvollen Einsatz. Ute Becker, stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Motten, wünschte den Jägern "Waidmannsheil". Karlheinz Vogler, Kreisobmann des bayerischen Bauernverbandes, übte Kritik am Wildtiermanagement und der ungelösten Frage nach der Bejagung in Kernzonen. Bernhard Züllner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nannte als Ziel einen gesunden Laubholzmischbestand.


Diskussion um den Luchs

Der Luchs, der seit etwa einem halben Jahr in der Region stark auf dem Vormarsch ist, fand nur in den Schlussworten Beachtung. Auch dessen Sichtungen sollen über das BJV-Monitoring gemeldet werden. Als natürlicher Beutegreifer sei er willkommen, nur regt sich der Verdacht, dass die Tiere, die in den Hegegemeinschaften schon großen Schaden am Rehwild verursacht haben, aus einer im Harz ausgesetzten Population kommen. Der Verdacht wird untermauert durch Beobachtungen von extrem zahmen Luchsen. Das Genmaterial, das an den vom Luchs gerissenen Tieren gefunden wurde, wird abgeglichen. Jimmy Helfrich betonte, er mache "keine Hetze gegen den Luchs", aber ob und wie der Luchs bejagt werden könne, solle öffentlich diskutiert werden.

Im Rahmen der Hegeschau sprach Sandra Hornung, Obfrau für Hundewesen, über die Ausbreitung der Aujezskyschen Krankheit (AK). Sie wird von Schweinen übertragen, bei Endwirten (Rinder, Schafe, Katzen und Hunde) verläuft die Viruskrankheit immer tödlich. Südlich der "Demarkationslinie" Saale seien im Vorjahr keine Vorfälle zu verzeichnen gewesen, jetzt gebe es dort auch zwei AK-Fälle. Schwerpunkte in Bayern sind Unterfranken, Niederbayern und die Oberpfalz.


Stöberhund nach Jagd verendet

Besonders groß war der Anstieg im Raum Main-Spessart und Bad Kissingen, Schwerpunkte sind Hammelburg und Wildflecken. Bei einer Jagd um den Pilster steckte sich ein Stöberhund an und verendete. Leider würden nur 13,8 Prozent des Abschusses im AK-Monitoring erfasst. Von 1692 im Landkreis abgegebenen Proben waren 216 infiziert. Sandra Hornung betonte die Bedeutung der Probenabgabe, da es "für unsere Hunde überlebenswichtig ist". Hunde dürften nur beschränkten Kontakt zu Schwarzwild haben, kein rohes Fleisch fressen und müssen dem Streckenplatz fern bleiben. Abfälle müssen entsorgt, der Aufbrechplatz muss gegebenenfalls desinfiziert werden.


Meldepflicht beim Veterinäramt

Auch Schweinehalter sollen ein strenges Hygienemanagement einhalten. Bei einer Erkrankung muss das Veterinäramt informiert werden. Dass es bislang zu keiner Durchseuchung kam, sei laut Sandra Hornung auch der Konfiskattonne zu verdanken. Über diese Tonne bei der Straßenmeisterei in Unterleichtersbach wurden im vergangen Jahr mehr als 5000 Kilogramm Tierabfälle entsorgt.
Sandra Hornung dankte Rudi Sautter, der sich fast täglich um den einwandfreien Zustand der Tonne und dem Umfeld kümmert. Sautter dankte den Jägern für ihre Leistungen. Die Kühlung der Konfiskattonne funktioniert nicht mehr, die Annahme von Tierabfällen ist bis zum Einbau des neuen Aggregats dennoch gewährleistet.


Schutz für treue Jagdhunde

Vorsitzender Gerd Galitzdörfer dankte auch Hans-Peter Donislreiter von der Unteren Jagdbehörde, dem Oberleichtersbacher Bürgermeister Dieter Muth sowie Landrat Thomas Bold dafür, "dass wir die Tonne überhaupt bekommen haben. Unsere Hunde sind unsere treuesten Jagdkameraden."

Langjährige Treue Die Treue-Nadel für langjährige Mitgliedschaft ging an: Jochen Brand (25 Jahre), Wolfgang Vieres und Eugen Kreile (beide 40 Jahre); Ehrenurkunden gingen an: Heinrich Schneider (50 Jahre), Horst Dorgarten und Albert Hoffmann (beide 60 Jahre). Das Ehrenzeichen in Bronze erhielt der langjährige Schwarzwildringleiter Gerhard Fiedler. Die Wildhegenadel wurde Truppenobmann Joachim Goebel und Naturschutzreferent Dieter Muth angesteckt.

Hundeführerin Das Hundeführer-Ehrenzeichen in Silber erhielt Sandra Hornung. Aus ihrer Hand kommen immer "hervorragend abgerichtete Hunde", sowohl die Würfe, als auch die neuen Besitzer bekommen bei ihr eine gute Schulung.