Über Jahrzehnte diente das deutsche Stromnetz dazu, zentral erzeugte Energie auf Städte, Unternehmen und Haushalte zu verteilen. Große Kraftwerke, ob mit Kernkraft, Kohle oder Gas betrieben, speisten den Strom an wenigen Punkten ein, auf der anderen Seite gab es viele Verbraucher. Durch erneuerbare Energien ändert sich das rasant: "Insgesamt war im Jahr 2020 im Umspannwerk Fuchsstadt an 123 Tagen der Bezug durch die Erzeugung gedeckt", sagt Bayernwerk-Pressesprecher Christian Martens auf Nachfrage. Sprich: Rund um Hammelburg wurde mehr Strom erzeugt als verbraucht, es gab eine "Rückspeisung". An den restlichen 234 Tagen war der Verbrauch dagegen höher als die Erzeugung. Um sich auf die Energiewende vorzubereiten, baut Bayernwerk jährlich mehrere Umspannwerke als wichtige Knotenpunkte im Stromnetz um. Aktuell ist Fuchsstadt an der Reihe.

Fünf Umspannwerke im Landkreis

Insgesamt fünf Umspannwerke für das 110-Kilovolt-Hochspannungsnetz betreibt Bayernwerk im Landkreis Bad Kissingen: Fuchsstadt im Südwesten, Bad Brückenau im Norden, Bad Kissingen, Burghausen und Eltingshausen im Osten. Zudem grenzen die Umspannwerke in Hundsbach, Geldersheim, Kleinbardorf und Brendlorenzen an. Kleinere Privatanlagen, zum Beispiel die Photovoltaik-(PV-)Anlage auf dem Wohnhausdach mit einer Leistung von zehn Kilowatt, werden ans Niederspannungsnetz angeschlossen. Der Strom kann also über den normalen Hausanschluss eingespeist werden. Windräder und große PV-Anlagen dagegen haben ihren Verknüpfungspunkt mit dem Stromnetz meist direkt in einem Umspannwerk. Deshalb wurden zum Beispiel von den derzeit im Bau befindlichen Windparks in Sulzthal und Fuchsstadt eigens Kabel zum Bayernwerk-Umspannwerk östlich von Fuchsstadt verlegt.

"Mit der Anmeldung wird bereits die Leistung reserviert", beschreibt Matthias Behringer, Projektleiter von der Bayernwerk GmbH, die Planung. In Abstimmung mit den Anlagenbetreibern stelle Bayernwerk den wirtschaftlich günstigsten Anschlusspunkt bereit. Weil im Umspannwerk Fuchsstadt allerdings keine Schaltfelder mehr frei waren, musste laut Behringer bereits eine so genannte EEG-Box aufgestellt werden, also ein separates Gebäude mit weiteren 20-Kilovolt-Schaltfeldern. Teil des jetzigen Umbaus war, die Leitung zu dieser EEG-Box neu zu verlegen.

Vor rund drei Monaten rückten am Umspannwerk Fuchsstadt die Bagger an: Bis März 2023 soll das Umspannwerk für rund acht Millionen Euro fit gemacht werden für die Aufnahme von mehr erneuerbarer Energie. Bei den Kosten gebe es noch Unwägbarkeiten: "Wir haben bei den Ausschreibungen bereits festgestellt, dass Kupfer extrem teurer geworden ist", nennt Behringer als Beispiel. Als Glücksfall habe sich erwiesen, dass Bayernwerk in Fuchsstadt insgesamt über eine Fläche von rund 10 500 Quadratmeter verfügt, also gut ein Hektar, auf dem die Erweiterung gut unterzubringen sei.

Im vorderen Bereich entsteht derzeit ein zusätzliches Betriebsgebäude, in dem die Schalttechnik für den 20-Kilovolt-Mittelspannungsbereich unterkommen soll. Bei einer zweiten Schaltanlage seien sechs zusätzliche Felder für erneuerbare Energien vorgesehen, berichtet Behringer. Das bisherige Betriebsgebäude bleibe als Ersatz bestehen.

Zunächst werden auf dem Gelände provisorische Lösungen gebaut, um die Anlagen aus den 1980er Jahren zum Teil außer Betrieb nehmen zu können. Ganz vom Netz genommen werde das Umspannwerk Fuchsstadt allerdings während der Bauzeit höchstens für wenige Tage: "Wir bauen hier im laufenden Betrieb", stellt Behringer klar. Deshalb warnen auch jede Menge Hinweisschilder die Bauarbeiter vor Gefahren.

Die zwei vorhandenen 40-Megawatt-Transformatoren sollen um einen 80-Megawatt-Trafo ergänzt werden. "Im Endausbau haben wir hier dann drei Netztrafo-Schaltfelder, zudem bereiten wir ein viertes vor", sagt Projektleiter Behringer. Netzbetreiber Bayernwerk stellt sich damit auf noch mehr Großanlagen zur Erzeugung von regenerativer Energie ein. "Die Investitionen für den bedarfsgerechten Umbau werden über das Netzentgelt umgelegt", verweist Bayernwerk-Pressesprecher Martens darauf, dass die Kosten dafür letztlich alle Stromkunden tragen: "Das ist Teil der allgemeinen Stromkosten."

Dazu ein Kommentar von Redakteur Ralf Ruppert:

Im Oktober 2020 haben die Stadt Hammelburg, die Stadtwerke und die Bayernwerk AG den Energiemonitor für die Kommune freigeschaltet. Auf energiemonitor.bayernwerk.de/hammelburg kann jeder weltweit live zuschauen, wie viel Strom in Hammelburg erzeugt und verbraucht wird, alle 15 Minuten werden die Daten von 508 Photovoltaikanlagen, sechs Windrädern, vier Wasserkraftwerken und weiteren Anlagen aktualisiert. Ergebnis: In den zurückliegenden 288 Tagen hat die Stadt Hammelburg 82 Prozent ihres Strombedarfs selbst erzeugt.

An einzelnen Tagen ist sogar jede Menge Strom übrig. Beispiel Freitag, 31. Juli: 89,5 Megawattstunden haben alle Haushalte und Betriebe im Stadtgebiet an diesem Tag verbraucht, alleine die Windräder speisten an dem Tag 121,8 Megawattstunden ins Netz ein, von den Solaranlagen kamen weitere 33,5 Megawattstunden, insgesamt wurden im Stadtgebiet 174,6 Megawattstunden Strom erzeugt, also fast das Doppelte dessen, was vor Ort benötigt wird.

Dass Hammelburg kein Einzelfall ist, zeigt die Bilanz des Umspannwerks Fuchsstadt, das den Südwesten des Landkreises mit Strom versorgt: Im Jahr 2020 gab es an 123 von 366 Tagen, also an jedem dritten Tag, in Fuchsstadt unterm Strich eine Rückspeisung. Sprich: In der Region wurde mehr Strom erzeugt als verbraucht.

Die Energiewende ist in vollem Gang, und die Region ist ganz vorne mit dabei: Trotz der bayerischen 10-H-Regel entstehen gerade südlich von Sulzthal und Fuchsstadt sechs neue Windräder. Das dürfte auf einen Schlag die Zahl der Tage, an denen in Fuchsstadt netto Strom eingespeist wird, in die Höhe schnellen lassen. Wenn die Menschen vor Ort an dieser Energiewende beteiligt werden, ist das eine Erfolgsgeschichte.