Die Situation ist vertrackt: "Wir wollen eigentlich nicht vor Gericht, aber die Gemeinde spricht ja nicht mit uns", sagt Volker Partsch. Der Langendorfer sitzt selbst im Gemeinderat, wenn es um das Thema Holzrecht geht, müssen er und seine Langendorfer Kollegen allerdings den Sitzungssaal verlassen, denn: Sie gehören selbst zu den aktuell 53 "Rechtlern" und dürfen deshalb laut Gemeindeordnung nicht mitstimmen. Die Wut der Langendorfer richtet sich gegen die Höhe der Kosten, die die Gemeinde mittlerweile pro Ster verlangt. "Wir sind laut Gemeindeordnung verpflichtet, die Gestehungskosten umzulegen", verweist dagegen Bürgermeister Johannes Krumm (FW/SPD) auf Paragraph 81 der Gemeindeordnung.

In anderen Gemeindeteilen verfallen

Das Holzrecht selbst steht außer Frage, schließlich ist es vielfach schriftlich festgehalten: "In Langendorf gibt es das noch, in allen anderen Gemeindeteilen sind solche Holzrechte verfallen", bestätigt Bürgermeister Krumm. Ein volles Recht bedeutet nach Angaben der Rechtler sechs Ster Brennholz jährlich. Jochen Partsch hat sich beim Kauf seines Grundstücks in der Ortsmitte dieses Recht auch notariell beurkunden lassen. "Das wird ja sogar auf den Grundstückspreis aufgeschlagen", nennt Partsch eine konkrete Auswirkung des Holzrechtes.

Früher sei das Holzrecht vor allem abgearbeitet worden, erzählt der Langendorfer Otto Schreiner: Die Holzrechtler machten ihr Brennholz im rund 200 Hektar großen Rechtlerwald selbst, halfen zudem bei Pflanzungen oder Aufräumarbeiten. "Irgendwann hat die Gemeinde einseitig auf die Arbeitsleistung verzichtet", berichtet Partsch. Die Rechtler sollten nicht mehr in den Wald, sondern die Gemeinde stellte das Holz bereit. Und zwar nicht nur im ursprünglichen Rechtlerwald im südlichen Teil der Langendorfer Gemarkung, sondern auch in anderen Teilen des Gemeindewaldes, etwa in Machtilshausen.

Früher nach Bedarf, später sechs Ster

Immer wieder habe es auch Änderungen beim Holzrecht gegeben. "Früher sammelte jeder das Holz für den täglichen Bedarf", sagt Partsch. In den 1970er Jahren hätten sich Gemeinde und Rechtler auf eine feste Menge geeinigt: sechs Ster pro Recht. "Natürlich muss man sowas regeln", hat Partsch Verständnis für die Vereinbarung. Die Gemeinde vermarkte das wertvollere Stammholz, die Kronen würden zu Brennholz aufgearbeitet. Daneben gebe es noch ein Bauholzrecht, das allerdings nur selten genutzt werde.

Streitpunkt ist nun aber, was die Gemeinde für das Rechtler-Holz verlangt: Im Jahr 2006 habe ihm die Gemeinde 30,68 Euro für das komplette Recht in Rechnung gestellt, berichtet Partsch. 2018 kam dann ein Bescheid, der alle Kosten für den Holzeinschlag umlegt. Ergebnis: 24,66 Cent pro Ster, also rund 148 Euro für das Recht - unabhängig von der Qualität und dem Ort, an dem es im Wald sitzt. "Damit wird nach und nach das jahrhundertealte Recht ausgehebelt", sagt Gemeinderat und Rechtler Jürgen Simon. Obwohl es sich beim Rechtlerwald vor allem um wertvolle Buchenbestände handelt, enthalte das Holz auch "dünne Prügel" und Weichholz. Die Rechtler hätten also kaum mehr einen Vorteil, das Holz komme ihnen fast so teuer wie anderen Bürgern.

"Schlimmer als Raubritter"

Drastische Worte findet der Langendorfer Otto Schreiner: "Die Raubritter früher auf der Trimburg haben den Langendorfern ihr Recht gelassen, die waren nicht so schlimm wie die Gemeinde jetzt", sagt er wütend und spricht von "Enteignung". Die Langendorfer hätten sich ihr Recht schließlich erarbeitet: Laut mündlicher Überlieferung bauten ihre Vorfahren an der Trimburg mit, auf alle Fälle aber an Straßen oder der Kirchenheizung. Bis heute gebe es Aktionen der Holzrechtler für das Gemeinwohl.

Finanziell rechne sich die Klage samt Nebenkosten vermutlich nicht, aber: "Es geht hier um jahrhundertealte Rechte", sagt Simon. Und Partsch sieht das Holzrecht als frühe Version einer "Energie-Selbstversorger-Genossenschaft", deren Weiterbestehen bei der Gebietsreform 1972 garantiert worden sei.

Vorsitzender des Langendorfer Rechtlervereins ist Alfons Hausmann, ebenfalls Gemeinderat. Der aktuellen Klage habe er sich nicht angeschlossen, allerdings habe er bereits im vergangenen Jahr geklagt. Damals habe es zumindest einen Teilerfolg gegeben, die Gemeinde habe die Vermarktungskosten abgezogen. Hausmann äußert sich nicht zur Klage, weil er selbst noch abwarten wolle, wie es mit seiner Klage weitergehe.

Laut Bürgermeister Krumm ist das Thema aufgekommen, weil einer der Rechtler sein Holzrecht ausbezahlen lassen wollte. "Deshalb haben wir erstmals die Kosten berechnet." Im vergangenen Jahr sei er selbst bei der ersten Verhandlung in Würzburg gewesen. Der Richter habe den Klägern damals nahe gelegt, ihre Klage zurückzuziehen, berichtet Krumm. Unter anderem sei festgestellt worden, dass mit dem Verschwinden des Waldes auch das Holzrecht erlischt, denn: Mitten durch den Rechtlerwald führt heute die A 7, zudem wurden Flächen für den Steinbruch verkauft.

Persönlich bei der Verhandlung

"Wir sind vom Landratsamt und von der Regierung von Unterfranken angehalten, die Kosten umzulegen", betont Krumm. Deshalb sei er selbst gespannt, wie das Verfahren ende. Vorwürfen, dass es keine Gespräche gegeben habe, widerspricht er und verweist auf Verhandlungen. Allerdings seien alle Schlichtungsversuche gescheitert. Wenig könne er zu früheren Änderungen und zu Details der Berechnung sagen, schließlich sei er erst seit eineinhalb Jahren im Amt. "Solange ich weiß, hat es jedenfalls die Gemeinde aufgearbeitet." Krumm will morgen zur Verhandlung nach Würzburg fahren, die Kläger dagegen verzichten coronabedingt auf eine Teilnahme.

Blick in andere Kommunen

Holzrechte gibt es auch in weiteren Kommunen, allerdings in unterschiedlichen Ausprägungen. "Bei uns ist die Gemeinde komplett raus, der Wald gehört den Rechtlern, für uns ist das wie ein Privatwald", sagt etwa der Ramsthaler Bürgermeister Rainer Morper.

Im Hammelburger Stadtteil Diebach stelle die Stadt den Holzrechtlern Lose zur Verfügung, berichtet Bürgermeister Armin Warmuth, selbst Holzrechtler: "Die Stämme sind gefällt, das Brennholz muss selbst aufgearbeitet werden", beschreibt er die Regelung. Gegenleistungen wie früher beim Aufforsten werde heute keine mehr verlangt.

Auch in Oberthulba gebe es aktuell keine Probleme, außer mal einer Nachfrage wegen der Holz-Qualität, berichtet Bürgermeister Mario Götz. In Wittershausen sei der Rechtlerwald zwar Eigentum der Gemeinde, die Rechtler bewirtschaften ihn aber eigenständig. Kosten würden nur anfallen, wenn ein Maschineneinsatz notwendig sei. In Frankenbrunn und Oberthulba stehen den Rechtlern laut Götz jeweils knapp zehn Ster Holz jährlich zur Verfügung. Dort werde ein "Hauerlohn" umgelegt. Zudem würden die Holzrechtler auch immer wieder gemeindliche Aufgaben übernehmen, denn: "Jedes Recht bedeutet auch eine Pflicht."