Teilen lautet das Prinzip des Permakulturgärtners. Das heißt, rund 75 Prozent der Früchte seiner Arbeit landen auf den Tellern von Familie und Freunden, 25 Prozent bereichern den Tisch von Mäusen, Käfern, Würmern und anderem Getier. Wie das genau vor sich geht, erklärte Florian Probeck, leidenschaftlicher Freizeitgärtner und im Vorstand vom Obst- und Gartenbauverein aktiv, bei einem Rundgang. Alles schaut ein wenig nach Kraut und Rüben aus und das soll so sein. Die zwei Gärten, die die Teilnehmer bei einer Veranstaltung des Bund Naturschutzes besichtigten, sind auf das Feinste und anders als man es üblicherweise kennt, kultiviert.

Ganz ohne Chemie

"Die Sorge für die Natur, die Sorge für den Menschen und das gerechte Verteilen stehen auf der Liste der Permakulturarbeit", sagt Probeck, der hauptberuflich als Lehrer tätig ist und mit seiner Familie in Euerdorf wohnt. Zudem gedeiht sein Garten ganz ohne den Einsatz von Chemie. Natürlich muss man bei einem solchen Anbau wagen, seinen Garten ein bisschen anders zu gestalten, es aushalten, dass Käfer, Mäuse, Igel sich laben an dem, was unter sengender Hitze oder strömendem Regen gehegt und gepflegt wurde. Auch das Unkraut darf sich bis zu einem gewissen Grad breit machen, denn es ist ja ebenfalls ein Kraut und für irgendetwas wichtig oder gar unentbehrlich.

Hier in Euerdorf wächst jedenfalls das Paradies für Menschen, Pflanzen und Tiere auf einer Fläche von rund 600 Quadratmetern scheinbar mühelos aus dem Boden. Es blüht und gedeiht üppig, es summt und brummt, zirpt und zwitschert an allen Ecken und Enden: Hier ist Leben! Das Paradies in Besichtigungsgarten Nummer Eins liegt an einem Bach, in dem Getränke stehen, die später - durch das Wasser gekühlt - die Interessierten erfrischen. Blumenkohl, grüner Spargel, Kartoffeln, Kürbis, Johannisbeeren, Mais, Salat, Tomaten, Zucchini und Zwiebeln erwarten die Gäste. Neben Obst und Gemüse bereichern in Garten Nummer Zwei, ein Stück weiter oben gelegen, junge Laufenten und Brahma-Hühner mit Puscheln an den Beinen das Territorium. Sie scharren, kratzen und picken im Boden, während die Laufenten neugierig die lackierten Zehennägel in den offenen Sandalen ihrer Trägerinnen unter die Lupe nehmen. Was für ein friedliches Bild!

Ordnung im Chaos

Rund 40 Leute, unterteilt in drei Gruppen zu unterschiedlichen Zeiten und mit Mindestabstand, blicken in den Gärten auf das scheinbar wilde Sammelsurium, in dem sich nach und nach die Ordnung im vermeintlichen Chaos erschließt. "Man sollte nicht mehr Ressourcen verbrauchen als man hat", sagt Probeck, auf dessen Shirt ein -Motiv mit einer verästelten Lunge zu sehen ist. Er zeigt auf den Ausdruck einer Permakulturblume, die den Kreislauf nach der Methode von Bill Mollison und David Holmgren beschreibt. Aus drei ethischen Grundprinzipien, Sorge für die Natur, Sorge für die Menschen, Konsumbegrenzung, ergeben sich weitere Prinzipien. Darunter auch Saatgutpflege, integrierte Wasserkultivierung und, den Garten zu planen.

"Ich baue das an, was ich gerne esse und was man gut aufheben kann", fasst Probeck zusammen. Befall durch Schädlinge reguliert er durch Absammeln oder er setzt auf natürliche Feinde und Lauge. Statt Rindenmulch zu kaufen, schreddert der Permakulturgärtner gehäckseltes Holz aus seinem eigenen Garten, "weitere Einstreumaterialien sind Schafwolle und Dung von Bärbels Schafen aus Ramsthal". Echte Holzkohle kommt zum Einsatz, aber nur die aus heimischen Hölzern.

Wichtig ist das Hügelbeet

Als zentrales Thema im Permakulturgarten gilt das Hügelbeet, es besteht aus verschiedenen Schichten und hat daher im Entstehungsprozess auch den Namen Lasagnebeet. Nicht ungewöhnlich ist es, Rosen- oder anderen Holzschnitt, als Grundlage zu nehmen und das Ganze mit weiterem organischem Material wie Rasenschnitt, Laub- und Gartenabfall, Mist, grobem und feinem Kompost oder Lehm aus dem Garten aufzufüllen. In so einem Hügelbeet, das kann man sich leicht vorstellen, sammeln sich die Nährstoffe, die es dem Gärtner erlauben, nicht noch zusätzlich düngen zu müssen. Zudem wirkt sich die Wärme im Hügelbeet positiv auf die Pflanzen aus. Würmer und sonstige Nützlinge lieben das. Hügelbeete wiederum lieben sonnige Standorte und sollten so angelegt sein, dass man sie leicht beernten kann, daher sind sie meistens nicht mehr als 1,50 Meter breit. Rund fünf Jahre dauert es, bis das Holz verrottet ist und neu angelegt werden sollte. Die Pause im schattigen Garten der Nachbarin nutzte Elisabeth Assmann vom Bund Naturschutz "als Werbeblock in eigener Sache" . Rund 2500 Mitglieder zählt die Kreisgruppe, der zahlreiche Veranstaltungen rund um Natur- und Umweltschutz anbietet.

Nächstes Jahr Kochkurse

Die öffentlichen Gartenbegehungen werden vom bayerischen Naturschutzfonds über das BN-Umweltbildungsprojekt 2020 "Das interessiert mich echt die Bohne" ermöglicht. Dazu gibt es nächstes Jahr Kochkurse mit heimischem Gemüse und Eiweißpflanzen. Zudem machte Assmann auf die Schmetterlingsaktion mit dem Kleinen Nachtpfauenauge, die in Kindergärten und Schulen angeboten wird, aufmerksam. Fazit: Der Nachmittag in Euerdorfs Garten Eden entlässt die Teilnehmer begeistert und nachdenklich - das Werkzeug, die Gartenwelt im Sinne der Permakultur zu verändern, inklusive.