Neue Nachbarn machen ein bisschen neugierig. Sind Sie nett? Werden sie Haus und Hof sauber halten? Werden sie den ansässigen Anwohnern mit Respekt begegnen? Oder stören sie die Nachtruhe, sind laut oder gar aggressiv? Ganz ohne Umzugswagen kamen die neuen Nachbarn von Rolf und Inge Dotzauer in Garitz an und bezogen die alte Scheune hinter ihrem Haus.

Die beiden staunten nicht schlecht, als sie beim Blick aus dem Fenster eines frühen Morgens in fremde Gesichter sahen. Die Waschbären, die es sich über Nacht in dem alten Gebäude gemütlich gemacht haben, schauten nicht minder neugierig zurück. "Ein paar Minuten standen wir da", erinnert sich der Kunsterzieher. Es schien so, als würden die Waschbären sich wie er und seine Frau fragen, was die Nachbarn im Schilde führen.

Die Tiere sind nachtaktiv

Inzwischen wissen die Dotzauers: Eine Waschbärenmutter hat sich mit ihren Jungen eingenistet, die Familie marschiert abends zur Futtersuche los und klettert am Morgen in den Scheunendachboden zurück - Waschbären sind nachtaktiv. In der Dämmerung rücken sie aus ihren Tagesverstecken, das können auch Baumhöhlen, alte Fuchsbauten und ähnliches sein, im Morgengrauen kehren sie in ihr Versteck zurück.

Kai Wiedamann von FotoArt Bad Kissingen ist es gelungen, die Tiere auf dem Weg durch seinen Hof zu fotografieren. Er ging methodisch vor und legte sich auf die Lauer, um das Verhalten der Tiere kennen zu lernen. Und die neuen Nachbarn erwiesen sich als pünktlich. "Jeden Abend, man kann fast den Wecker danach stellen, laufen sie bei der Futtersuche über unser Grundstück."

Bei ihm und seiner Familie werden die Waschbären nicht fündig. Die Tiere setzen sich gern an einen gedeckten Tisch: In der Nähe von menschlichen Siedlungen landen Essensreste auf ihrem Speiseplan. Sie schlecken den Abfall im Gelben Sack aus, den sie vorab zerreißen, um an die erschnupperten Leckereien zu gelangen. Sie laben sich an Katzen- oder Hundefutter, das im Freien deponiert ist.

Waschbären sind Allesfresser

Waschbären sind Allesfresser und ernähren sich in der freien Wildbahn von Beeren, Früchten, Nüssen, Insekten und Eiern. Wenn es sich ergibt, fressen sie auch Würmer, kleine Vögel oder Mäuse. "Zu beachten ist", sagt Dr. med. vet. Thomas Koy vom Veterinäramt im Landratsamt Bad Kissingen, "dass Waschbären als Überträger von Krankheiten in Frage kommen." In Mitteleuropa, so Koy, dürfte die Tollwut keine Rolle mehr spielen. "Aber insbesondere mit dem Kot ausgeschiedene Parasiten sind unter Umständen auch für den Menschen gefährlich", weist der Experte auf Gefahren hin und fügt hinzu, "mit den üblichen Hygienemaßnahmen ist diese Problematik allerdings zu beherrschen".

Örtlichen Jäger zu Hilfe holen

Der Waschbär diente ursprünglich als Pelzlieferant und wurde ab den 1920er Jahren von Nordamerika nach Deutschland gebracht. Hier lebte er nicht in der Wildnis, sondern fristete in Pelzfarmen ein trauriges Dasein. 1934 setzte man in Hessen die ersten Waschbären bewusst aus, anfangs stand das Tier unter Naturschutz, heute dürfen Waschbären ganzjährig erlegt werden.

Wer den Nachbarn Waschbär als Problem sieht, sollte den örtlichen Jäger zu Hilfe holen. Schlag-, als auch Lebendfallen sind erlaubt, um die Tiere einzufangen. Voraussetzung hierfür ist ein Fallenlehrgang.

Im Allgemeinen gelten die Tiere mit der hübschen Fellzeichnung als harmlos. Sie reagieren aber sauer, wenn sie in eine ausweglose Situation gedrängt werden, dann stehen Fauchen, Kratzen und notfalls auch Beißen zur Verteidigung im Programm.

Fasziniert von der Kommunikation der Tiere

Besonders fasziniert sind die Familien Dotzauer und Wiedamann vom sozialen Verhalten und der Kommunikation der Tiere. Stets geht die Mutter vorneweg, peilt die Lage, wenn alles sicher scheint, gibt sie ein Zeichen und erst dann traben die Jungen hinterher. "Wenn sie morgens daheim ankommen und Schlafenszeit angesagt ist, quengeln und schnattern die Jungen immer noch ein wenig", hat Rolf Dotzauer beobachtet, "fast so wie Kinder, die noch nicht ins Bett gehen wollen."

Hintergrund: Das gilt es zu beachten, damit der Waschbär sich nicht heimisch fühlt

Tipps, damit der Waschbär sich nicht ansiedelt: Bäume oder Sträucher die bis zum Dach des Hauses oder der Scheune reichen, großzügig zurückschneiden, Regenrinnen mit Blechmanschetten über den Fallrohren und den Schornstein mit einem Metallgitter versehen, Das erschwert das Eindringen.

Waschbären behalten gerne den Überblick und siedeln daher gerne an höher gelegenen Plätzen. Um ins Haus gelangen - vielleicht lockt ja der Duft des Katzenfutters - bleibt die Katzenklappe nachts am besten geschlossen. Komposthaufen sollten ohnehin nicht mit Fleisch-, Fisch-, Brot-, Milch- oder Obstresten angereichert werden - falls doch, wirkt dieses Angebot wie die Einladung zum Fünf-Sterne-Menü.

Mülltonnen - insbesondere Biomüll - können sich ebenfalls als Fressparadies entpuppen. Sie sollten so stehen, dass dem Waschbär der Einstieg nicht gelingen kann - also möglichst weit weg von einem Zaun, einer Mauer oder einem Gebüsch. Um dem Nachtschwärmer keine Gelegenheit zum Snacken zu bieten, stellt man die Gelben Säcke erst am Abholtag an den Straßenrand. Gleiches gilt für öffentliche Abfalleimer.