Mit dem erstmals stattfindenden Riedenberger Bürgerforum startete der örtliche CSU-Ortsverband ein Pilotprojekt, das die Erwartungen weit übertraf. Die Bürger hatten hier die Möglichkeit, Themen, die unter den Nägeln brennen, eine Plattform zu geben, oder auch nur ihren Informationsbedarf zu decken. Nahezu vollbesetzt war der große Saal des SV-Vereinsheims. Mit dabei auch Landrat Thomas Bold (CSU) und MdL Sandro Kirchner (CSU).

Drei große Themen hatten die Mitglieder des CSU-Ortsverbandes auf die Agenda geschrieben, die in Riedenberg immer wieder für Diskussionen sorgten: die nicht mehr ganz junge Geschichte der Bahntrassen-entwicklung, der zunehmende Ankauf von Flächen durch die Forst- und Naturschutzbehörde sowie der Stand zu den Planungen der Stromtrasse Südlink.

Wie Bürgermeister Roland Römmelt (CSU) mitteilte, war der erste Antrag auf Entwidmung der Bahntrasse zunächst abgelehnt worden. Nun besteht jedoch eine erneute Möglichkeit, diesen zu stellen, und es gibt auch berechtigte Hoffnung auf die tatsächliche Umsetzung. Sobald dies geschehen sei, will die Gemeinde in jedem Fall den Grund erwerben und einen kombinierten Rad- und Fußweg bauen. Jedoch werde es bei der Durchführung noch erhebliche Probleme mit der Entsorgung des kontaminierten Schotters geben. Dass dieser weg müsse, sei für Bürgermeister Römmelt unabdingbar. Wer trägt hierfür die Kosten? Landrat Bold erwiderte, dass es wichtig sei, eine technisch gute Lösung zu finden. Doch die Haushaltsmittel stünden bereit.

Wie von Straßenbau-Ingenieur Hubert Dorn allerdings betont wurde, sei es unmöglich, auf dem bestehenden Schotter zu asphaltieren. "Das hat alles zu lange gedauert. Bäume und Sträucher haben die Strecke völlig unterhöhlt und würden zeitnah durch den Asphalt drücken und diesen zerstören."

Streit um die Gemarkungsflächen

Auf Unverständnis stößt in Riedenberg die Tatsache, dass seit einiger Zeit immer mehr Gemarkungsflächen von der Forst-und Naturschutzbehörde gekauft werden. Ärgerlich sei es, dass die Behörden ein Vorkaufsrecht haben, und somit die Möglichkeit für andere Kaufinteressenten genommen wird. Besonders die Jagdgenossenschaft möchte dem entgegenwirken. "Sind die Flächen einmal weg, sind sie es für immer", gab Jagdpächter Wilfried Helfrich zu bedenken.

Wie der Landrat betonte, stelle die Bundesregierung Gelder zur Verfügung, um sie für diese Ankäufe zu nutzen. Ruft die Behörde diese nicht ab, sind sie verloren. Doch Bold riet auch, sich in konkreten Fällen immer mit ihm persönlich kurz zu schließen. Auch riet er den Grundbesitzern, die verkaufen möchten, sich generell zunächst an die Gemeinde zu wenden. Bürgermeister Römmelt warf emotional ein: "Hier entsteht der Eindruck, dass sich der Landkreis regelrecht freikauft, und so die nötigen Austauschflächen für Windkraftparks schafft. Allerdings geht dies auf unsere Kosten ."

Südlink beschäftigt die Bürger massiv, läuft die geplante Stromtrasse doch direkt an Riedenberg vorbei und verläuft auch mitten durch das Biosphärenreservat. MdL Sandro Kirchner betonte zunächst die Notwendigkeit einer Energiewende. Ziel sei es, eine sichere saubere und bezahlbare Energiereform zu finden. Im Kampf gegen die Stromtrasse sei man zumindest ein Stückchen weiter als zu Beginn. Die Bürgerinitiativen (BI), die sich entlang der Stromtrasse gebündelt haben, beeindrucken bei den Verhandlungen.

Energiedialog dringend nötig

Noch immer sei auch nicht die Notwendigkeit einer solchen Stromtrasse bewiesen. Selbst die Wissenschaftler seien sich nicht einig und kämen zu den unterschiedlichsten Ergebnissen. "Prinzipiell ist die gesamte Deckungslücke beim Strombedarf durch mehrere Maßnahmen reduzierbar. Energieeinsparung, verstärkte Energieeffizienz, verstärkter Ausbau der erneuerbaren Energien sowie der verstärkte Ausbau von konventionellen Kraftwerken, wie Gas- oder Blockheizkraftwerke, aber letztendlich auch der innerdeutsche Austausch von Strom", betonte Kirchner. Jedoch sei die bisherige Vorgehensweise sehr unglaubwürdig. Man lasse die vier Netzbetreiber den Bedarf ermitteln, lasse diese die Leitungen bauen und eine saftige Rendite von neun Prozent einstreichen. Der Energiedialog sei dringend nötig und dennoch würde Tennet sämtliche Punkte hieraus ignorieren, würde sogar behaupten, der Bürger wolle die Stromtrasse. Die Gründung von Rhönlink sei hierbei ein genialer Schachzug gewesen, eine Solidarisierung der gesamten Region. Besonderen Dank zollte er hier Initiator Bürgermeister Jochen Vogel. Auch Landrat Bold engagiert sich sehr: "Warum wurde nicht von Anfang an die kürzeste Strecke gesucht, sondern die Umwege so gelegt, dass alle vier Netzbetreiber eine jeweils gleichgroße Strecke für sich beanspruchen können? Hier geht es eindeutig nur um den Profit."
"Wir werden weiter kämpfen", betonte Sandro Kirchner. Doch sollte der Bedarf nachgewiesen werden und eine Stromtrasse wirklich nötig sein, müsse man Kompromisse finden, wie beispielsweise eine Erdverkabelung.