"Zu laut war's", sagen die Leute am Stand der Städtepartnerschaft und trinken französischen Wein. "Hier kann man sich wenigstens noch unterhalten." Nun, das sagen sie jedes Jahr. In der Altstadt allerdings, wo heuer die Jugendbühne aufgebaut war, war es wirklich laut. "Nichts gegen die Musik", sagt Armin Sauermann vom Fischereiverein, der just hinter der Bühne seine Fische verkaufte. "Aber wenn man sieben bis neun Stunden mit diesen Bässen vollgedröhnt wird, hat man ein Problem." Einige ältere Helfer hätten am Samstag schlicht aufgeben müssen. "Die Gemütlichkeit hat gelitten."

Einbußen für Händler

Heidi Kubotsch, die schon seit vielen Jahren mit ihrer Zuckerbäckerei auf dem Stadtfest Station macht, spricht gar von "Verhältnissen wie an der Love Parade in Berlin". Sie stand mit ihrem Wagen am Eingang der Ludwigstraße gegenüber des Bücherladens. Ihr Fazit: Der Lärm sei unerträglich gewesen, der Umsatz um 70 bis 80 Prozent eingebrochen. Sie kritisiert das Forum scharf: "Das Stadtfest und die Märkte in Bad Brückenau brauchen zuverlässige Veranstalter, die mit der Organisation solcher Großveranstaltungen umgehen können."

Auch Thomas Dittmayer, Betreiber der "Klappe" hat weniger Umsatz gemacht. "Die Jugendbühne gehört nicht in die Altstadt", wiederholt er seine Forderung. Schon im Vorfeld des Festes war Frust darüber laut geworden, dass die Bühne am Sinnauplatz weggefallen war. Der SV Römershag, der traditionell dort ausschenkt, hätte einen Großteil der Bühnenorganisation allein stemmen müssen. Das Risiko war dem Verein zu groß.

Frust beim SV Römershag

"Ich möchte klarstellen, dass wir uns nicht freiwillig vom Stadtfest verabschiedet haben", platzt Gunther Schwarz vom SV Römershag der Kragen. Die Planung sei viel zu kurzfristig, das Konzept für die Jugend halbherzig kommuniziert worden. "Ich hatte den Eindruck, dass es die Jugendbühne so nicht geben soll!" Dabei habe sich die Bühne auf dem Sinnauplatz bewährt.

Schwarz hat kein Verständnis dafür, dass der SV Römershag für "seine" Bühne hätte Geld in die Hand nehmen sollen, während die Finanzierung der Hauptbühne auf dem Marktplatz selbstverständlich vom Forum getragen worden sei. Zum Hintergrund: In den Vorjahren hatte die Stadt als Veranstalter sogar drei Bühnen finanziert.

"Erste Priorität hatte die Jugendbühne für mich wirklich nicht", sagt Hans Rohrmüller, Vorsitzender des Forums. Und, wie zur Erklärung: "Ich kenne noch das alte Stadtfest." Rohrmüller hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er zum ursprünglichen Charakter des Stadtfestes zurückkehren möchte. Sauberkeit und Sicherheit hatten für ihn erste Priorität. Dass dies gelungen ist, quittieren ihm nicht nur die Festbesucher sondern auch die Polizei.

Auf Toiletten reduziert

"Das Stadtfest wird auf die Klos reduziert!", kann es Stadtrat Hartmut Bös (CSU) nicht fassen. In den Vorjahren hatte er zusammen mit Gudrun Friedrich-Kleine von der Tourist-Info das Stadtfest mitorganisiert. Die Erfahrungen des Teams sei nicht gefragt gewesen. Nun falle das, was über Jahre aufgebaut worden sei, in sich zusammen.

Bös vermisst eine durchdachte Musikauswahl für alle Altersgruppen, er kritisiert, dass Sponsorengelder nicht abgerufen wurden und das Marketing miserabel gewesen sei. "Was hat die Stadt an Qualität und Leistung für 17.500 Euro erhalten und was bekommt sie für 15.000 Euro?", fragt Bös im Blick auf die Kosten, die die Stadt dadurch einspart, dass das Forum die Organisation übernommen hat. Für die nächste Stadtratssitzung kündigt er eine Debatte an.