Dass diese Jahre nicht immer leicht waren, zeigte sich schon ganz zu Beginn. Der Zweite Weltkrieg hatte Hunger und Not über die Menschen gebracht, als Heinrich Schmitt (89) seiner Emma den Hof machte. "Sie hatte es mir nicht einfach gemacht, und ich musste meinen ganzen Charme und auch Geduld aufbringen, um das Mädchen mit den schönen Beinen zu erobern", schmunzelt er. Mit einer selbstgebackenen Torte in Herzform konnte der gelernte Bäcker schließlich das Herz seiner Angebeteten gewinnen.

In der Römershager Kirche wurden die beiden getraut und lebten zunächst mehr als bescheiden und oft von Hunger geplagt in einem kleinen Zimmer in Wildflecken. Mit der Geburt des ersten Sohnes zogen sie zu Heinrichs Verwandten, wo ein zweites Zimmer zur Verfügung stand. Nachdem Heinrich Schmitt 1955 seinen Bäckermeister gemacht hatte, plante das junge Paar, sich mit einer eigenen Bäckerei selbstständig zu machen. Jedoch machte der Tod von Emmas Onkel diesem Plan einen Strich durch die Rechnung. Auf Drängen der Patentante übernahmen sie deren kleinen Laden. Zwischenzeitlich wurden auch Sohn Karl-Heinz und Tochter Brigitta geboren.

Humor nicht verloren

30 Jahre lang stand Emma Schmitt täglich in diesem Geschäft, während ihr Mann bei den Amerikanern eine Anstellung fand. Nun stellte sich auch ein bescheidener Wohlstand ein. "Viel hatten wir nicht, doch wir waren zufrieden", so Emma Schmitt. Noch bis vor kurzem war sie äußerst agil und aktiv: kaufte vor fünf Jahren das kleine Haus ihres verstorbenen Bruders in Römershag. Renovierte es mit ihren eigenen Händen und fuhr mit dem Fahrrad von Riedenberg dorthin und zurück. Sie legte einen Garten an und bewirtschaftete diesen. "Leider musste ich nun aber erstmal kürzer treten, da eine schwere Herzoperation noch nicht ganz ausgestanden ist."

Auch Heinrich Schmitt musste kürzlich eine schwere Darmerkrankung überstehen, von der alle glaubten, dass er diese nicht überleben würde. "Jetzt kann ich aber nach mehr als einem Vierteljahr wieder auf eigenen Beinen stehen. Doch hätte ich nicht die Fürsorge meiner Emma gehabt, wäre das nicht so gut ausgegangen", weiß er. Beide haben ihren Humor nicht verloren und sehen zu ihrem großen Jubiläum wieder positiver und hoffnungsvoller in die Zukunft als vor kurzem. Gefeiert wird am Wochenende mit Sohn Karl-Heinz, der seinen 60. Geburtstag gleich mitbegeht.