Bamberg
Verkehr

Brauchen wir kostenlose Busse in Bamberg?

Samstags gratis in die Stadt fahren: Was BA und CSU durchsetzen wollen, hält der Kämmerer für Geldverschwendung. In Aschaffenburg, wo das Projekt seit sechs Monaten läuft, wurden nicht alle Erwartungen erfüllt.
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Foto: Ronald Rinklef, Montage: Michael Haller
Foto: Ronald Rinklef, Montage: Michael Haller

Keine Parkplatzsuche, keine Parkgebühren, weniger Hektik: "Wir würden auf jeden Fall öfters Busfahren, wenn es kostenlos wird", sind sich drei Männer aus Bamberg einig, die aus dem Parkhaus Geyerswörth in die Altstadt laufen. "Ich weiß nicht, mit dem Auto bin ich unabhängiger", zeigt sich hingegen eine junge Frau aus dem Landkreis skeptisch, die gerade vom Einkaufen kommt und nun wieder ins Auto steigt, um ins Schwimmbad weiterzufahren.

"Wer kann schon dagegen sein?"

Mit kostenlosen Bussen an Samstagen sollen der Autoverkehr eingedämmt und die vom Internetversand gebeutelten Einzelhändler gestärkt werden. "Wer kann schon dagegen sein?", fragt Helmut Müller, Fraktionsvorsitzender der CSU. Einer kann. Der Kämmerer der Stadt Bamberg: "Das Geld können wir genauso gut im Kamin verfeuern" - Bertram Felix macht keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen die Idee. Noch mehr stört ihn der Vorschlag der CSU, die benötigten 200 000 Euro möglichst noch in diesem Jahr durch einen Nachtragshaushalt zu finanzieren. Dies würde gegen Auflagen verstoßen, die eine Kommune mit Schulden - wie Bamberg - von der Regierung bekommt. Unter anderem: "Es dürfen keine zusätzlichen freiwilligen Leistungen angeboten werden", erklärt Felix. Entsprechend verwies Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) die Fachdiskussion auf den Umweltsenat im November, also noch vor den Haushaltsverhandlungen für 2020.

Der Fraktionsvorsitzende der Bamberger Allianz (BA), Dieter Weinsheimer, sei "froh, dass das überhaupt mal auf die Tagesordnung kommt", auch wenn er sich wie die CSU einen früheren Start gewünscht hätte. Immerhin: Die Stadtwerke planen laut Sprecher Jan Giersberg ein entsprechendes Angebot an den Adventssamstagen - die Finanzierung, knapp 50 000 Euro, ist aber auch noch nicht geklärt.

Die BA brachte den Vorschlag der kostenlosen Samstags-Busse bereits im Dezember 2018 ein, die CSU unterstützte die Idee drei Monate später. Da bisher nichts passiert ist, reichten beide Parteien Dringlichkeitsanträge im Finanzsenat ein - was einige Stadtratskollegen wie Heinz Kuntke (SPD) als "Wahlgeschenke" im bereits beginnenden Kommunalwahlkampf deuteten.

Blick nach Aschaffenburg

Ob Wahlkampf oder nicht: Vorab lohnt sich ein Blick ins unterfränkische Aschaffenburg, wo das Projekt bereits seit über einem halben Jahr läuft. Der dortige Stadtwerke-Geschäftsführer Dieter Gerlach zeigt sich auf Nachfrage vollauf zufrieden: "Wir haben einen starken Anstieg. 30 Prozent mehr Fahrgäste an den kostenlosen Samstagen - da kommen immerhin ein paar Tausend Leute mehr in die Stadt." Einen ebensolchen Anstieg erwarten auch die Bamberger Stadtwerke, sagt Jan Giersbergt. In Aschaffenburg sei dies "ohne zusätzliche Kosten für die Stadtwerke" möglich. Denn die Busse, die unter der Woche oft voll seien, hätten samstags noch Kapazitäten. "Wir müssen also den Fuhrpark nicht erweitern", erklärt Gerlach. Weitere Vorteile: "Der Einzelhandel jubelt. Und wir führen Leute an den ÖPNV heran, die teilweise seit Jahren nicht mehr Bus gefahren sind." So erhofft sich Gerlach langfristig auch mehr bezahlte Bustickets.

Die Autos bleiben

Doch es gibt auch andere Stimmen aus Aschaffenburg. Auf einer Kämmerer-Tagung habe der Bamberger Kämmerer Felix seinen Kollegen auf das Projekt angesprochen. Der habe von einer "Katastrophe" gesprochen: "Die Parkhäuser sind genauso voll, der Effekt ist nicht eingetreten, stattdessen gibt es ein sechsstelliges Defizit", berichtet Felix.

Auch Gerlach räumt ein: "Es wurden nicht alle Erwartungen erfüllt." Die Aschaffenburger Stadtwerke betreiben einen Großteil der Parkplätze und können daher den Effekt gut messen. "Wir mussten feststellen: Es wird nicht weniger geparkt. Der Umstieg vom Auto zum Bus ist nicht eingetreten."

Von einer Katastrophe möchte er aber nicht sprechen: "Wir sehen das alle als Erfolg." Aus Kämmerer-Sicht seien die Ausgaben - 300 000 Euro - erst einmal ein Dorn im Auge. "Aber ein Teil fließt durch den Überschuss der Stadtwerke, den wir erwarten, wieder zurück."

Ob das so auch in Bamberg eintritt und ob es den Stadträten reicht, wenn mehr Menschen in die Bamberger Innenstadt kommen, wird erst im November diskutiert. Um mehr Menschen mit dem Bus statt dem Auto zu bewegen, hat der OB einen weiteren Vorschlag ins Spiel gebracht, der ebenfalls im November diskutiert werden soll: Ein 365-Euro-Jahresticket, wie es die Stadt Wien bereits vor knapp sieben Jahren eingeführt hat. "Das funktioniert aber nur mit aktiver Parkraumbewirtschaftung", meint Starke. Das heißt: Höhere Parkgebühren und Strafzettel für Autofahrer.

Zumindest verbilligte Tickets hält auch Stadtwerke-Sprecher Giersberg für möglich. München hat kürzlich eine Tarifreform beschlossen, die zu 50 Prozent vom Freistaat finanziert wird. "Da hat der VGN gesagt, warum nur für München und nicht für den Großraum Nürnberg?" Entsprechend hoffe man auf ähnliche Unterstützung. "Damit ist aber noch immer nicht gesagt, dass die Leute vom Auto auf den Bus umsteigen."

Kommentar: Die Bürger aus den SUVs locken

Autos aus den Innenstädten befördern, indem man die Personenbeförderung durch Busse fördert: ein hehres Ziel zum Wohle des Innenstadtflairs und der Umwelt. Doch der Weg dorthin ist steinig. Denn mehr Menschen bei gleicher Menge Autos kann für Bamberg nicht das Ziel sein. Wir brauchen samstags nicht noch mehr Trubel in der Stadt. Um die Bürger aus den abgasschleudernden und platzverschwenderischen SUVs zu locken, muss man mehr tun - und auch mehr investieren. Der ÖPNV muss attraktiver werden - vor allem auf dem Land. Busse müssen regelmäßig fahren und billiger werden. Das kostet Geld. Und das ist nicht gewollt. In Deutschland werden durch den Ticketverkauf durchschnittlich 78 Prozent der ÖPNV-Kosten gedeckt - der mit Abstand höchste Wert in Europa. Wenn die Wirtschaftlichkeit oberstes Kriterium bleibt, wenn man nicht bereit ist, mehr zu investieren, werden auch Luft und Raum in den Städten eng bleiben. Kommunen alleine können das nicht stemmen. Hätte man sich bundesweit ein paar Luftschlösser wie Hauptstadtflughafen und Mautpleite gespart, wäre schon viel finanziert.

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