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Nullenergiehaus, Niedrigenergiehaus und Plusenergiehaus: So wird dein Eigenheim energieeffizient

Nullenergiehaus, Niedrigenergiehaus oder Plusenergiehaus: Klimawandel, Energiewende und galoppierende Energiekosten steigern das Interesse an energieeffizienten Lösungen. Wir klären auf und zeigen dir die Unterschiede.
Die KfW-Bank unterstützt mit zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen energieeffizientes Bauen.
Die KfW-Bank unterstützt mit zinsgünstigen Krediten und Zuschüssen energieeffizientes Bauen. Foto: CC0 / Pixabay / e-gabi
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  • Was ist ein Nullenergiehaus?
  • Wo liegen Unterschiede zu einem Niedrigenergiehaus, Passivhaus oder Plusenergiehaus?
  • Vorteile, Nachteile und Kosten

Mit Blick auf die unterschiedlichen Energiestandards von Gebäuden sind eine Vielzahl an Begriffen und Definitionen im Umlauf. Wir helfen dir, den Durchblick zu behalten und zeigen dir die Unterschiede zwischen Null-, Niedrig- und Plusenergiehäusern.

Das kann ein Nullenergiehaus

Kurz gesagt, sprichst du von einem Nullenergiehaus, wenn die eigens produzierte Strommenge (Energie) zumindest rechnerisch dem Verbrauch an Energie des Hauses entspricht. Andersherum: Ein Nullenergiehaus verbraucht nur so viel Strom, wie es selbst erzeugen kann. Ein hoher Anspruch, der insbesondere durch innovative Technologien der Energiegewinnung, moderne Anlagen beispielsweise zur Belüftung und einer hocheffizienten Art der Dämmung erreicht wird. Ob Neubau oder Sanierung: Der Blick richtet sich sowohl auf regenerative Formen der Energieerzeugung als auch auf effiziente Maßnahmen zur Vermeidung von Energieverlust.       

Das Nullenergiehaus gewinnt seine Energie vor allem durch Solaranlagen oder sog. Geothermalpumpen. Während die meist auf Hausdächern angebrachten Photovoltaikanlagen Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom umwandeln, nutzen Geothermalpumpen vorhandene Erdwärme (die sog. oberflächennahe Geothermie reicht bis zu 400 m Tiefe), meist in Kombination mit Luftwärmepumpen. Solarthermie sind spezielle Solaranlagen, die Sonnenenergie für Warmwasser oder die Heizung bereitstellen. Hierbei strömt eine Wärmeträgerflüssigkeit durch den sog. "Absorber", die meist aus einem Gemisch aus Wasser und einem umweltverträglichen Frostschutzmittel besteht. 

Wichtig zu wissen: Die Bezeichnung „Nullenergiehaus“ führt etwas in die Irre und ggf. zu einer etwas missverständlichen Vorstellung. Denn abhängig von der Jahreszeit sind auch solche hocheffizienten Häuser (zeitweise) auf externe Energiequellen angewiesen, um es beheizen, mit Warmwasser oder Strom versorgen zu können. Daher werden Nullenergiehäuser in sog. autarke (durch Wärmespeicher oder solarthermische Anlagen bzw. Wärmepumpen) sowie netzbasierte Energiehäuser (z.B. mit Strom aus dem öffentlichen Netz) unterteilt. 

Nullenergiehaus versus Passivhaus

Im Zusammenhang mit Nullenergiehäusern wird auch häufig das sog. Passivhaus erwähnt. Es kommt fast ohne Heizenergie aus und benötigt nur in langen Winterphasen zusätzliche Heizleistung. Darüber hinaus ist ein Passivhaus so konzipiert, dass Sonneneinstrahlung und Abwärme der Bewohner ausreichen.

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Üblich sind neben einer sehr guten Außendämmung auch große Fensterflächen, die überwiegend dreifach verglast sind. Hierdurch erklären sich u.a. auch die vergleichsweise höheren Baukosten. Sie amortisieren sich erst im Laufe der Zeit aufgrund eingesparter Energiekosten. Der Heizwärmebedarf beim Passivhaus liegt pro Jahr unter 15 kWh/m2. Das per EnEV standardisierte Niedrigenergiehaus (KfW 100) etwa viermal so viel.

Zwischen einem Nullenergiehaus und einem Passivhaus sind übrigens bautechnisch gesehen keine großen Unterschiede zu erkennen. Jedoch muss nicht jedes Passivhaus notwendigerweise so energieneutral sein wie ein Nullenergiehaus. Deshalb ist nicht jedes Passivhaus ein Nullenergiehaus, aber jedes Nullenergiehaus lässt sich als Passivhaus einordnen.

Unterschiede zu einem Niedrigenergiehaus

Niedrigenergiehäuser definieren sich im Wesentlichen über ihren Energiebedarf. Sie erzeugen selbst keine Energie, sondern benötigen durch moderne Bauweisen und energiesparende Technik lediglich weniger Energie. Hier steht vor allem die Wärmedämmung im Mittelpunkt. Je geringer der Wärmeverlust über die Gebäudehülle ausfällt, desto besser stellt sich die Energieeffizienz dar. Einfach gesagt: Eine gute Wärmeisolierung führt zu einem geringeren Wärme- und damit auch geringeren Energiebedarf.

Vielleicht hast du in dem Zusammenhang schonmal etwas von einem KfW-Haus gehört. KfW steht für "Kreditanstalt für Wiederaufbau" und ist eine deutsche Förderbank. Wenn du ein Haus baust oder sanieren möchtest, kannst du über die KfW-Bank z.B. Förderkredite in Anspruch nehmen. Neben den zinsgünstigen Darlehen gewährt die KfW auch Zuschüsse, die du gar nicht zurückbezahlen musst. Damit du hier zum Zuge kommst, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu hat die KfW verschiedene Standards festgelegt. Werte von 40 bis 100 kennzeichnen dabei die unterschiedlichen Effizienz­-Stufen. Je kleiner die Kenn­zahl ist, desto geringer fällt der Energie­bedarf der Immobilie aus. Überdies hat Wirtschaftsminister Robert Habeck sein "Osterpaket 2022" vorgestellt, das für eine schnellere Umsetzung hin zu mehr erneuerbaren Energien sorgen soll.

Im Vorfeld prüft ein offiziell bestellter Energieberater, ob du mit deiner Bauweise bzw. mit deinen Sanierungsarbeiten die Vorgaben erfüllst. Wenn ja, wird der Prüfbericht bei der KfW eingereicht. Dort werden die Angaben nochmals geprüft und der Zuschuss anschließend ausgezahlt.

Das Plusenergiehaus

Im Vergleich zum Nullenergiehaus produziert das Plusenergiehaus mehr Energie als seine Bewohner und Bewohnerinnen benötigen. Daher auch "Plusenergie". Energieautark ist es deshalb allerdings nicht. Auch hier ist die Abhängigkeit von der Jahreszeit dafür verantwortlich, ggf. Energie von außen beziehen zu müssen.

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Von seinem technischen Anspruch her stellt das Plusenergiehaus den höchsten Standard dar. Das erste energieautarke Haus der Welt steht übrigens in der Schweiz (Brütten). Es ist vollständig (also nicht nur das Dach, sondern auch die Fassade) mit Solarpanels verkleidet. Herzstück sind ein Kurzspeicher- sowie eine eigens betriebene wasserstoffbasierte Langspeicheranlage, die vor allem in den kalten Monaten für notwendige Energie sorgt. Die Energiebilanz dieses Hauses ist sogar so positiv, dass damit zusätzlich ein Elektroauto (Carsharing-Modell) betrieben werden kann.

Obgleich das autarke Plusenergiehaus in der Schweiz durchaus seine Praxistauglichkeit und damit auch seine Bewährungsprobe erfolgreich unter Beweis gestellt hat, sollte man berücksichtigen, dass dieses Modell in der Form nicht massentauglich sein kann. Gleichwohl zeigt das Beispiel aber, was mit heutiger Technik, in geeigneter Lage und auch mit individueller Verhaltensanpassung möglich ist. Und selbst wenn eine 100%ige Autarkie nicht immer und überall gegeben sein kann, ein Schritt in die richtige Richtung ist es allemal.     

Vorteile, Nachteile und die Kosten

Vor dem Hintergrund von Klimakrise und Energiewende sollte es keine Frage sein, ob du dich bei einem geplanten Hausbau oder einer Sanierung für energieeffiziente Lösungen entscheidest. Dennoch gehört es bei einem Entscheidungsprozess immer dazu, sich die Vor- und Nachteile eines autarken Hauses anzuschauen:

Vorteile

  • Du bist unabhängig vom öffentlichen Strom- oder Gasnetz sowie den steigenden Preisen.  
  • Deine laufenden Kosten sind in einem autarken Haus sehr gering, denn Strom- und Heizkosten entfallen. 
  • Wenn du in einem autarken Haus wohnst, wirst du zum großen Teil deinen Lebensstil verändern (müssen). Du wirst bewusster leben, da du nur das verbrauchen kannst, was dein Haus selbst erzeugt.
  • Du wirst automatisch weniger verschwenderisch mit vorhandenen Ressourcen umgehen. Weil du zudem auf regenerative Energiequellen zurückgreifst, leistet du einen großen CO2-Beitrag für die Umwelt und das Klima. 

 

Nachteile

  • So unabhängig du von den öffentlichen Strom- und Gasnetzen bist, so abhängig bist du davon, dass dein eigenes autarkes System funktioniert. Fällt es (aus welchen Gründen auch immer) aus, wirst du schnell an existenzielle Grenzen stoßen.
  • Die notwendige Technik sowohl für ein teil-autarkes (netzbasiertes Energiehaus) als auch für ein autarkes Plusenergiehaus ist noch relativ neu, innovativ und anspruchsvoll. Das macht sich bei den Anschaffungskosten deutlich bemerkbar. Auf einschlägigen Internetseiten von Bauträgern und auf Immobilienportalen finden sich Angaben, dass je nach Ausstattungsqualität für ein Plusenergiehaus mit bis zu 15 % höheren Baukosten zu rechnen ist. Als Richtgröße werden im Netz für ein Plusenergiehaus, schlüsselfertig, in Fertigbauweise pro m² Kosten in Höhe von etwa 2.900 und 3.200 Euro angegeben. Vor dem Hintergrund aktuell allgemein steigender Preise (nicht nur für Baumaterialien) ist es momentan jedoch schwierig, seriöse und verlässliche Spannen zu nennen.  

Es sind so oder so Investitionen in die Zukunft, bei dem sich der persönliche ROI (Return of Investment) nicht zwingend noch zu Lebzeiten in Euro und Cent einstellen muss. Es hat vielmehr etwas mit der eigenen Einstellung, dem eigenen Verhalten, aber ganz sicher auch mit dem eigenen Geldbeutel zu tun. Energieeffiziente Lösungen muss man sich leisten können. Auch das ist ein Teil der ökologischen Wahrheit.   

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