Seit Jahrtausenden wird Salz - also Natriumchlorid - als Konservierungsstoff oder Geschmacksverstärker eingesetzt. Nicht nur für die Haltbarmachung von Lebensmitteln, sondern auch für die Zellen des Menschen ist Speisesalz enorm wichtig. Als Hauptzufuhrquelle für Chlorid und Natrium dient das Salz zur Regulierung des Blutdrucks, für den Flüssigkeitshaushalt und das Nervensystem. Dennoch gilt: zu viel Salz ist ungesund. 

Laut einer Empfehlung für Erwachsene der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) benötigt der Mensch pro Tag 1,4 Gramm Kochsalz, um den Elektrolythaushalt stabil zu halten. Doch zu viel des Guten kann schädlich für den menschlichen Körper sein. Die World Health Organization (WHO) empfiehlt deshalb eine maximale Menge von 5 Gramm pro Tag, um insbesondere Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. 

Studien belegen: Zu viel Salz ist schädlich für die Gesundheit - auch für Immunsystem

Groß angelegte Studien verweisen auf den kritischen Zusammenhang zwischen Kochsalzkonsum und Bluthochdruck. Für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gilt Bluthochdruck zu den relevantesten Risikofaktoren. Eine weitere Studie, an der auch Forscher aus München und Erlangen beteiligt waren, belegt zudem, dass ein hoher Salzkonsum auch das Immunsystem negativ beeinflusst. Dadurch werden Autoimmunerkrankungen und Gewebeentzündungen gefördert. 

Oftmals erscheint es aber enorm schwierig den Salzkonsum zu kontrollieren, da sich eine große Salzmenge "verpackt" in uns hinein schummelt. Seien es Süßigkeiten wie Chips oder Salzstangen oder Fertiggerichte und Fast Food. Eine aktuelle Studie um Sabrina Geisberger vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin zeigt, dass schon der eine Pizza einen beträchtlichen Einfluss auf den Energiehaushalt sowie die Funktionsfähigkeit von Immunzellen besitzt.

Wie die Studie enthüllt, schädigt zu viel Salz die Funktion der Mitochondrien, der Kraftwerke der Zellen des menschlichen Körpers. Mit diesem Effekt geht ein Energiemangel einher, welcher einerseits Entzündungen fördern kann und andererseits Reaktionen der Fresszellen im Blut des Menschen verändert. Um diese Reaktion auszulösen, reicht tatsächlich schon eine einzige salzreiche Mahlzeit aus. 

Unterbrochene Atmungskette führt zu zellulären Energiemangel 

Das internationale Team um Geisberger konnte feststellen, dass sich schon nach drei Stunden nach der Zufuhr von erhöhten Salzgehalten an den Zellen messbare Veränderungen zeigten. "Die Atmungskette wird unterbrochen: Die Zellen produzieren weniger Adenosin-Triphosphat und verbrauchen weniger Sauerstoff", beschreibt Geisberger. Gerade der universelle Kraftstoff aller Zellen, das Adenosin-Triphosphat (ATP) bildet die Grundlage für die Synthese von Proteinen und anderen Molekülen.

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Das ATP wird mit Hilfe der Atmungskette in den "Kraftwerken" der Zelle, also den Mitochondrien, produziert. Die Forschenden konnten in ihren Untersuchungen belegen, dass ein Salzüberschuss einen entscheidenden Schritt der ATP-Produktion in den Mitochondrien beeinträchtigt. Kochsalz verhindere einen sehr spezifischen Komplex der Atmungskette, erklärt Geisberger.

Ergänzende Versuche ergaben zudem, dass der salzbedingte Energiemangel die Ausreifung der sogenannten Monozyten beeinflusst und so die Funktion der aus ihnen gebildeten Fresszellen verändert. "Die Fresszellen, deren Aufgabe es ist, Krankheitserreger im Körper aufzuspüren und zu beseitigen, können dann einerseits Pathogene besser bekämpfen", erklärt Dominik Müller, Mitautor der Studie. "Andererseits könnten Entzündungsprozesse dadurch eher gefördert werden, was unter Umständen das kardiovaskuläre Risiko erhöht."

Energiemangel schon nach einmaligem Pizzagenuss

Inwiefern sich ein erhöhter Salzkonsum auf den Menschen auswirkt, haben die Forschenden in einer weiteren klinischen Studie mit gesunden männlichen Versuchspersonen untersucht. Dafür erhielten die Testpersonen zusätzlich zu ihrer gewohnten Nahrung zwei Wochen lang täglich sechs Gramm Kochsalz in Form von Salztabletten. In einem weiteren Experiment wurden die Auswirkungen einer typischen Alltagssituation getestet: beim Verzehr einer Pizza, die rund zehn Gramm Salz enthält und somit die empfohlene Tagesdosis überschreitet. Im Anschluss daran analysierten die Wissenschaftler den Zustand der Monozyten im Blut der Testpersonen.

Nicht nur beim langfristig erhöhtem Salzkonsum, sondern auch schon nach einmaligem Pizzagenuss, zeigt sich der dämpfende Effekt auf die Mitochondrien. Bei den Monozyten der Testpersonen war bereits nach drei Stunden nach der Mahlzeit ein deutlicher Energiemangel messbar. Dieser Effekt hielt jedoch nicht lange an, da er nach acht Stunden verschwand. Deshalb sind die Mitochondrien nicht dauerhaft geschwächt. 

"Das ist auch gut so. Denn wäre es zu einer langanhaltenden Störung gekommen, müsste man sich Sorgen machen, dass die Zellen längerfristig nur eingeschränkt mit Energie versorgt werden", erläutert Müller. Wenn Personen jedoch mehrmals am Tag stark salzige Nahrung zu sich nehmen, seien Akkumulationseffekte nicht auszuschließen.

Fazit

"Die grundlegende Erkenntnis unserer Studie ist, dass so ein kleines Molekül wie das Natriumion ein ganz zentrales Enzym der Atmungskette extrem effizient hemmen kann", so Stefan Kempa, ebenfalls Mitautor der Studie und Leiter der Proteomics und Metabolomics Plattform. In Zukunft sei es von Forschungsinteresse zu untersuchen, ob dieser Mechanismus auch bei anderen Zelltypen wie Muskel-, Nerven-, Sinnes- und Eizellen beeinflussbar ist.

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Die Studie um Geisberger zeigt erneut, dass ein zu hoher Salzkonsum die Gesundheit beeinträchtigen kann. "Man denkt natürlich zuerst an das kardio-vaskuläre Risiko. Doch mehrere Studien haben gezeigt, dass Salz Immunzellen auf verschiedenste Weise beeinflussen kann", so Co-Autor Markus Kleinewietfeld von der Universität Hasselt. Ist ein so wichtiger Zellmechanismus langfristig gestört, könne sich das nachteilig auswirken. Ein erhöhter Salzkonsum kann auf diese Weise also auch entzündliche Erkrankungen an Gefäßen, an Gelenken oder Autoimmunerkrankungen begünstigen. 

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