Laut Schätzungen erkranken zwischen 16 und 20 von 100 Menschen in Deutschland im Laufe ihres Lebens an einer Depression. Wird die Krankheit frühzeitig erkannt, kann sie oftmals gut behandelt werden. Typischerweise erfolgt die Behandlung mit Psychotherapie und manchmal zusätzlich noch mit Medikamenten.

Unterstützend kann auch auf pflanzliche Präparate zurückgegriffen werden. Besonders beliebt: Johanniskraut. Die Heilpflanze mit der gelben Blüte hat den Ruf, stimmungsaufhellend zu wirken. Doch stimmt das wirklich?

Johanniskraut: Ein natürliches Antidepressivum?

Nach einem Bericht der Techniker Krankenkasse hat eine Gruppe von Forschenden insgesamt 35 Studien mit knapp 7000 Teilnehmenden ausgewertet, um herauszufinden, ob Johanniskraut-Präparate bei Erwachsenen gegen Depressionen helfen und wie sie im Vergleich zu anderen Medikamenten abschneiden.

Konkret nahmen sie dabei Studien in den Blick, die mindestens vier Wochen dauerten. Untersucht wurden verschiedene Johanniskraut-Präparate und zumeist litten die Studienteilnehmer*innen unter leichten und mittelschweren Depressionen. Die Mehrheit waren Frauen.

Die Studien legen nahe, dass Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren Depressionen besser hilft als ein Placebo. In einer der Untersuchungen mit 100 Betroffenen ging es 56 besser, nachdem sie Johanniskraut-Extrakt genommen haben. In der Kontrollgruppe, in der die Proband*innen ein Placebo erhielten, gaben nur 35 an, dass es ihnen besser gehen würde.

Studie zeigt: Johanniskraut besser verträglich als Citalopram 

In Studien, in denen die Wirkung von Johanniskraut mit der eines anderen Medikamentes verglichen wurde, schnitt es genauso gut ab wie das Vergleichspräparat. Was die Verträglichkeit angeht, übertraf es in einer Studie das oft angewandte Medikament Citalopram sogar.

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Die Aussagekraft vieler Studien ist jedoch begrenzt. Denn die meisten Untersuchungen liefen nicht länger als acht Wochen. Depressionen halten jedoch meist länger an uns kehren sogar wieder. Zur längerfristigen Wirksamkeit von Johanniskraut ist also wenig bekannt. Außerdem fand die Wissenschaft bislang keinen Beweis dafür, dass Johanniskraut bei schweren Depressionen hilft.

Zu beachten ist, dass auch bei der Einnahme von Johanniskraut Nebenwirkungen auftreten können. Dazu gehören etwa Hautirritationen, Lichtempfindlichkeit oder Kopfschmerzen. Werden parallel andere Medikamente eingenommen, besteht die Gefahr von Wechselwirkungen. So kann Johanniskraut die Wirksamkeit der Pille herabsetzen. Auch Immunsuppressiva und Blutverdünner können in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden. Nicht zuletzt deshalb ist es wichtig, auch rezeptfreie Mittel nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin einzunehmen.

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