Die Klimaaktivisten von "Extinction Rebellion" legen seit einigen Jahren immer wieder den Verkehr in deutschen Städten lahm. Zu den überzeugten Mitgliedern der Bewegung gehört ein Nürnberger Pfarrer, der in den umstrittenen Blockaden ein wichtiges Mittel im Kampf gegen den Klimawandel sieht. 

Im Gespräch mit inFranken.de erklärt Thomas Zeitler die Beweggründe der Aktivisten, und weshalb er selbst radikale Aktionen trotz Kritik aus der Bevölkerung für gerechtfertigt hält.

Kampf gegen Klimawandel: Nürnberger Pfarrer verteidigt umstrittene Aktionen

Zeitler, bereits seit 2019 bei "Extinction Rebellion" aktiv, hält auch umstrittene Aktionen wie beispielsweise die Blockade am Nürnberger Hauptbahnhof für gerechtfertigt: "Wir wollen die größtmögliche mediale Aufmerksamkeit. Wir brauchen Schlagzeilen, daran müssen wir uns messen lassen". Dass man dabei Grenzen überschreite, sei den Aktivisten bewusst.

Er bedauere den Unmut, den die Aktionen bei vielen Menschen auslösen, aber es geschehe für ein größeres Ziel: "Bei Straßenblockaden habe ich schon öfters mit Autofahrern gesprochen, um ihnen die Situation zu erklären. Viele verstehen die Argumente, andere sind natürlich verärgert, weil sie beispielsweise nicht zur Arbeit können. Ich verstehe, dass man sich deswegen aufregt. Letztendlich ist das aber ein sehr kurzfristiges Denken."

Eine der größten Aktionen der letzten Jahre habe "Extinction Rebellion" erst letzten Monat mit einer Verkehrsblockade auf dem Potsdamer Platz durchgeführt: "Die Polizei den Potsdamer Platz geräumt. Mitglieder, die sich weigerten zu gehen, wurden von der Polizei weggetragen". Auch wenn Zeitler selbst nicht dabei war, begrüßt er den Enthusiasmus der Blockierer: "Ich selbst wurde bisher noch nicht weggetragen oder in Gewahrsam genommen, würde so etwas aber auch in Kauf nehmen."

Pfarrer kündigt weitere Aktionen an: "Hören erst auf, wenn wir klare Ergebnisse sehen"

Der Kontakt mit der Polizei ist für Zeitler nichts Neues: "Letztes Jahr habe ich in Fürth eine Straße blockiert. Nachdem ich ihren Aufforderungen, die Straße zu verlassen, nicht nachgekommen bin, haben die Beamten meine Personalien aufgenommen". Solche persönlichen Konsequenzen seien nun mal der Preis für den Protest.

Wenn er sich gerade nicht an Protestaktionen beteiligt, ist Zeitler Pfarrer in der Nürnberger Egidien-Kirche. Sein privater Aktivismus spiele dort allerdings keine besonders große Rolle: "In der Kirche mache ich keine Sitzblockade", scherzt Zeitler. Trotzdem bringe er das Thema Klimaschutz gelegentlich ein, wenn es sich anbieten würde.

Müssen Autofahrer auch in Zukunft deutschlandweit mit Verkehrsbehinderungen durch "Extinction Rebellion"  rechnen? "Mit Sicherheit", sagt Zeitler, denn der Tag, an dem er und die anderen Mitglieder ihre Blockaden einstellen, sei noch weit entfernt: "Von Absichtserklärungen der Politik allein wird sich der Klimawandel nicht aufhalten lassen. Wir hören erst auf, wenn wir klare Ergebnisse sehen".

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