Einer der krassesten Skandalfilme aller Zeiten läuft heute im Free-TV

3 Min
Uma Thurman in "Nymphomaniac".
Uma Thurman zeigt eine fantastische Leistung als Mrs. H.
Uma Thurman zeigt eine fantastische Leistung als Mrs. H.
ZDF / Christian Geisnæs
Einer der skandalösesten Filme: "Nymphomaniac" von Lars von Trier.
Der freundliche Sonderling Seligman (Stellan Skarsgard) nimmt Joe (Charlotte Gainsbourg) bei sich auf.
Der freundliche Sonderling Seligman (Stellan Skarsgard) nimmt Joe (Charlotte Gainsbourg) bei sich auf.
ZDF / Christian Geisnæs
"Nymphomaniac" von Lars von Trier polarisiert - heute im Free-TV zu sehen
Szene aus "Nymphomaniac": Joe (Stacy Martin, rechts) und B (Sophie Kennedy Clark) suchen im Zug nach willigen Partnern.
Joe (Stacy Martin, rechts) und B (Sophie Kennedy Clark) suchen im Zug nach willigen Partnern.
ZDF / Christian Geisnæs

In "Nymphomaniac" geht es ziemlich heftig und freizügig zu: Der umstrittene Film von Lars von Trier zeigt eine schonungslose Auseinandersetzung mit Sexualität, Schuld, Scham und menschlicher Existenz.

Ganz ohne Skandal geht es wohl nicht bei Lars von Trier: Zur Premiere des ersten Teils von "Nymphomaniac" erschien Hauptdarsteller Shia LaBeouf mit Papiertüte auf dem Kopf auf dem roten Teppich der Berlinale. Zuvor verließ er die Pressekonferenz zum Film nach der ersten Frage mit einem Eric-Cantona-Zitat: "Die Möwen folgen dem Fischkutter, weil sie hoffen, dass Sardinen ins Meer geworfen werden".

Dabei hätte der Film alleine eigentlich ausreichend Skandalpotenzial gehabt. Immerhin war schon seit Monaten über die Hardcore-Sexszenen gesprochen worden. Die Genitalien der Schauspieler wurden dabei von denen von Pornodarstellern überlagert. Tatsächlich brach von Trier wieder mal genüsslich Tabus. Der kontroverse Streifen, der am Donnerstag (8. Januar 2026) um 22.25 Uhr in 3sat zu sehen ist, zeigt zwar Sex in allen möglichen Spielarten, ist dabei aber alles andere als sexy - und trotzdem ein echtes Erlebnis. Teil 2 läuft dann am Freitag (9. Januar 2026) um 22.25 Uhr.

Schonungslos und polarisierend: "Nymphomaniac" heute im Free-TV zu sehen

Der Zweiteiler "Nymphomaniac" ist im Jahr 2013 erschienen. Im Mittelpunkt steht die Figur Joe, die von einer älteren Version ihrer selbst (gespielt von Charlotte Gainsbourg) aus der Ich-Perspektive erzählt. Nachdem sie verletzt aufgefunden wird, berichtet sie dem intellektuellen Seligman von ihrem Leben, das von sexueller Obsession und Selbstzerstörung geprägt ist.

Der Film gliedert sich in mehrere Kapitel, die verschiedene Episoden aus Joes Leben zeigen - von ihrer Jugend bis ins Erwachsenenalter. Dabei werden ihre zahlreichen sexuellen Abenteuer, ihre Suche nach Erfüllung und die Konsequenzen ihres Verhaltens thematisiert. "Nymphomaniac" ist provokant, explizit und fordert die Zuschauer mit seiner Mischung aus Erotik, Tragik und philosophischen Reflexionen heraus.

Insgesamt ist der Film eine schonungslose Auseinandersetzung mit Sexualität, Schuld, Scham und menschlicher Existenz – typisch für von Triers Stil, der stets polarisiert und zum Nachdenken anregt.

Eine schonungslose Auseinandersetzung mit Sexualität, Schuld und Scham

"Vergiss die Liebe", so der Slogan des Films. Aber stimmt das denn so? Ist Liebe wirklich nur Sex, garniert mit Eifersucht, wie die titelgebende Nymphomanin behauptet? Wenn ja, wie nimmt man dann echten Kontakt auf zu anderen Menschen, und wie zu sich selbst?

Willkommen auf der Couch: Lars von Trier lädt nicht zur Pornosession, sondern zur kühl inszenierten Psychoanalyse. Der Nymphomanin, ganz Körper und Sinneslust, stellt der Regisseur einen alten Bücherwurm gegenüber, hochintellektuell und völlig vergeistigt. Seligman (Stellan Skarsgard), so der Name des Sonderlings, liest die verletzte Joe (Charlotte Gainsbourg) buchstäblich auf der Straße auf. Er steckt die übel Zugerichtete erst mal ins Bett - damit sie sich ausschlafen kann, versteht sich.

Bei zahlreichen Tassen Tee erzählt sie ihm schließlich ihre Lebensgeschichte: wie ein Mädchen aus gutbürgerlichem Hause über den Umweg durch zahlreiche Betten in der Gosse landete.

Stattliche Anzahl von Penissen um die Ohren

Wer hier überall Freud und Jung um die Ecke lugen ahnt, sieht sicherlich keine Gespenster. Der muntere Dialog zwischen Es und Über-Ich findet zwar nicht auf der Couch, sondern auf dem Bett statt, aber auch ansonsten gibt es zahlreiche Zeichen, die die Richtung weisen. Das Offensichtlichste ist wohl der Elektrakomplex der Hauptfigur.

Getreu der Methode der freien Assoziation verknüpfen die Gesprächspartner überdies die Partnersuche der jungen Joe (Stacy Martin) mit Fliegenfischen oder den komplizierten Terminkalender der promisken Schönheit mit Bachschen Orgelkompositionen. Und bevor es allzu intellektuell wird, haut von Trier dem Zuschauer mit postpubertärem Holzhammerhumor (und trotzdem verdammt witzig) per Bildmontage noch eine stattliche Anzahl von Penissen um die Ohren.

Dass der Film bei all seinen Verknüpfungen und Unterbrechungen, Gegensätzen und Referenzen immer nur aus dem Tritt gerät, um sich lustvoll in der nächsten schmutzigen Pfütze zu suhlen, ist dabei absolut beabsichtigt. Eine beeindruckende Leistung.

Charlotte Gainsbourg als geschundenes Lustwesen, Uma Thurmans komischer Kurzauftritt

Besonderes leisten auch die Schauspielerinnen. Charlotte Gainsbourg etablierte sich als Muse des einstigen Frauenverbrauchers von Trier. Zu Recht: Ihr geschundenes Lustwesen brennt sich tief ins Gedächtnis, obwohl sie in diesem Teil kaum mehr zu tun hat, als in der Rahmenhandlung teeschlürfend die Erzählerin zu geben.

Uma Thurman hat einen fantastischen und unheimlich komischen Kurzauftritt als betrogene Ehefrau, die zur tobenden Furie wird. Ohne Frage gehören diese paar Minuten zum Besten, was sie je abgeliefert hat. Und Newcomerin Stacy Martin spielt mit ihrem müden Schlafzimmerblick die junge Joe angemessen hölzern, losgelöst und ohne Kontaktmöglichkeit zu anderen Menschen.

Süchtig nach Berührung und immer unbefriedigt zieht sie durch Züge, durch Clubs und Büros. Das, was sie hat, was sie bekommt, was die Männer ihr geben können: Es reicht einfach nicht.

Man sieht alles und fühlt nichts

Ach ja, und der Sex. Er ist häufig, er ist nicht sehr interessant, man sieht alles und fühlt nichts, es fehlt einfach etwas in der Inszenierung. Es fehlt die Liebe. Als die dann doch noch auf den Plan tritt, ausgerechnet in Form des etwas schmierigen Möchtegern-Geschäftsmannes Jerôme (Shia LaBeouf), bekommt Joes Geschichte eine krasse Wendung und bricht abrupt ab.

Der Zuschauer bleibt unbefriedigt zurück und muss sich gedulden, wenn Joe im zweiten Teil ihre Geschichte zu Ende erzählt. Doch auch der erste Teil alleine lohnt das Wachbleiben. Wie Lars von Trier in seiner skurrilen Sitzung waghalsige Brücken schlägt zwischen der Fibonacci-Folge, Fliegenfischen und Ficken, ist in jedem Augenblick faszinierend.

Lars von Trier ist ein dänischer Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, geboren am 30. April 1956 in Kopenhagen. Er zählt zu den einflussreichsten und kontroversesten Filmemachern Europas und ist Mitbegründer der Dogma-95-Bewegung, die für einen radikalen, realistischen Filmstil steht. Zu seinen bekanntesten Werken gehören neben "Nymphomaniac" auch "Breaking the Waves", "Dancer in the Dark", und "Melancholia".

Von Trier ist bekannt für seine provokativen Themen, seine innovative Filmsprache und seine Fähigkeit, das Publikum emotional zu fordern.

Quelle: teleschau – der mediendienst