Döner-Keime häufige Ursache: Alarmierender Anstieg an Krankheiten in Deutschland

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Döner-Keime häufige Ursache: Alarmierender Anstieg an Krankheiten in Deutschland
In mehreren Fällen führten Döner-Zutaten 2024 "mit hoher Evidenz" zu Krankheitsausbrüchen.
Döner-Keime häufige Ursache: Alarmierender Anstieg an Krankheiten in Deutschland
Sven Hoppe/dpa

Die Zahl der lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüche in Deutschland ist 2024 massiv gestiegen. Die meisten Infektionen fanden erstmals in Imbissbuden statt.

Die Zahl der lebensmittelbedingten Erkrankungen in Deutschland hat 2024 einen besorgniserregenden Höchststand erreicht. Besonders Fast-Food-Betriebe stehen im Fokus der Behörden.

Im vergangenen Jahr erkrankten deutlich mehr Menschen in Deutschland durch verseuchte Lebensmittel als in den Jahren zuvor. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Insbesondere die Tage um den Jahreswechsel gelten als Hochphase für Infektionen - weil die wichtigste Raclette-Regel oft nicht eingehalten wird.

2400 Erkrankte und acht Tote: Deutlich mehr Lebensmittelausbrüche als in den vier Jahren zuvor

Laut BVL und RKI wurden 2024 insgesamt 271 lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche registriert. Dabei erkrankten mindestens 2400 Menschen, 451 mussten im Krankenhaus behandelt werden, acht Personen starben. Im Vergleich dazu lag der Durchschnitt der vier vorangegangenen Jahre bei nur rund 191 Ausbrüchen mit etwa 1515 Erkrankten pro Jahr, wie das BVL mitteilt. Die häufigsten Krankheitserreger waren nach Angaben der Behörden Salmonellen, die für ein Drittel aller Ausbrüche verantwortlich waren. An zweiter Stelle folgten Campylobacter-Bakterien mit einem Viertel der Fälle. Dieses Muster entspricht laut BVL den Vorjahren.

Eine neue Entwicklung zeigt sich bei den Orten der Ausbrüche: Erstmals wurden 2024 die meisten Krankheitsfälle in Take-Away- und Fast-Food-Imbissen verursacht, wie der Bericht von BVL und RKI dokumentiert. Auf dem zweiten Platz folgten Privathaushalte. Zwölf der gut dokumentierten Ausbrüche standen nach Angaben von BVL und RKI mit Fleisch und Fleischerzeugnissen in Verbindung. Am häufigsten wurde dabei rohes Schweinehackfleisch – gewürzt oder ungewürzt – als Infektionsquelle identifiziert, das für fünf Ausbrüche verantwortlich war.

Besonders problematisch erwiesen sich nach den Untersuchungen der Behörden auch Döner-Produkte. Zwei Ausbrüche gingen auf Geflügeldrehspieße zurück, wie der Bericht dokumentiert. Von den 36 Ausbrüchen mit hoher Beweiskraft - bei denen die Verbindung zwischen Lebensmittel und Erkrankung eindeutig nachgewiesen werden konnte - standen sechs im Zusammenhang mit zusammengesetzten Speisen. Darunter befanden sich laut BVL und RKI Krankheitsausbrüche durch Salmonellen in "Döner Kebab" und Norovirus in"selbstgemachter Cocktailsauce für Döner Kebab".  

Nicht nur Kebab-Keime: Auch Gemüse und Obst machen Deutsche öfter krank 

Diese 36 Ausbrüche mit hoher Beweiskraft führten zu 1067 Erkrankungen, 244 Krankenhausaufenthalten und fünf Todesfällen, wie die Behörden berichten. Auch pflanzliche Lebensmittel sind demzufolge zunehmend problematisch. Während 2020 nur vier Ausbrüche durch pflanzliche Produkte verursacht wurden, waren es 2024 bereits zwölf Fälle durch Gemüse, Getreideerzeugnisse, Beeren oder Früchte, wie BVL und RKI berichten.

"Der Bericht zeigt, dass auch pflanzliche Lebensmittel, die oft ohne weitere Hitzebehandlung als Salatzutaten verzehrt werden, Krankheitsausbrüche verursachen können", wird BVL-Präsidentin Prof. Dr. Gaby-Fleur Böl zitiert. Sie betont, dass "diese und weitere Erkenntnisse dem Risikomanagement und auch Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen können, lebensmittelbedingte Erkrankungen unter anderem durch gute Küchenhygiene zu vermeiden und zukünftige Ausbruchsgeschehen zu verhindern."

Die Einstufung der Ausbrüche erfolgt laut BVL und RKI auf Basis verschiedener Untersuchungen. "Bei der Einstufung der Ausbrüche in diese beiden Kategorien sind die epidemiologischen und mikrobiologischen Untersuchungen, Umgebungsuntersuchungen sowie die Produktrückverfolgung und die daraus resultierende Wahrscheinlichkeit, dass ein Lebensmittel mit dem Ausbruch in Zusammenhang steht, maßgeblich", heißt es. Die Daten wurden auch an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) übermittelt.

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