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Nürnberg
Demonstration

"Defender Europe": Coronavirus bremst Militärübung aus, 100 Demonstranten in Nürnberg

Am Airport Nürnberg protestierten rund 100 Demonstranten am Donnerstag gegen die Militärübung "Defender Europe 20". Die Großübung, die auch durch Franken verläuft, ist bereits im Januar gestartet, wurde aber nun vom Coronavirus ausgebremst.
 
Etwa 100 Demonstranten haben sich am Donnerstag, 12.03.2020, in Nürnberg versammelt, um gegen "Defender Europe" zu protestieren. Foto: NEWS5/Oßwald
Etwa 100 Demonstranten haben sich am Donnerstag, 12.03.2020, in Nürnberg versammelt, um gegen "Defender Europe" zu protestieren. Foto: NEWS5/Oßwald

"Defender Europe 20" war als die größte Militär-Übung der US-Armee in Europa seit 25 Jahren geplant. Dabei sollten insgesamt 37.000 Soldaten aus 18 Nationen beteiligt sein. Das offiziell ausgegebene Ziel dieser Übung ist, die Einsatzbereitschaft innerhalb der Nato zu erhöhen. Eine Hauptroute der Kolonne führt dabei auch durch Franken. Seit Januar werden Fahrzeuge und Soldaten per Flugzeug und auf Schiffen nach Deutschland gebracht.

Doch der mittlerweile zu einer Pandemie ausgewachsenen Krise des Coronavirus muss nun auch das US-Militär Rechnung tragen. So reduzierten die USA die Zahl ihrer Soldaten bei der militärischen Großübung "Defender Europe 20". "Der Gesundheitsschutz unserer Truppen, Alliierten und Partner hat höchste Bedeutung", teilten die US-Streitkräfte in Europa in der Nacht zum Donnerstag mit. Das Manöver werde der Lage angepasst.

Demonstration gegen "Defender Europe" in Nürnberg

Zudem stellten sich "Defender Europe" am Donnerstag, 12. März 2020, rund 100 Demonstranten am Airport Nürnberg entgegen. Sie zeigten Plakate mit "Frieden schaffen ohne Waffen", "Kriegsspiele verhindern" und "Stoppt das Aufrüsten für den nächsten Krieg".

Erst am 5. März hatten US-Soldaten fränkischen Boden betreten: Mit einer Sondermaschine landeten 200 von ihnen am Airport Nürnberg. Es waren die ersten von planmäßig etwa 2000 Soldaten, die am Flughafen ankommen sollen. Begrüßt wurden sie vom Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann. Wo und wann in Franken Teile des Großmanövers stattfinden werden, ist zur Zeit nicht bekannt.

Militärkonvois rollen bei Großübung "Defender Europe 20" durch Franken

Die Militärübung war bereits im Januar gestartet, allerdings mit nur wenigen Transporten. Insgesamt sollten etwa 20.000 US-Soldaten quer durch Deutschland transportiert werden.

Was wird bei "Defender Europe 20" geübt?

Die Großübung sollte die größte US-Truppenverlegung nach Europa seit 25 Jahren werden. Darüber hinaus waren weitere Übungen in Deutschland, Polen, Georgien und dem Baltikum mit insgesamt 37.000 Soldaten geplant. Doch erst am Mittwoch, 11. März 2020, hatte Norwegen den zentralen Teil der großen internationalen Militärübung "Cold Response" mit Tausenden Soldaten - auch aus Deutschland - wegen des Coronavirus abgesagt.

Südliche Route über Franken

Die ursprünglich geplanten Hauptrouten der Militärkonvois durch Deutschland nannte Staatssekretärs Peter Tauber (CDU) auf eine schriftliche Anfrage im Deutschen Bundestag:

Routen von West nach Ost

  • Düsseldorf – Hannover – Magdeburg – Frankfurt/Oder
  • Düsseldorf – Mannheim – Nürnberg – Dresden – Görlitz

Route von Nord nach Süd

  • Bremerhaven – Hannover – Frankfurt – Mannheim
Rasträume für die Transporte sind in den militärischen Liegenschaften in Rheindahlen, Augustdorf, Burg, Lehnin, Oberlausitz, Garlstedt, Stadtallendorf und Frankenberg (Sachsen) sowie weiteren US-Liegenschaften in Deutschland vorgesehen.

Großübung an folgenden Flugplätzen

Auch am Airport Nürnberg übt das US-Militär. Weitere Verlegungen sind an folgenden Flughäfen geplant: Bremen, Hamburg, Frankfurt am Main, München und Ramstein.

Wenn im Juni 2020 sämtliche Übungen abgeschlossen sind, sollen Truppen und Material wieder zurück in die USA verlegt werden.

Hinweis zur Militärkolonne - Vorfahrt beachten

Die Militär-Großübung "Defender Europe 20" bringt viele Fahrzeuge und Kolonnen auch auf deutsche Straßen. Doch wie verhalten sich Autofahrer richtig, wenn ihnen ein solcher Fahrzeugverband begegnet? Zur erkennen ist eine Kolonne übrigens daran, dass die beteiligten Fahrzeuge bis auf das Schlusslicht alle eine blaue Flagge auf der Fahrerseite tragen. Das letzte fährt mit grüner Fahne. Zusätzlich kann es ein gelbes Blinklicht oder eine Warntafel tragen.

Wenn Fahrzeuge in einer Kolonne unterwegs sind, gelten sie verkehrsrechtlich als ein Fahrzeug und dürfen stets komplett zusammenbleiben, so der ADAC. Wenn es das erste Fahrzeug zum Beispiel noch bei Grün über eine Ampel schafft, dürfen alle im Verband fahren. Und zwar auch dann noch, wenn die Ampel schon auf Rot geschaltet hat. Andere Verkehrsteilnehmer müssen dieses Sonderrecht beachten, gegebenenfalls auch bei Grün anhalten. Unterbrechen dürfen andere die Kolonne nicht. Dieses Sonderrecht gilt auch bei Kreisverkehren, Zebrastreifen, Kreuzungen und Reißverschlussverfahren. "Reinquetschen" ist tabu, so der ADAC.

Auch bei der Auffahrt auf die Autobahn gilt "das streng genommen", teilt die Bundeswehr in einem Merkblatt mit. Wenn 100 Meter Abstand zwischen den einzelnen Fahrzeugen liegen, könne man aber auch zügig auffahren und die Kolonne "bei nächster Gelegenheit" wieder verlassen.

Überholen in einem Rutsch ist erlaubt

Es ist zwar erlaubt, Kolonnen zu überholen, allerdings muss das in einem Zug gelingen. Auch hier: Kein Reinquetschen zwischendurch, der gesamte Verband muss in einem Rutsch geschafft werden. Sicher geht das fast nur auf Autobahnen oder anderen mehrspurigen Straßen.

Wie lange eine Kolonne sein darf, schreibt der Gesetzgeber nicht vor. Es muss für die übrigen Verkehrsteilnehmer aber genügend Platz gelassen werden. Rettungskräfte und Hilfsdienste formieren sich ab 15 Fahrzeugen zu einer neuen Kolonne, so die Bundeswehr. Bei der bevorstehenden Übung erwartet sie Kolonnen mit Längen von jeweils 5 bis maximal 20 Fahrzeugen.

mit dpa-Material