Das Korbstadtcafé am Marktplatz in Lichtenfels wird zum Jahresende seinen Pächter verlieren. Stefan Dinkel zieht sich zurück. Damit ist vorläufig offen, wie es mit dem traditionsreichen Haus im Herzen der Stadt weitergeht.

Dinkel hatte das Geschäft seit rund eineinhalb Jahren geführt. Es ist nicht sein einziges Standbein. Sein Stammbetrieb, die Mühlenhofbäckerei Dinkel, befindet sich in Serkendorf, einem Ortsteil von Bad Staffelstein. Außerdem hat er ein Geschäft in den Hallen des ehemaligen Güterbahnhofes in Lichtenfels in der Bamberger Straße.

In den vergangenen Jahren hat es einige Veränderungen in dem bekannten Lichtenfelser Haus gegeben, das einst den Namen Café Raab getragen hat. Es besitzt eine wechselhafte Geschichte. Hans Raab, der aus einer Lichtenfelser Familie stammt, hatte in den späten Fünzigerjahren das Café Bosch/ Müller in der Coburger Straße übernommen, in dem heute der Friseur Germis zu Hause ist. Ende der Siebzigerjahre beschloss das Ehepaar Raab, wenig entfernt einen Neubau zu errichten, an der Stelle des baufällig gewordenen Ratskellers, dem Geburtshaus des Politikers Thomas Dehler.


Viel Platz auf zwei Etagen

Im Sommer 1981 war Eröffnung. Das neue Haus bot 150 Plätze auf zwei Etagen. Ein Jahr nach der Eröffnung starb Hans Raab, sein Sohn Jürgen kehrte früher als geplant in den Betrieb zurück, um die Familie zu unterstützen, und machte hier nach seiner täglichen Arbeit auch noch seinen Meister.

2012 verkaufte die Familie das Haus, Mutter Ingeborg, vielen Lichtenfelsern hinter der Kuchentheke bekannt, zog sich mit 74 Jahren und 50 Jahren im Betrieb zurück.

Eine neue GmbH wurde gegründet, in der neben Jürgen Raab mit zwei Geschäftspartnern den Betrieb unter neuem Namen fortführte. Statt Café Raab hieß er nun Korbstadtcafé - und der neue Namen sollte auch ausdrücken, dass man sich verändern wollte. Neben einem Café sollte es etwa am Abend auch ein Speisenangebot geben, optisch wollte man das Haus ebenfalls modernisieren.

Im Januar 2013 wurde die neue GmbH gegründet, im Mai 2014 schied Jürgen Raab als Geschäftsführer aus. Im Dezember 2015 ging die GmbH in die Insolvenz. Zu dem Zeitpunkt hatte aber schon längst Stefan Dinkel den Betrieb übernommen - und auch Teile aus der Korbstadt Café GmbH. Die Insolvenz führte dazu, dass Dinkel, der ähnliche Ideen wie die Vorgänger hatte, mit seinen Plänen nicht vorwärts kam. "Ich habe eineinhalb Jahre nichts verändern können und so etwas ist nicht meine Sache." Es habe Turbulenzen gegeben und Unklarheiten. So habe er auch etwas die Lust an dem Projekt verloren.

Dazu kam jetzt, dass Stefan Dinkel zwei wichtige Mitarbeiter verlassen haben, die vom anstrengenden Bäckerberuf in eine andere Branche wechselten. "Es ist nicht leicht für uns, Mitarbeiter zu bekommen", sagt er. So fiel der Entschluss, sich auf den vorhandenen Bäckereibetrieb mit seinen 25 Mitarbeitern zu konzentrieren. "Ich mache das, was ich mit meinem Leuten schaffe." Jetzt mit Überstunden Lücken zu füllen, sei keine Lösung: "Das ist nicht der Weg, den ich gehen will." Zudem sei er ja auch noch als Stadtrat in Bad Staffelstein engagiert, müsse sich seine Zeit einteilen. Der Abschied falle ihm trotzdem schwer. Man habe sich mit dem Vermieter aber einvernehmlich getrennt.

An eine Zukunft des Hauses glaubt er trotzdem. Es werde sicher am Marktplatz mit einem neuen Pächter weitergehen.