Ein 44-jähriger Lichtenfelser ist am Donnerstag bei einem Flugunfall nahe Bautzen schwer verletzt worden. Mit einem Motorflugzeug zog der Hobbypilot einen Segler empor. Dann gab es Komplikationen. Aus noch ungeklärten Gründen stürzte der vorausfliegende Pilot ab und krachte mit seinem Flieger auf den Boden des Flugplatzes. Er erlitt wohl mehrere Knochenbrüche, ist nach unseren Informationen aber außer Lebensgefahr.

Im Rahmen eines Fliegerlagers in der Lausitz auf dem Flugplatz Klix (Landkreis Bautzen) waren vergangene Woche mehrere Piloten des Aero Clubs Lichtenfels vor Ort. Der 44-jährige Pilot hatte mit seiner Maschine vom Typ Robin DR 400/180R gegen 15.45 Uhr das Segelflugzeug eines Fliegerkollegen aus Lichtenfels in den Himmel ziehen wollen. Kurz nach dem Start, in einer Höhe von etwa 50 Metern, geriet die Robin außer Kontrolle, wie die Polizei Bautzen mitteilte. Möglicherweise riss das Zugseil. Das Kleinflugzeug prallte mit den Rädern voran auf die Erde. Der Segelflieger - ein 71-jähriger Kronacher - konnte sicher landen und kam mit dem Schrecken davon. Die Ursache des Unglücks ist noch ungeklärt. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung und die Polizei ermitteln. Unklar ist, ob ein Riss des Schleppseils möglicherweise für den Absturz ausschlaggebend ist. Klarheit über die Absturzursache soll der Untersuchungsbericht der Bundesstelle geben, der allerdings erst in einigen Wochen erwartet wird.

Der Vorsitzende des Aero-Clubs Lichtenfels, Gerd Peter Lauer, ist nach dem Vorfall tief betroffen. "Unser Club besteht aus dicken Freunden. Wir hoffen im Moment einfach nur, dass er wieder gesund wird." Lauer war am Tag des Unglücks nicht mit auf dem Flugplatz, sondern in Lichtenfels. Als er von dem Unglück hörte, setzte er sich ins Auto und fuhr die drei Stunden nach Bautzen. Dort erfuhr er zum Hergang nicht viel. Die eine Hälfte der Leute sei zur Zeit des Absturzes in der Luft, die andere beim Baden gewesen. "Die einzigen zwei Augenzeugen haben es aus 1,5 Kilometern Entfernung von hinten gesehen", sagt Lauer. Deshalb sei die Erkenntnislage derzeit sehr dünn. Aussagen zum Unfallhergang könnten aktuell nur Spekulation sein. Gleiches gelte für den Gesundheitszustand des 44-Jährigen Lichtenfelsers. "Ich weiß nur, dass er schwerst verletzt, aber nicht in Lebensgefahr ist."


Reagieren in Zehntelsekunden

Der Lichtenfelser Fluglehrer Charly Schorr hat das Unglück nicht mit angesehen, war "hunderte Kilometer entfernt", als die Maschine auf den Boden krachte. Doch als erfahrener Pilot meint er um die Risiken zu wissen, die jedes Schleppen eines Seglers mit sich bringt. "Das ziehende Flugzeug fliegt im unteren Geschwindigkeitsbereich. Und je langsamer ein motorisiertes Flugzeug ist, desto schwerer ist es zu steuern", sagt Schorr. Kritisch werde es, wenn das geschleppte Flugzeug - in diesem Fall ein Motorsegler - die vorausfliegende Maschine in der Luft übersteige. Das könne etwa durch plötzliche Aufwinde passieren. "Dann muss der Pilot zügig nachsteuern oder sich ausklinken. Innerhalb von Zehntelsekunden muss das passieren."

Möglicherweise habe ein solcher plötzlicher Aufstieg bei dem Unglück eine Rolle gespielt. Genau könne man das nicht sagen, meint Schorr. "Es gibt bestimmt ein halbes Dutzend Möglichkeiten, woran es gelegen haben kann."


Auf den Rädern gelandet

Fest stehe - das sieht der Lichtenfelser Fluglehrer anhand der Fotos von der Unglücksstelle - , dass die Landeklappen der Flieger für den langsamen Flug korrekt konfiguriert gewesen seien. Ebenfalls erkenne er als erfahrene Flieger, dass das Flugzeug auf den Rädern gelandet sein muss. "Das könnte ihm das Leben gerettet haben." Wie auch, dass der Tank hielt und kein Feuer ausgebrochen ist. Fahrwerk und Stoßdämpfer hätten dem Sturz aus wohl über 50 Metern Höhe einige Wucht genommen. Nach Informationen, die Schorr von Dritten habe, befinde sich der Verunglückte derzeit nicht in Lebensgefahr. "Kopf und Rücken sind wohl nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Aber er hat mehrere Knochenbrüche." Bestätigt sind diese Informationen nicht.

Laut Schorr ist der Verunglückte ein erfahrener, guter Pilot mit viel Routine. Auch der Flugplatz sei ideal für die Ansprüche von Segelfliegern geeignet und nicht für kritische Bedingungen bekannt. Der Flugplatz Klix ist ein Sonderlandeplatz, an dem oft Winden- und Schleppstarts von Segelflugzeugen stattfinden. Die Lichtenfelser fuhren zum wiederholten Mal zu dem Fliegerlager in Klix.