Seinen letzten Urlaubstag hatte sich Landrat Christian Meißner (CSU) ruhiger vorgestellt. Gegen Freitagmittag stand sein Handy vor Nachrichten und Anrufen für eine Stunde nicht mehr still. "Das war wie ein kommunikatives Lauffeuer", sagt er. Der Grund: Im Internet hat sich jemand für ihn ausgegeben und versucht, Meißners Facebook-Freunde in eine Betrugsmasche zu verwickeln. "Christian MeiBner" (ohne i-Tüpfelchen) nannte sich der falsche Landrat. Vermutlich wollte er per "Zong-Abzocke" Geld ergaunern.

Wer kürzlich im sozialen Netzwerk Facebook eine Freundschaftsanfrage von "MeiBner" erhalten hat, tat gut daran, sie nicht zu bestätigen. Es handelt sich dabei um ein gefälschtes Profil. Wer dahinter steckt, dürfte schwer zu ermitteln sein. Der echte Landrat hat aber bereits reagiert. Auf seinem Facebook-Profil warnte er am Freitag: "ACHTUNG! Ein Unbekannter gibt sich mit meinem etwas abgeänderten Namen und meinem Bild aus. Es wurden auch Freundschaftsanfragen verschickt. Also aufgepasst!" Meißner und einige seiner Facebook-Kontakte meldeten das falsche Profil bei der zuständigen Stelle des Unternehmens, so dass es rasch gelöscht sein sollte.

Einige haben die Freundschaftsanfrage des falschen Landrats angenommen. "Da habe ich wohl zu schnell draufgeklickt", sagt einer auf Nachfrage. Nachrichten habe er von dem Profil nicht erhalten. Mittlerweile habe er den Kontakt wieder gelöscht. Von anderen weiß Christian Meißner, dass "MeiBner" nach Telefonnummern gefragt hat. "Ich glaube allerdings, dass niemand darauf eingegangen ist. Es tut mir trotzdem Leid, dass das passiert ist."


Die Anfrage kann teuer werden

Wahrscheinlich liegt dem zweifelhaften Identitätsklau eine Betrugsmasche zugrunde, wie es sie in Facebook schon länger gibt. Ralf Wietasch von der Kriminalpolizei Coburg spricht von zwei bis vier Fällen, die pro Woche bei seiner Dienststelle eingehen.

Eine beliebte Masche - die wohl auf diesen Fall passt - ist als "Zong-Abzocke" bekannt. Dabei kopieren die Betrüger ein Profil und ändern es minimal ab. Mithilfe des gefälschten Profils grasen die Betrüger die Freundschaftslisten des Originalprofils ab und stellen Freundschaftsanfragen, erläutert Wietatsch das Vorgehen.
Wer die Freundschaftsanfrage annimmt, bekommt anschließend eine Facebook-Nachricht, in der der Täter nach der Handy nummer fragt - etwa mit der Begründung, das Handy und somit alle Kontakte verloren zu haben.

"Schließlich erhalten die Freunde dann eine SMS mit einer TAN-Nummer aufs Handy und werden aufgefordert, diese via Facebook-Nachricht weiterzugeben. Sobald dies geschieht, wird damit eine Zahlung ausgelöst", erklärt Wietasch die Vorgehensweise.

Der Täter kann dann im Internet einkaufen, indem er auf der Website des Bezahldienstes "Zong" die erschlichene Rufnummer eingibt. Die Opfer erhalten daraufhin den TAN-Code per SMS, den sich der Täter wiederum via Facebook durchgeben lässt - nun kann er eine Zahlung veranlassen. Die Kosten dafür trägt das Opfer. Der Betrag wird unter dem Posten "Drittanbieter-Kosten" von seiner Mobilfunk-Abrechnung abgebucht.

Den Angaben der IT-Experten des Portals "Computerbetrug.de" schwappt die Betrugsmasche durch ganz Deutschland. Solche Betrugsfälle werden als Computerbetrug gemäß Paragraf 263 a StGB behandelt, darunter fallen mehrere Delikte, weshalb sich nicht feststellen lasse, wann es sich um die "Zong"-Masche handle. Die Aufklärungsrate liege bei solchen Delikten sehr niedrig.


Bleiben Sie kritisch!

Ralf Wietasch von der Coburger Kripo rät dazu, präventiv sehr vorsichtig zu sein: "Fragen Sie nach, bis Sie ganz sicher sind, dass Sie es wirklich mit einem Freund zu tun haben." Im Zweifel solle man Anfragen ignorieren oder direkt bei Facebook melden. Dadurch, dass Landrat Christian Meißner sofort seinen Freundeskreis über das gefälschte Profil informiert hat, konnten finanzielle Schäden höchstwahrscheinlich verhindert werden. Vermutlich ist das Profil mittlerweile verschwunden. Denn je mehr Leute ein Profil melden, umso schneller wird es von Facebook gesperrt.

Generell gilt: Um sich vor dem Identitäts-Klau zu schützen, sollte man sein Facebook-Profil so geschlossen wie möglich halten. Je weniger Angaben öffentlich sind, desto unanfälliger ist das Profil für Kopien. Besonders die eigene Freundesliste sollte nicht für Fremde einsehbar sein.

Die Sicherheitstipps hat sich Landrat Christian Meißner noch am Freitag zu Herzen genommen. Seine Freundesliste hält er mittlerweile vor der Öffentlichkeit unter Verschluss. So wird es deutlich schwerer, ihn zu imitieren. Ob er rechtliche Schritte einleiten wird, hält er sich offen. "Ich werde mich in Verbindung setzen mit Facebook und schauen, was man da machen kann."


Schutz vor Fake-Profil

Profileinstellung Die Freundesliste sollte nur für einen selbst oder für die Freunde einsehbar sein. Durch ein paar Klicks kann man das ändern: Freundesliste → Verwalten → Privatsphäre bearbeiten → Haken bei Öffentlich raus. Und schon ist das Profil sicherer.