Der Lungenexperte mit dem schwäbischen Akzent redet schnell, denn er hat viel mitzuteilen. Von seinem Plan, die medizinischen Disziplinen im Bezirksklinikum Obermain noch besser zu vernetzen und seinem Wunsch, die Kommunikation mit niedergelassenen Ärzten zu vertiefen.

Das helle Chefarzt-Büro von Dietmar Geiger ist überschaubar eingerichtet. Einige Fächer in den Bücherregalen sind noch leer. In welchen Rahmen er seine altertümlichen Seekarten aufhängen will, weiß der Mediziner noch nicht genau. Wofür sie stehen sollen, schon. "Wie die Seeleute haben wir ein klares Ziel, auf das wir hinsteuern", sagt er. Und das ist, aus Kutzenberg ein Lungenkrebszentrum zu machen.


"Wir ticken ähnlich"

Seit dem 1. Juli ist der 52-Jährige Chefarzt der Klinik für Erkrankungen der Atmungsorgane, Allergologie, Umwelt- und Schlafmedizin am Bezirksklinikum Obermain.
Er ist damit Nachfolger von Gernot Habich, der 28 Jahre am Bezirksklinikum Obermain tätig war und das Lungenzentrum in Kutzenberg zur anerkannten und zertifizierten Fachklinik formte.

"Grundlegend anders machen werde ich nichts", sagt Geiger, der Habich als einen Mentor bezeichnet und die anhaltende Zusammenarbeit lobt: "Wir ticken ähnlich." Doch Geiger will weiterentwickeln, und hat dabei vier Schwerpunkte identifiziert: Beatmung, Lungenkrebserkrankungen, Lungengerüsterkrankungen und Gerontopneumologie, also die Lungenheilkunde bei älteren Menschen. "Diese wird in allen drei übrigen Bereichen mit auftauchen", sagt der Mediziner. Ihr Stellenwert werde mit steigendem Altersschnitt der Bevölkerung zunehmen. Geiger glaubt, dass die Häufigkeit von Lungenerkrankungen in den nächsten Jahren extrem steigt: Lungenentzündungen um fast 200 Prozent, chronisch obstruktive (hemmende) Lungenerkrankungen um 50 und Lungenkrebs um über 60 Prozent.

Die Behandlung von Krebspatienten bleibt eine zentrale Herausforderung. Der Facharzt für Allgemeinmedizin und Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie will aus der Fachklinik in Kutzenberg ein zertifiziertes Lungenkrebszentrum machen. Jeder Aspekt geplanter Neuausrichtung und Vernetzung zielt darauf ab. "Wir wollen daran mitarbeiten, die Therapie für Krebspatienten wirklich zu verbessern." Das Zertifikat wäre eine Bestätigung, dass es funktioniert.

Nach 106 Tagen ist Geiger längst dabei, die Entwicklung voranzubringen. Sie schlägt sich auch baulich nieder: Eine zentrale Aufnahme der Stationen ging am 12. Oktober in Betrieb. Die "Weaning"-Einheit zur Entwöhnung von Beatmungspatienten wird ausgebaut. Auch die interventionelle Bronchologie zur Erkennung und Behandlung von Lungenerkrankungen soll mehr Raum bekommen.

Generell will Dietmar Geiger in der Klinik "kürzere Wege schaffen, Kompetenzen ballen und auch die Palliativmedizin noch besser in bestimmte Behandlungsabläufe einbeziehen". Im Bezug auf die Behandlung nicht heilbarer Krebserkrankungen (im Lungenbereich) spiele Palliativmedizin eine wichtige Rolle.


Erfahrung im Aufbau

"Diese Klinik ist ein kleiner Diamant", sagt er. Es gebe in seiner Abteilung kompetente Kräfte, aus deren Erfahrung man unmittelbar schöpfen könne. "Hier muss ich nicht erst ausbilden." Bei seiner vorherigen Station war das anders. Bevor Dietmar Geiger nach Kutzenberg kam, baute er eineinhalb Jahre lang eine Abteilung für Pneumologie am St. Elisabeth-Krankenhaus in Bad Kissingen auf. Der Mediziner hat Erfahrung damit, Strukturen zu entwickeln.

Für die nahe Zukunft hat Geiger ein Weiterbildungsangebot aufgelegt, das sich an niedergelassene Ärzte richtet und Behandlungsschwerpunkte der Klinik kommunizieren soll. "Kutzenberger Dialog" heißt das Vortragsprogramm, das es Ende der 80er Jahre - unter Gernot Habich - schon mal gab. Es läuft in Kooperation mit dem Medizinischen Versorgungszentrum in Lichtenfels und Lungenfacharzt Dr. Hanno Thiele.

Beim nächsten Termin stehen etwa moderne Krebstherapie oder ein multidisziplinäres Konzept zur Behandlung von Lungengerüst-Erkrankungen auf dem Plan. "Ziel ist, die niedergelassenen Ärzte auch mit in unser interdisziplinäres Konzept hineinzunehmen", sagt Geiger.


Zur Person

Ausbildung Dr. Dietmar Walter Geiger stammt aus Pfullingen in Baden-Württemberg. Nach seiner allgemeinmedizinischen und internistischen Ausbildung sammelte er in den Fachkliniken München-Gauting Erfahrung in der allgemeinen und interventionellen Pneumologie.

Schwerpunkte Neben endoskopischen Verfahren zählten sonografische und endosonografische Diagnostik zu seinen Schwerpunkten. Weiter erhielt Geiger in der Klinik für Intensivmedizin und Langzeitbeatmung eine intensivmedizinische Ausbildung mit dem Schwerpunkt Langzeitbeatmung und Weaning.

Krebszentrum Bis 2014 war Dietmar Geiger in Löwenstein am Zentrum für Pneumologie und Thoraxchirurgie als Oberarzt und Vertreter des Chefarztes tätig. Die Zertifizierung der Klinik als anerkanntes Lungenkrebszentrum hat Dietmar Geiger maßgeblich mitgestaltet.