Die erste rollende Demon­stration gegen die Schließung der Tiefgarage und des Parkhauses Basteigasse für E-Fahrzeuge ist vorbei - damit freilich hat sich die Diskussion um die umstrittene Entscheidung der Stadt nicht in Wohlgefallen aufgelöst. Der Initiator der Kundgebung, Michael Möschel, plant weitere Aktionen. Aber auch politische Vertreter haben Fragen, darunter beispielsweise CSU-Stadtrat Wolfram Brehm. Er will wissen: Gibt es ähnlich gelagerte Verbotsfälle in anderen Städten - oder sind dort Elektroautos nach wie vor willkommen im Park-Parterre? Wir versuchen Licht ins Tiefgaragendunkel zu bringen.

Brennen Elektroautos öfter als andere? Welche technischen Vorgaben helfen, das im Notfall zu unterbinden?

Dazu gibt es mittlerweile umfassende Studien, beispielsweise der Prüforganisation Dekra. Demnach ist in der Zusammenschau die Gefahr, dass ein E- oder Hy­brid-Auto Feuer fängt, nicht höher als beim Verbrenner. Das ist zudem das Ergebnis zahlreicher Crashtests diverser Hersteller. VW beispielsweise hat jüngst für sein E-Modell ID.3 als eines der ersten den neuen, verschärften Test nach Euro-NCAP-Norm absolviert und dabei die höchstmögliche Fünf-Sterne-Bewertung erhalten. Die Batterie blieb in 100 Prozent aller nachgestellten Unfälle unbeschädigt, es bestand laut Gutachtern zu keinem Zeitpunkt Brandgefahr. Die Zulassungs­voraussetzungen für alle Autos in Deutschland sehen grundsätzlich vor, dass sämtliche elektrische Komponenten "eigensicher" ausgelegt sein müssen. Sollte also ein Defekt eintreten, muss der Stromfluss der Batterie sofort unterbrochen werden. Bei den Elektroautos sollte sich das Hochvolt-System im Ernstfall selbstständig abschalten.

Warum brennt ein Auto?

Hollywood-Streifen gaukeln seit Jahrzehnten vor, dass es genüge, ein Auto einen Abhang hinterzusteuern oder sich überschlagen zu lassen - schon brennt und explodiert es. Das freilich sind filmreife Tricks und dienen rein der Schauwirkung. Die Realität ist weit weniger spektakulär. Der häufigste Grund für Fahrzeugbrände bei Benziner oder Diesel ist laut Dekra lapidar der Austritt von Kraftstoff oder Öl auf heiße Motorteile. Das fällt beim E-Auto grundsätzlich weg, hier stellt eine beschädigte Batterie den kritischen Moment dar. Insofern ist eine Deformation des Batteriepacks im Unterboden des Wagens bestmöglich auszuschließen. Natürlich könne es zu einer Selbstentzündung kommen - das gilt jedoch für alle Antriebsarten gleichermaßen, schreibt der ADAC in seinem Untersuchungsbericht. Demnach gibt es keine Hinweise darauf, dass E-Autos leichter zum Brennen neigten oder öfter Feuer fingen als Pkw mit Verbrennungsmotor (unabhängig davon, ob "Unfalleinwirkung" vorlag oder nicht).

Muss die Feuerwehr bei E-Autos besonders geschult werden? Reicht das vorhandene Equipment aus?

Experimente der Feuerwehren (unter anderem der Berufsfeuerwehr München) haben gezeigt, dass die Brand­intensität unabhängig von der Antriebsart des jeweiligen Fahrzeugs sei. Der ausschlaggebende Faktor für mehr Rauch- und Wärmefreisetzung im Vergleich zu früher sind demnach insbesondere die verwendeten Materialien. Da in modernen Fahrzeugen vor allem Kunststoffe zum Einsatz kämen, brenne das Feuer heißer und länger. Hier gebe es keinen Unterschied zwischen E-Autos und Verbrennern.

Ist Kulmbach die einzige Stadt, die ein solches Parkverbot für Elektroautos und Hybride ausspricht?

Nach aktuellem Kenntnisstand und auch der Auskunft des deutschen Städtetages lautet die Antwort: ja. Aber: In Chemnitz liegt wohl ein ähnlicher Vorstoß vor, wie die Pressestelle der Stadt auf BR-Anfrage mitteilt. Dort habe die Stadtratsfraktion der AfD gefordert, eine Sperrung "als Reaktion auf den Zwischenfall in Kulmbach zu prüfen".

Die Feuerwehr der Stadt Chemnitz hat sich dazu wie folgt geäußert. "Bauordnungsrechtlich gibt es sowohl in der geltenden als auch im Entwurf der neuen ,Garagenverordnung' keine besonderen Anforderungen im Zusammenhang mit E-Mobilität. Auch ist hinsichtlich der Installation von Ladestationen in Tiefgaragen/Parkhäusern die bisherige bauordnungsrechtliche Lesart, dass derartige Installationen keine Beantragung und Genehmigung bedürfen. Somit ist weder im Antragsverfahren für neue Garagen noch bei nachträglicher Installation von Ladestationen der Bauherr und/oder Betreiber verpflichtet, sich zu möglichen Stellplätzen für E-Fahrzeuge und Ladestationen zu äußern."

Der Feuerwehr seien aktuell keine rechtlichen und normativen Vorschriften bekannt, in denen spezifische Brandschutzmaßnahmen im Zusammenhang mit E-Ladestationen in geschlossenen Garagen festgelegt sind. Aus brandschutztechnischer Sicht werde empfohlen, dass Stellplätze mit den E-Ladestationen in unmittelbarer Zu- und Ausfahrtnähe und möglichst separiert anzuordnen sind. Und weiter: "Die Ladestationen sind mit dem Stromlos-Schalten der Tiefgarage gleichzeitig freizuschalten respektive über eine zentrale Stelle stromlos zu schalten. Der Bereich der E-Ladestationen ist deutlich so zu kennzeichnen, damit der Bereich für die Feuerwehr bereits aus der Ferne erkennbar ist. Bei Vorhandensein eines eigenen Feuerwehrplanes sind die E-Stellplätze gesondert auszuweisen."

Die Feuerwehr gibt aber zu bedenken: "Ist bei einem Elektrofahrzeugbrand die Li-Ion-Batterieanlage unmittelbar mit betroffen oder ist diese beschädigt, sind wirksame Löscharbeiten unter Umständen langwieriger und können zu einer größeren Brandausbreitung auf benachbarte Fahrzeuge führen. Ein solches Brandereignis kann zu erheblichen Schäden an der Baukonstruktion der Tiefgarage führen. Je eher die Feuerwehr von einem Brandereignis erfährt und somit früher mit der Brandbekämpfung beginnen kann, desto wirksamer sind die Löscharbeiten und desto geringer ist er Schaden. Dies setzt aber voraus, dass in der Tiefgarage eine Brandfrüherkennung vorhanden ist und die Feuerwehr schnellstmöglich und qualifiziert über das Brandereignis informiert wird." Dennoch sehe die Feuerwehr Chemnitz in Bränden von Elektro- oder Hybridfahrzeugen keine größere Gefährdung.

Was sagt der ADAC zum Kulmbacher Modell?

Der Automobilclub betont, er könne die Kulmbacher Entscheidung nicht nachvollziehen. "Sollten weitere Garagen­betreiber dem Kulmbacher Beispiel folgen, wäre dies ein fataler Rückschlag beim Ausbau der Elektromobilität in Deutschland."

Gibt es umgekehrt Städte, die die E-Mobilität durch zusätzliche Angebote in Parkhäusern fördern?

Die gibt es - eine davon ist München. Dort ist man mit weit über 1000 Ladestationen Deutschlands Spitzenreiter bei der Ladeinfrastruktur. Das Problem ist derzeit noch die Ladegeschwindigkeit, die an den allermeisten Standorten 11 Kilowatt beträgt (wie auch in Kulmbach) - was Wartezeiten von mehreren Stunden bedeutet. Mittlerweile macht Autobauer Tesla offenbar den Verantwortlichen Beine. Anfang des Jahres eröffnete Tesla die ersten beiden "Supercharger": einer im Gewerbegebiet Brunnthal im Osten, der andere - passend zum Thema - in der Tiefgarage des Einkaufszentrums "Pasing Arcaden". Dort stehen gleich zwölf Ladeplätze, jeder davon mit einer Leistung von bis zu 250 Kilowatt, den Tesla-Fahrern zur Verfügung. Dies sei, so der Hersteller, der erste Standort dieser Art in einer deutschen Tiefgarage, während in Hongkong oder der Schweiz (hier in St. Moritz) bereits vergleichbare Anlagen existierten.

Was tut sich aktuell in Sachen Batterieentwicklung und -sicherheit?

Fest steht: An Lithium-Ionen-Batterien führt bei der Speicherung elektrischer Energie für die Automobilität momentan (noch) kein Weg vorbei. Doch ein Joint Venture der Universität Bayreuth mit verschiedenen Firmen arbeitet an Lösungen zur Verbesserung der Sicherheit.

Hierbei geht es um Alternativen der Betriebssicherheit, die entscheidend von sogenannten Separatoren abhänge, die eine räumliche Trennung der Elektroden garantierten. Mit dem Ziel, die Sicherheit von High-Tech-Batterien weiter zu erhöhen und zugleich ihre Lebensdauer zu verlängern, wird die Universität Bayreuth gemeinsam mit namhaften Indus­triepartnern neuartige Separatoren aus Glas entwickeln, heißt es dazu in einer Stellungnahme.

Das Verbundprojekt "Glas-Separatoren für Lithium-Ionen-Batterien (GlasSeLIB)" startete am 1. März und wird von der bayerischen Forschungsstiftung in den nächsten drei Jahren mit mehr als 375000 Euro gefördert. Mit im Boot ist neben Varta und Tesla auch die Vitrulan Glass Textile GmbH aus Marktschorgast.