Wann der letzte Live-Auftritt war? "Anfang März 2020", sagt Andi Häckel mit einem tiefen Seufzer. So lange sind der Kulmbacher und die Bandmitglieder der "Münchner Zwietracht" schon ohne Publikum. Und damit de facto ohne Einkommen. Corona hat die gesamte Branche auf einen Schlag lahmgelegt, politische Entscheidungen tun ein übriges zum absoluten Berufsverbot der Künstler. Besserung? Nicht in Sicht. "Unsere Art von Konzerten mit Abstand, Masken und einigen wenigen hundert Menschen durchzuziehen, das wäre Illusion. Funktioniert nicht. Unsere Open-Airs und Großveranstaltungen mit mehreren Tausend Leuten leben davon, dass es ungezwungen zugeht. Es würde unter solchen Umständen auch mir als Musiker keinen Spaß machen."

Der Terminkalender der Band ist laut Häckel, zugleich Tourmanager, prall gefüllt. Noch. "Die Absagen trudeln quasi im Wochenrhythmus rein." Eine der letzten war das Kulmbacher Bierfest, denn auch hier wäre die "Zwietracht" gesetzt gewesen, wie auch schon 2019. "Mir tut es leid für alle, die sich drauf gefreut haben nach einem Jahr der Entbehrungen, und für mich als Kulmbacher und mein Heimspiel. Aber wir haben es nicht in der Hand." Es sei nur eine Frage der Zeit, sagt der 48-Jährige, bis auch das Oktoberfest in München den Corona-Beschränkungen zum Opfer fällt. "Die Hoffnung bleibt natürlich immer, aber ich rechne nicht mit guten Nachrichten." Für ihn und die Band bedeuten das: 16 sichere Gigs in Folge, die einfach wegfallen wie 2020.

Brasilianische Klänge

Aber, sagt Andi Häckel optimistisch: "Die ,Zwietracht' wäre nicht die ,Zwietracht', wenn sie nicht trotz aller Miseren schon große Pläne schmieden und musikalisch positiv nach vorne blicken würde." Und so ist die Band auch im Lockdown nicht untätig geblieben. Zuerst haben die Musiker die Single "Fiesta Caliente im englischen Garten" veröffentlicht, verpackt in ein fetzig-rhythmisches Arrangement, das bayerische Wurzeln gekonnt mit südamerikanischen Einflüssen verbindet. Der Song führt zurück auf die damalige Ursprungsidee von Bassist Wolfgang Köbele zur Gründung der inzwischen populärsten Oktoberfestband der Welt im Jahr 1991. Bei einem Besuch in Brasilien entdeckte der leidenschaftliche Musiker damals seine Liebe zum südländischen Musikcharakter.

Neue Musiker, neue Stücke

Ein Album sei gerade in der Produktion, sagt And Häckel. Er gehört neben Wolfgang Köbele und Trompeter Heinzi Fuhrmann mittlerweile zu den Urgesteinen der Gruppe, die sich im vergangenen Jahr mit drei Neuzugängen verstärkte. Peter Lautenschlager und der Brasilianer Jean Carlos Chiminelli stießen am Schlagzeug und an der Gitarre dazu. Neu ist auch der 27-jährige Sänger und Gitarrist Chris Furtner, "der besonders auch beim jungen Publikum auf große Aufmerksamkeit stoßen wird", sagt Andi Häckel.

Bleibt die Frage: Was macht eine Oktoberfestband ohne Oktoberfest? Ohne Bierfest? Ohne Freiluftkonzerte? "Wir Musiker sind es gewohnt, auf Tour zu sein, bei großen Events die Massen in stimmungsvolle Ekstase zu versetzen." Doch die überraschende Zwangspause schenkte auch ungeahnte neue Möglichkeiten, sagt der Kulmbacher. Die Zeit war da für Veränderungen, für Neuplanungen und vieles mehr.

Planen für künftige Termine

Neben der Neuformation der Band tüftelte die Formation fürs neue Album, das im Frühsommer veröffentlicht wird. "Termine für TV-Präsentationen werden geschmiedet und die Radioeinsätze für ihre Vorab-Single geplant. Neue Songs werden geschrieben, das Bühnenprogramm überarbeitet, Termine für den Herbst und natürlich die folgenden Jahre vereinbart, sogar ein Album ,Münchner Zwietracht Trio unplugged' wurde im Studio eingespielt und im Dezember 2020 veröffentlicht. "Und das alles mit den positivsten Gedanken und großer Vorfreude auf alles, was kommt", sagt Andi Häckel.

Aktuell steht die Band im Studio, um die neuen Songs fürs Album einzusingen und einzuspielen. Alles andere an Proben lässt sich mittels moderner Medien online, etwa per Streaming, irgendwie lösen. "Da bieten die heutigen Techniken natürlich einige gute Alternativen, aber das kann das Gruppenerlebnis nicht ersetzen. Jeder Musiker wird mir das bestätigen. Doch wir stehen Gewehr bei Fuß und könnten jederzeit wieder wie gewohnt loslegen."