Die gute Nachricht vermeldete OB Ingo Lehmann gleich zu Beginn des Pressegesprächs: "Von dem ehemals in der Blaich abgelagerten Hausmüll geht grundsätzlich keine Gefahr für die Bürger aus, sodass er im Boden verbleiben kann. Lediglich teilweise belasteter Oberboden muss ausgetauscht oder mit unbelastetem Material bedeckt werden." Das sind die zentralen Ergebnisse eines Gutachtens, das gestern im Rathaus präsentiert wurde. Laut Lehmann erfolgt ein entsprechender Förderantrag bei der Gesellschaft für Altlastensanierung Bayern (GAB). "Sobald die Freigabe vorliegt, werden wir die nötigen Sanierungsarbeiten ausschreiben. Die Sanierung wird unter realistischen Gesichtspunkten sicher nicht vor dem Jahr 2022 abgeschlossen sein." In Kürze würden alle Grundstückseigentümer detailliert informiert, "damit jeder Betroffene weiß, was genau auf seinem Grund und Boden los ist".

Fast 40000 Quadratmeter geprüft

Über die Ergebnisse informierte Helga Rupp, Diplom-Geoökologin vom Büro Rupp Bodenschutz aus Neustadt am Kulm, das im Januar 2019 offiziell per Stadtratsbeschluss beauftragt worden war. Über viele Monate hinweg waren in der Blaich Bodenproben entnommen und regelmäßig das Grundwasser auf etwaige Schadstoffe begutachtet worden. Untersucht wurden etwa 60 Grundstücke und eine Gesamtfläche von annähernd 40000 Quadratmetern.

"Unsere Resultate zeigen anhand von Bohrungen und Messungen, dass die Böden in Teilen schadstoffbelastet sind", so die Expertin. Gefunden worden sind demnach polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die kanzerogen, also krebserregend sind. "Es handelt sich um Produkte, die bei Verbrennung entstehen, Rückstände von Rauch und Schlacken." Dennoch bewegten sich die Werte in keinem besorgniserregenden Bereich. "Im Grundwasser ist die Beeinflussung zwar messbar, aber nicht in einer sanierungsrelevanten Größenordnung. Dafür muss keine Sanierung durchgeführt werden, das sieht auch das Wasserwirtschaftsamt so." Auch erhöhte Deponiegasse seien nicht festgestellt, so dass eine Gefahr bei der Nutzung etwa von Kellerräumen ebenfalls nicht besteht, so Helga Rupp.

Was die Bodenschichten bis in eine Tiefe von 35 Zentimetern angeht, so könne die Geoökologin mögliche Gefahren für Kleinkinder sowie bei der Nutzung des Erdmaterials für den Anbau von Nutzpflanzen jedoch nicht ausschließen. Aufgrund dessen muss mancherorts der Boden ausgetauscht werden oder aber die Gartenbesitzer verlagern den Anbau in ein Hochbeet. Bei einer gewöhnlichen Nutzung stelle die Belastung keine Gefahr dar, aber gerade für Kinderspielplätze im Freien gelten strengere Kriterien.

Deponiekörper "gut nachvollziehbar"

Der einstige Deponiekörper erstreckte sich vom Ängerlein bis zur Hermann-Limmer-Straße, betroffen sind ferner die Michel-Weiß-Straße, Hans-Günther-Straße, Spitzenpfeilstraße und Hugo-Hesse-Straße. Der Deponiekörper habe sich bei der Beurteilung "gut nachvollziehen" lassen, sagte die Expertin. "Im Ostteil wurden keinerlei Müllreste gefunden, sondern insbesondere Schlackerückstände, im Westen hingegen überwog der Anteil an gelagertem Hausmüll. Das alles aber muss nicht tiefgreifend oder großflächig abgetragen werden."

Auch für Oliver Hempfling vom Landratsamt als der zuständigen staatlichen Bodenschutzbehörde ist das eine gute Neuigkeit. "Wir vom Landratsamt danken der Stadt Kulmbach für die Bemühungen um die Gefahrenabwehr und die verlässliche Kooperation." Hempfling sagt, er könne verstehen, wenn mancher Bürger aufgrund der Dauer des Verfahrens ungeduldig werde. "So ein Verfahren braucht eine Zeit. Wichtig ist doch aufzuklären und den Leuten sagen zu können, dass sie sich sicher fühlen dürfen. Mit dem Gutachten sind wir alle einen Riesenschritt weitergekommen."

Nun geht es an die Abarbeitung der einzelnen Problemfelder. Tiefbauamtsleiter Ingo Wolfgramm betonte, dass jeder Betroffene im Bedarfsfall seinen "Sanierungswunsch" äußern könne. Es habe auch Blaicher gegeben, die für die Untersuchung keine Freigabe erteilt hatten. "Das steht natürlich jedem frei, wir als Stadt machen ein Angebot. Dort, wo eine mögliche Gefährdung vom Oberboden ausgeht, werden prinzipiell alle betroffenen Grundstücke automatisch saniert. Wenn einer später baut und einen Keller oder einen Pool gräbt und dabei die Altlasten quasi anpackt, muss er die dann allerdings auf eigene Kosten entsorgen. Wir als Stadt sanieren besagten Oberboden kostenfrei für den Eigentümer."

Kosten für die Stadt

Was das die Kommune kostet? Helga Rupp sprach bei der Maximalvariante im teuersten Fall von 800000 Euro. Doch nach den Worten von OB Lehmann ist der Sockelbetrag, den die Stadt an die Entsorgungsgesellschaft GAB zu zahlen hat, bei 200000 Euro gedeckelt. "Alles was drüber ist, zahlt die GAB. 115000 Euro haben wir schon geleistet, pauschal kommen also noch 85000 Euro dazu."

Ein Sonderfall ist die Baugenossenschaft Kulmbach, die in der Blaich an zwei ihrer Objekte mit großen Transparenten auf "grünes Licht" zum Bauen hofft. Es ist auch eine Anspielung darauf, dass man sich seitens der Stadt seit Jahren im Unklaren gelassen fühlt. Sowohl in der Michel-Weiß-Straße als auch an der Hermann-Limmer-Straße sollen alte, marode Wohnblocks abgerissen und durch moderne, barrierefreie Wohnanlagen für Leute mit kleinem Geldbeutel ersetzt werden. Die Pläne sind fix und fertig, heißt es aus der Geschäftsführung.

Bauarbeiten liegen auf Eis

Bei Abbrucharbeiten im Herbst 2015 waren im Boden Müllablagerungen entdeckt. Daraufhin wurden die Bauarbeiten verschoben. Bis heute liegen sie auf Eis. In den Wohnblocks an der Ecke Ängerlein/Hermann-Limmer-Straße, kurz nach dem Krieg für Flüchtlinge errichtet, stehen Wohnungen leer und werden auch nicht mehr vermietet. Die Baugenossenschaft will auch diese Häuser abreißen, um eine moderne Wohnanlage zu schaffen. Aber: Auch hier gab es die Hinweise auf besagte Altlasten. Die Baugenossenschaft informierte 2016 das Landratsamt über ihre Vermutungen. Einmal mehr stellte sich die Frage: Wenn sich der Verdacht bestätigt - wer zahlt für die Beseitigung?

Nicht auf das Gutachten warten

Laut Ingo Wolfgramm habe die Baugenossenschaft nicht auf das jetzige Gutachten warten müssen und hätte bereits seit Jahren bauen können. "Sie hätte dann natürlich die Kosten für die Bodenanalyse selber tragen müssen, das muss man dazusagen. Die Baugenossenschaft war der Hoffnung, die Kosten für einen möglichen Bodenaustausch nicht tragen zu müssen. Das gilt, wie heute erklärt, für den Oberboden. Alles aber, was in tieferen Bodenschichten durch Baumaßnahmen stattfindet, ist klar die Angelegenheit des Bauträgers."