Ein Werktag kurz vor Mitternacht: Der Hund übergibt sich immer wieder und wirkt krank. Oder auch: Das Kaninchen liegt völlig apathisch in seinem Käfig und mag nicht fressen. Was tun?

Bislang war die Tierklinik in Stadtsteinach in solchen Fällen ein verlässlicher Ansprechpartner, erreichbar rund um die Uhr.

Seit kurzem ist das anders. "Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir aufgrund eines massiven Personalmangels bis auf weiteres keine Nachtdienste anbieten können. An Sonn- und Feiertagen sind wir tagsüber weiter für Sie erreichbar" heißt es auf der Internet-Seite der Klinik.

Keiner will nach Oberfranken

Wer in der Klinik nachfragt, erfährt, dass es derzeit nahezu unmöglich sei, Tierärzte für eine Mitarbeit zu gewinnen. "Wir suchen seit zwei Jahren", sagt Ingo Schmoldt, Chefarzt und Gschäftsführer der Tierklinik. Ohne Erfolg. Es gebe zu wenige junge Tierärzte, und von den wenigen ziehe es kaum jemanden nach Oberfranken - obwohl hier, wie Schmoldt versichert, die Arbeitsbedingungen gut seien: "Überdurchschnittliche Bezahlung, geregelte Freizeit..."

Solange das so ist und sein Team nur aus fünf statt noch vor zwei Jahren aus sieben Veterinären bestehe, könne man keinen Nachtdienst mehr gewährleisten. "Sobald wir zwei Tierärzte gefunden haben, nehmen wir den Nachtdienst wieder auf."

Gemeinschaftsaktion

Die gute Nachricht: Ab Januar haben Tierhalter auch nachts dennoch einen Ansprechpartner. Tierärztinnen und Tierärzte aus den Landkreis Kulmbach haben sich zusammengetan und gewährleisten nun reihum einen Notdienst. Start ist am 1. Januar; ab diesem Tag gibt es eine einheitliche Notrufnummer (siehe unten), unter der der jeweils diensttuende Veterinär erreichbar ist.

"So können wir gewährleisten, dass immer jemand erreichbar ist, wenn ein Tier plötzlich krank wird", sagt Christine Kammerer. Die Mainleuserin hat zusammen mit weiteren Kollegen das neue Notrufsystem koordiniert und übernimmt natürlich selbst auch regelmäßige Bereitschaftsdienste.

Mit dabei sind auch die Tierärzte Bernd Volpert (Kulmbach), Iris Schröppel (Kulmbach), Jutta Lindner (Kulmbach), Ingo Schmoldt von der Tierklinik in Stadtsteinach, das Team der Tierarztpraxis in Wonsees, die Tierarztpraxis Grimm und Mytzka aus Himmelkron, sowie die Veterinäre Sonja Büttner und Bernd Röttcher (beide Kulmbach).

Was müssen Tierhalter zu dem neuen System wissen? Das Notrufsystem ist auf den Landkreis Kulmbach beschränkt; in der Regel kommen die Patienten in die jeweilige Praxis, Hausbesuche sind nur in Ausnahmefällen möglich. Abgerechnet wird über die jeweilige Notdienst-Praxis - gemäß der Honorarordnung zum doppelten Satz zuzüglich einer Notdienstpauschale von 50 Euro.

Der Tierschutzverein Kulmbach wurde ebenfalls über das Aus des bisherigen Nachtdienstes unterrichtet. Tierheimleiterin Carina Wittmann weiß aus der eigenen täglichen Arbeit, dass die Tierschützer vor allem wegen angefahrener Katzen mitunter die Dienste der Stadtsteinacher Klinik außerhalb der regulären Zeiten in Anspruch nehmen mussten, wenn es buchstäblich um Leben und Tod ging. "Es ist sehr zu begrüßen, dass die Tierärzte sich bereiterklärt haben, diesen Teil der Versorgung aufrechtzuerhalten."

Tierärztlicher Notdienst Ab 1. Januar werktags ab 23 Uhr und am Wochenende und an Feiertagen ab 18 Uhr erreichbar unter 0151/53505843. Die Notfall-Nummer wird ab Januar auch täglich auf der Service-Seite der Bayerischen Rundschau veröffentlich.