Den befallenen Baum erkannt Armin Hanke von Weitem. An der rötlichen Färbung der Krone. Aus der nähe weist er auf die Spur aus gelbem Harz, die von der Spitze der Fichte bis zu ihrem Ansatz reicht. "Überall dort, wo das Harz aus stecknadelgroßen Löchern tritt, haben Borkenkäfer versucht, sich einzugraben." In diesem Jahr, meint der Förster, könnten die millimeterkleinen Insekten im Kreis Kronach viel Schaden anrichten.

Das liegt zum einen an der Trockenheit. Zum anderen daran, dass bis zu 80 Prozent des Baumbestandes in den Wäldern des Landkreises aus den besonders anfälligen Fichten besteht. Der Vorteil der Bäume ist, dass sie schnell wachsen. Ihr Nachteil, dass sie kurze Wurzeln haben. "An das Wasser in tieferen Bodenschichten kommen sie nicht heran", sagt Hanke.
Das habe zur Folge, dass sie schneller an Mangelerscheinungen leiden und damit leichte Beute für Schädlinge werden, weiß der Revierleiter des Forstreviers Wilhelmsthal, zu dem Pressig, Wilhelmsthal, Marktrodach und Wickendorf gehören.

"Dass die Fichten angeschlagen sind, erkennt man daran, dass in vielen Waldstücken die Nadeln fallen. Es knistert regelrecht", erklärt Gerhard Lutz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kulmbach. Gemeinsam mit Armin Hanke erläutert er dem Reporter in einem Waldstück nahe der Alten Heeresstraße in Rothenkirchen den Zusammenhang zwischen Trockenheit und Borkenkäfer-Problematik.

Jetzt, da den Fichten nach Wochen ohne größeren Niederschlag Flüssigkeit fehlt, haben sie weniger Harz. Doch die Zähe Flüssigkeit ist Teil ihres Abwehrsystems. "Ein gesunder Baum harzt Schädlinge wie den Borkenkäfer aus", erklärt Hanke. Eine dehydrierte Fichte kann das nicht mehr.


"Gefährdungsstufe" in Kronach

Wie weit sich der Borkenkäfer verbreitet, erfasst die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). Für den Kreis Kronach gilt derzeit "Warnstufe" (siehe Karte unter www.borkenkaefer.org). Die LWF nutzt Daten, wie sie auch von Armin Hanke in seinem Revier gemessen werden. An unterschiedlichen Stellen im Landkreis sind die so genannten Schlitzfallen aufgestellt, die Borkenkäfer mit einem Pheromon anlocken und einschließen. Über die wöchentlich gefangene Menge an Insekten wird dann auf die Verbreitung im jeweiligen Gebiet geschlossen. In Hankes Gebiet bestätigt die Hochrechnung die kreisweite "Warnstufe". Im Benachbarten Revier Kronach des Kollegen Christof Maar wurde im Juni schon die nächsthöhere "Gefährdungsstufe" erreicht.


Waldbesitzer sollten aufpassen

"Borkenkäfer, insbesondere Buchdrucker, sind in diesem Jahr ein Problem", sagt Gerhard Müller, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs der Bayerischen Staatsforsten in Nordhalben. Die andere große Unterart, der Kupferstecher, sei hingegen kaum verbreitet.

Müller appelliert an alle privaten Waldbesitzer im Einzugsbereich, die Augen offen zu halten, denn: "Der Borkenkäfer gehört zwar zum Ökosystem, aber er ist ein riskantes Tier." Das vom Käfer befallene Holz muss so rasch wie möglich aus dem Wald geschafft werden, um eine verhängnisvolle Kette zu durchbrechen: Die Käfer legen ihre Eier unter der Baumrinde ab, wo sich dann die Larven durch das Gewebe des Baumes fressen und dessen Wasser- und Nährstoffbahnen zerstören. Noch sind die Insekten im Larvenstadium. In Kürze werden sie ausfliegen, sich unter die Rinde benachbarter Bäume bohren und dort ihre Eier ablegen. Ganze Waldstücke können absterben.


Den Mischwald voranbringen

Da künftig von zunehmender Trockenheit auszugehen ist, halten die Experten nur eine Lösung für nachhaltig: "Wir brauchen mehr Mischwald", sagt Hanke. Der Prozess des Waldumbaus sei zwar schon im Gange. Aber noch seien längst nicht alle Privatwaldbesitzer im Boot.

Nur etwa 30 Prozent der rund 3000 Besitzer in seinem Zuständigkeitsbereich, schätzt Armin Hanke, nähmen die kostenlose Beratung des Revierförsters in Anspruch. Dabei ist das nicht nur umweltfreundlich, sondern auch kostengünstig: Zur Etablierung von mehr Mischwald etwa zahlt die Forstbehörde die Bäume. Nur für das Anpflanzen muss der Waldbesitzer aufkommen. Informationen erhalten Interessierte auf der Website der WBV Kronach-Rothenkirchen unter www.wbvkc.de oder unter www.forst.bayern.de.