Der rote Haarschopf ist längst dem natürlichen Grau gewichen. Aufmerksamkeit über Äußerlichkeiten zu erhaschen, das hat Karin Radermacher nicht mehr nötig. Es gab aber Zeiten in ihrem Leben, vor allem die 22 Jahre als Landtagsabgeordnete, da war es gar nicht so verkehrt, gleich erkannt zu werden. Am 10. Februar wird Karin Radermacher 75 Jahre alt.

Ein Alter, das man ihr weder ansieht, noch im Gespräch anmerkt. Immer noch gibt es Themen, für die sie brennt, aktuell steht da das Jubiläum der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Fokus und die Tatsache, dass es wieder vermehrt Menschen gibt, die den Holocaust leugnen. Da kann sie sich so richtig empören, auch angesichts der Familienfreundschaft zu Max Mannheimer, einem Überlebenden der Judenvernichtung.

"Das Parteibuch war mir mit in die Wiege gelegt."
Karin Radermacher zur SPD

Geboren ist Radermacher am 10. Februar 1945 in Ladenburg im Rhein-Neckar Kreis. Prägend für sie war Vater Walter Galuschka, ein Antifaschist aus dem Sudetenland, der nach der Aussiedlung in Marktbreit eine neue Heimat fand. Ein Sozialdemokrat, der von 1962 bis zum seinem frühen Tod 1967 bereits Landtagsabgeordneter für den Stimmkreis Kitzingen/Ochsenfurt war. "Das Parteibuch war mir mit in die Wiege gelegt", sagt sie zu ihren Engagement für die SPD.

Davon zeugt auch ein Foto im Arbeitszimmer mit Willi Brandt, Herbert Wehner und Helmut Schmidt. Alle drei hat sie persönlich kennen gelernt. Mit der Politik begann sie bereits in frühen Jahren, mit 14. Tanzen gehen, das langweilte sie, war aber auch sicher anders, als heute. Da saßen die Mädchen am Tisch und warteten auf "pickelige Jungs" zur Einladung zum Tanz. Und Ablehnen, das war nicht möglich. "Da bin ich lieber mit meinem Vater auf Versammlungen gegangen."

1986 zog die Industriekauffrau und Sozialarbeiterin nach Würzburg, heiratete Jürgen Radermacher und studierte auf dem zweiten Bildungsweg Psychologie. 1972 wurde sie Stadträtin in Würzburg und errang 1986 beim zweiten Anlauf ein Landtagsmandat – natürlich für die SPD, ihrer Partei, der sie 1965 beigetreten war.

Mit dem Landtagsmandat kamen die roten Haare

Und mit dem Landtagsmandat kamen auch die roten Haare. Es war der Landtagsmasseur, der ihr sagte: "Frau Radermacher, sie brauchen ein unübersehbares Erkennungszeichen im Haus". Und das waren dann der gefärbte Schopf. 22 Jahre lang hielt sie das Mandat, 22 Jahre lang ging es von Dienstag bis Donnerstag nach München zu den Sitzungen. Schon in ihrer ersten Amtsperiode übernahm sie einen Ausschussvorsitz, was sie durch den ganzen Freistaat brachte.

Nicht immer eine einfache Zeit. Denn als Frau und als Sozialdemokratin musste sie mehr um Anerkennung kämpfen als andere. "Es war eine mühselige Zeit", sagte sie zu den Anfängen. Denn bei vielen Bürgermeistern und auch Vereinsvorsitzenden war sie wohl eher eine Abgeordnete zweiter Klasse. Der Mann, der CSU’ler, hatte da oft die Präferenz. Das war auch im Landtag so: Die Antwort auf Briefe an Ministerien ging erst an den CSU-Kollegen.

"Ich weiß, dass ich dazu beigetragen habe, dass es in Bayern Horte gibt oder in Würzburg ein Frauenhaus."
Karin Radermacher ist zufrieden mit ihrer Arbeit als Abgeordnete

Trotzdem machte die Arbeit für die Menschen viel Spaß und sie kann auch von etlichen Erfolgen berichten. "Wenn ich auf die 22 Jahre zurück blicke, bin ich absolut zufrieden. Ich weiß, dass ich dazu beigetragen habe, dass es in Bayern Horte gibt oder in Würzburg ein Frauenhaus", sagt sie. Es gebe viele Menschen, denen sie helfen konnte, indem sie sich einfach gekümmert hat.

Der Ausstieg 2008 war eine ganz bewusste Entscheidung, die gemeinsam mit Ehemann Jürgen Radermacher gut vorbereitet war. "Ich bin 2008 in kein Loch gefallen", sagt sie. Schon in den beiden Jahren vor dem Ende der Amtszeit im Landtag hat sie begonnen, alle Ehrenämter abzugeben – und das an gute Nachfolger.

Und den Abschied  hatte sie auch konsequent verfolgt: Zwei Jahre lang ist sie zu keiner Veranstaltung mehr gegangen, hat sich aber zusammen mit Jürgen ein Wohnmobil gekauft und ist von April bis Oktober "in der Welt unterwegs".

Empfang im Fastnachtmuseum am Montag

Was fehlt noch im Leben? Ein klares "nichts" ist die Antwort einer Frau mit zwei Töchtern und zwei Enkeln, die zusammen mit dem Ehemann rundum zufrieden in ihrer Wohnung im Würzburger Stadtteil Keesburg lebt – und das seit 40 Jahren.

Wer Karin Radermacher persönlich zum 75. Geburtstag gratulieren möchte, kann dies am Montag, 10. Februar, um 18 Uhr anlässlich eines Empfangs des SPD-Kreisverbands im Fastnachtmuseum in Kitzingen tun.