Beine wie ein Storch sind kein gängiges Schönheitsideal, beim Kneippen ist es allerdings von Vorteil, sich die langbeinigen Vögel zum Vorbild zu nehmen. Das Waden durchs kalte Wasserbecken fördert nicht nur die Gesundheit auf vielfältige Weise, sondern ist an öffentlichen Anlagen sogar kostenlos. Und wird dabei komplett unterschätzt, findet Gesundheitspädagogin Ingrid Mauer.

Warme Füße sind für eine Runde Kneippen unerlässlich. Zur Anlage zu laufen oder mit dem Rad zu fahren, sei daher die ideale Vorbereitung, empfiehlt Mauer. Sind die Hosenbeine erst hochgekrempelt, geht es im Storchengang durchs Wasser. Die optimale Wassertemperatur beträgt 18 Grad. "Unten im Becken ist es ganz kalt. Der Kältereiz schließt die Gefäße", erklärt die Hofheimerin.

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Im oberen Bereich des Beckens ist das Wasser dagegen einige Grad wärmer. Zieht man die Knie also anschließend beim Gehen nach oben, öffnen sich die Gefäße wieder. Das kräftigt nicht nur die Venen, sondern fördert zudem die Durchblutung, regt den Stoffwechsel an, senkt den Blutdruck und hält die Gefäße elastisch.

Bei regelmäßiger Anwendung kann Kneippen sogar Infektionen vorbeugen. Die ersten gesundheitlichen Erfolge stellen sich bereits nach drei Monaten ein: "Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass das Immunsystem nachweislich besser reagiert", betont VHS-Dozentin Mauer. "Gerade in Corona-Zeiten ist es wichtig, ein gutes Abwehrsystem zu haben."

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Wassertreten kann abends sogar dabei helfen, besser einzuschlafen, denn die Bewegung im kalten Wasser trainiert das vegetative Nervensystem. Kalte Waschungen aktivieren den Sympathikus, spannen den Körper also an. Den Körper anschließend wieder aufzuwärmen, fördert dagegen den Parasympathikus und somit die Entspannung.

Anschließend gut wärmen

"Menschen sind auf eine konstante Körpertemperatur von etwa 37 Grad angewiesen", erklärt Mauer. "Der Kältereiz sollte daher nicht zu lang andauern, sonst ist es gesundheitsschädlich." Ein unangenehmes, schneidendes Gefühl in den Beinen zeigt an, dass man die Kneipp-Runde besser beenden sollte. Die Füße danach gut zu wärmen, um eine optimale Wirkung zu erzielen, sei ebenfalls wichtig.

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Wer nach einer Fahrradtour überhitzt ins Becken steigt, braucht übrigens keinen Kreislaufkollaps zu befürchten, gibt Mauer Entwarnung, da sich nur Füße und Beine im kalten Wasser befinden. Vor dem Einstieg erstmal eine Runde durchzuschnaufen, sei aber dennoch ratsam. Wer unter einer empfindlichen Blase oder Nierenproblemen leidet, sollte jedoch aufs Kneippen verzichten und ein warmes Wasserbad bevorzugen.

Im Kneipp-Becken auf Hygiene achten

Aufgrund der Corona-Pandemie blieben einige Anlagen im Kreis Haßberge zeitweise geschlossen, Mauer musste daher VHS-Kurse ausfallen lassen. Um hygienisch sicher zu gehen, empfiehlt sie, die im Becken angebrachte Haltestange zuerst mit einem Tuch abzuwischen oder es zum Festhalten zu benutzen.

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Aber nicht nur den Beinen tut eine Abkühlung gut: Das Armbad gilt als "Tasse Kaffee der Naturheilkunde" und soll Erfrischung bringen. "Das Armbecken sollte aber mit zeitlichem Abstand zum Wassertreten genutzt werden", rät Mauer. Denn wer parallel Füße und Arme ins Wasser hält, hebt die jeweiligen Wirkungen nur gegenseitig auf.

Alle Kneipp-Anlagen im Kreis Haßberge auf einen Blick

Insgesamt acht Kneipp-Anlagen gibt es im Kreis Haßberge:

  • die Wonfurter Eisenquelle
  • das Königsberger Queckbrünnlein nahe des Schafhofs
  • der ehemalige Feuerlöschweiher in Hellingen mit einem Kneipp- sowie Schwimmbecken
  • die Oberschwappacher Wassertretanlage am Ortsausgang in Richtung Eschenau
  • die Neubrunner Anlage am Ortsausgang in Richtung Ebelsbach
  • die Eschenauer Anlage direkt am Dorfsee
  • die Kneipp-Anlage Ermershausen in der Nähe der Anglerseen
  • die "Wellnessoase" in Nassach am westlichen Dorfrand

VHS-Kurs am neuen Becken in Ermershausen

Der VHS-Kurs "Kneipp - Mehr als nur Wassertreten" findet am Samstag, 26. September, von 16 bis 17.30 Uhr an der neu erbauten Kneipp-Anlage neben dem Gelände der Sportangler in Ermershausen statt. Die Teilnehmer können die fünf Säulen der Kneipp'schen Lehre mit allen Sinnen erleben und Wissenswertes zum Thema Wasseranwendungen erfahren. Am Ende des Nachmittags gibt es gemäß einer der fünf Säulen einen kleinen Imbiss. Geleitet wird der Kurs von Ingrid Mauer. Anmeldungen sind unter www.vhs-hassberge.de oder 09521/94200 möglich.

So stärkt Bewegung das Immunsystem: Tipps vom Sportexperten

Egal ob Joggen, Fahrrad fahren oder Schwimmen: Dass Sport für Körper und Geist gesund ist, ist weitläufig bekannt. Doch wie beeinflusst sportliche Betätigung in Kombination mit richtiger Ernährung das Immunsystem? Dr. Stefan Voll, Sportdozent an der Uni Bamberg, und Beate Speyerer, Ernährungsberaterin in Coburg, beantworten die wichtigsten Fragen.

1. Inwiefern wirkt sich Sport auf das Immunsystem aus?

Laut Stefan Voll macht regelmäßige sportliche Betätigung widerstandsfähiger gegen negative äußere Einflüsse und stärkt das Immunsystem. "Auch bei erfolgten Infektionen verläuft der Krankheitsprozess bei Trainierten wesentlich gemäßigter, weil sie den Belastungen einen funktionsfähigen Organismus entgegensetzen können."

2. Welche Tipps geben Sie Anfängern, die mit sportlicher Betätigung starten möchten?

"Wenn sie bisher Sportmuffel waren, heißt die Vorgabe: Sich erst ärztlich untersuchen lassen und dann moderat beginnen. Das bedeutet, dass Bewegungsformen mit vergleichsweise geringer Intensität und größerem Bewegungsumfang im Mittelpunkt stehen sollten." Als für Anfänger geeignete Sportarten empfiehlt er Nordic Walking, Schwimmen, Rudern, Radfahren und langsames Joggen.

3. Gibt es Sportarten, die besonders gesundheitsförderliche Effekte erzielen können?

Unter Beachtung der psychischen und sozialen Gesundheit lassen sich Sportarten wie Tanzen, Yoga und Aerobic hinzufügen, sagt Voll.

4. Wie oft soll Sport getrieben werden, um das Immunsystem zu stärken?

Möchte jemand neu mit regelmäßigem Sport beginnen, ist darauf zu achten, den Körper zu Beginn nicht zu überfordern. Dies könne sogar negative Auswirkungen auf das Immunsystem haben. "Hochgradig intensive Bewegungsformen schädigen gerade bei Untrainierten das Immunsystem eher, als dass es diesem nützt. Ein Belastungspuls von 130 Herzschlägen pro Minute sollte nicht oft überstiegen werden", erklärt Voll. Ein moderates Training von drei mal 60 Minuten in der Woche ist auch Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge gesundheitsförderlich.

5. Wie kann die Ernährung den immunologisch positiven Effekt von Sport unterstützen?

"Gesichert ist, dass eine ausgewogene Ernährung und angemessene körperliche Bewegung das Immunsystem stabilisieren und die Immunisierung begünstigen", erklärt Voll. Dies bestätigt auch Beate Speyerer, Ernährungsberaterin aus Coburg: "Eine gesunde, bunte und ausgewogene Ernährung wird zum zuverlässigen Immun-Modulator." Hierbei unterstreicht sie die Bedeutung von Gemüse im täglichen Speiseplan. Vor allem wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente, wie Magnesium, Zink, Eisen, Selen und Kupfer, können so aufgenommen werden. "Die im Gemüse enthaltenen Vitamine, Ballaststoffe und sekundären Pflanzenstoffe stellen einen entscheidenden Beitrag für das Immunsystem dar." Ballaststoffe aus Gemüse und Vollkornprodukten seien wichtig für die gesundheitsförderlichen Bakterien im Darm.

6. Wie sind Sport und Ernährung in gesundheitsförderlichster Weise zu kombinieren?

Kohlenhydrate und Eiweiß zum Muskelaufbau sind für Sportler wichtige Nährstoffe. Sie reichen der Ernährungsberaterin zufolge aber nicht aus, um ein gesundes Immunsystem aufzubauen. Zusätzlich seien Mikronährstoffe von Bedeutung: "Mineralien, Vitamine, Ballaststoffe und die sekundären Pflanzenstoffe stellen eine weitere wichtige Gruppe für eine immunstarke Ernährung dar." Sekundäre Pflanzenstoffe können die Abwehr stärken und antibakteriell wirken.

7. Gibt es besonders wichtige Nährstoffe, auf die in der Ernährung geachtet werden sollte?

"Prinzipiell sollte jeden Tag circa 400 Gramm Gemüse gegessen werden", empfiehlt Speyerer. Die darin enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe seien zudem keimhemmend und antikrebsaktiv: "Die Polyphenole in Kiwi oder Grapefruit stärken das Immunsystem, Carotinoide der Karotte beschleunigen die Arbeit von Immunzellen, Omega-3 in kaltgepressten Ölen wie Lein- oder Rapsöl liefert Baumaterial für das Immunsystem." Auch die Bedeutung probiotischer Lebensmittel, wie Joghurt oder Sauerkraut, sei zur Stärkung von Darmflora und Immunsystem von Bedeutung.