Ein Laden in der Alten Brückenstraße in Haßfurt: Auf mehreren Biertischen reihen sich grüne Kisten aneinander. Darin: Bananen, Äpfel, Karotten, Radieschen ... Ein buntes Sortiment aus Obst und Gemüse. Auf einem Regal an der Wand stehen Gläser mit eingelegten Kirschen. Gegenüber stapeln sich Kartons mit Naschsachen. Im hinteren Teil des Raums schließen sich mehrere Kühlschränke und eine Gefriertruhe an. Der Blick über den Rand offenbart einen Berg an Tiefkühlpizzen.

Wer in dem Raum steht, könnte meinen, auf einen kleinen Supermarkt gestoßen zu sein. Tatsächlich handelt es sich um die Räumlichkeiten der Haßfurter Tafel. Jeden Donnerstag von 14 bis 17 Uhr können sich Menschen, denen nur wenig Geld für den Lebensunterhalt zur Verfügung steht, hier mit Lebensmitteln versorgen. Für einen Einkaufspreis von zwei Euro.

"Die Bedürftigkeit der Leute wird vorab geprüft", erklärt Ute Ulbrich, Vorsitzende der Haßfurter Tafel. "Von der Caritas, der Diakonie, dem Sozialamt oder auch den Gemeinden." Wer bedürftig ist, der erhält die Haßberg-Card und darf dann die Tafeln in Haßfurt, Eltmann oder Ebern nutzen. Das Angebot der Tafel nutzen ganz unterschiedliche Gruppen von Menschen, wie Ulbrich erklärt. Rentner mit geringem Einkommen, Migranten, Alleinerziehende oder junge Leute, die zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen keiner Arbeit nachgehen können.

Für den Landkreis im Einsatz

Die Haßfurter Tafel ist für den gesamten Landkreis zuständig. In Eltmann gibt es neben Haßfurt eine weitere feste Anlaufstelle. Nach Ebern etwa wird mit Hilfe von Diakonie und Stadt geliefert, wie Ulbrich berichtet. 85 ehrenamtliche Helfer zählen zum Team der Tafel. "Der harte Kern besteht aus etwa 40 Personen", sagt Ulbrich und fügt an: "Ich bin sehr stolz auf unsere Mitarbeiter. Ohne sie könnte die Tafel nicht bestehen."

Für viele der Helfer kommt der Einsatz für die Tafel einem Vollzeitjob gleich. Morgens um 8.30 Uhr beginnt der Arbeitstag. Fahrteams sind landkreisweit unterwegs, um Lebensmittel abzuholen. Über einen Verbund mit anderen Tafeln bezieht die Einrichtung in Haßfurt Palettenware, die von großen Unternehmen gespendet wird. "Auf so einer Palette sind gut und gerne bis zu 1000 Stück Pizza", nennt Ulbrich ein Beispiel.

Im Laden sortieren Helfer die eingetroffenen Waren und lagern diese ein. Hierfür gibt es zwei Verkaufs- und Kühlräume sowie einen Keller. Rückt der Donnerstag näher, werden Kisten vorgepackt, welche dann - zusammen mit weiteren Artikeln des täglichen Bedarfs - an die Kunden der Tafel ausgegeben werden. Was die Helfer der Haßfurter Tafel leisten, lässt sich mit dem Unterhalt eines kleinen Lebensmittelgeschäfts vergleichen. Auch eine Gesundheitsunterweisung durch das Gesundheitsamt ist Pflicht.

Qualität und Achtsamkeit

"Qualität ist uns wichtig", sagt Ulbrich mit Blick auf die Lebensmittel. Man wolle eine Qualität "fast wie im Geschäft" bieten können. Außerdem achten die Helfer der Tafel darauf, dass so wenig wie möglich Lebensmittel in der Tonne landen. "Was wir früher weggeworfen haben, wird jetzt zum Teil erst noch an einen größeren Hof aus dem Landkreis gegeben und dort an die Tiere verfüttert."

Die Corona-Krise hat auch die Haßfurter Tafel "kalt erwischt", wie Ulbrich berichtet. Zwischenzeitlich war der Tafelladen in Haßfurt komplett geschlossen. Die laufenden Kosten, wie etwa die recht hohe Miete, blieben. Um die Tafel wieder öffnen zu können, mussten dann unter anderem Plastikstellwände und Tische für die Lebensmittel-Ausgabe besorgt werden. Desinfektionsmittel, Masken und Handschuhe reihen sich nach wie vor in die laufenden Kosten ein.

"Wir leben von Spenden und Mitgliedsbeiträgen", erklärt die Vorsitzende. Deshalb unterstützt der Spendenverein Franken helfen Franken nun die Haßfurter Tafel mit 1000 Euro. Sie berichtet auch, dass die Tafel viel Zuspruch erfahren habe. Da viele der älteren Helfer aus Sicherheitsgründen zuhause blieben, startete die Tafel einen Aufruf. Mit Erfolg. Studierende meldeten sich und arbeiteten mit. "Das war das Positive an der Krise."

Junge Helferin packt mit an

Eine dieser Studierenden ist Eva Linder aus Wülflingen. Die junge Frau ist an diesem Donnerstag im Tafelladen mit der Ausgabe von Obst und Gemüse beschäftigt. Als die Corona-Pandemie ausbrach, weilte die 19-Jährige gerade in England, wo sie ein Freiwilliges Soziales Jahr begonnen hatte. Die Krise zwang die junge Frau dazu, vorzeitig in die Heimat zurückzukehren.

"Dann habe ich den Aufruf der Tafel in der Zeitung gelesen", erzählt Linder. Sie meldete sich bei der Vorsitzenden und kam vorbei, um das Team und die Tafel kennenzulernen. Seit dem Frühjahr zählt die 19-Jährige zum ehrenamtlichen Helferkreis. "Es gibt immer etwas zu tun", berichtet sie. "Und es ist einfach etwas ganz anderes als Schule oder Studium."

Guter Teamgeist

Es sei ein sehr schönes Gefühl, mitanzupacken und zu helfen. Sie freue sich jedes Mal auf den Einsatz bei der Tafel, erzählt Linder. Dazu trägt die Stimmung im Team bei: "Wir verstehen uns einfach gut", sagt sie. Auch die Menschen, die regelmäßig zur Tafel kommen, kenne sie inzwischen. Diese erzählten dann mitunter auch einmal, wie es ihnen gerade geht, berichtet die 19-Jährige.

Als es auf 14 Uhr zugeht, trudeln nach und nach die ersten Kunden in der Alten Brückenstraße ein. Aufgrund der Pandemie würden weniger Leute als sonst das Angebot der Tafel nutzen, berichtet Ulbrich. "Viele kommen nicht, weil sie Angst haben, sich anzustecken."

Die, die kommen, reihen sich an der ersten Ausgabestelle auf. Holzlatten mit weiß-rotem Absperrband zeigen am Boden den einzuhaltenden Abstand an. Kiste um Kiste reichen die Helfer der Tafel nun durch die aufgebaute Durchreiche.

Am Ende des Tages werden Obst, Gemüse und viele der anderen Vorräte so gut wie aufgebraucht sein. Aber: "Leer ausgegangen ist bei uns noch keiner", sagt Ulbrich mit einem Augenzwinkern.

Franken helfen Franken: 1000 Euro an Haßfurter Tafel

Corona-Hilfe Die Tafeln in der Region sind von der Pandemie arg betroffen - und mit ihnen die Bedürftigen, die von den ehrenamtlichen Helfern tagtäglich unterstützt werden. Deshalb unterstützt der Spendenverein Franken helfen Franken zehn fränkische Tafeln mit insgesamt 10 000 Euro.

Kontakt Wer der Haßfurter Tafel helfen möchte, ob mit einer Spende, als Mitglied oder Ehrenamtlicher, kann sich mit Ute Ulbrich, der Vorsitzenden des Tafelvereins, in Verbindung setzen (Telefonnummer: 09521/5758).

Spendenverein Die Mediengruppe Oberfranken (mgo) erreicht über ihre lokalen Tageszeitungen wie den Fränkischen Tag sowie digitale Informations- und Service-Portale jeden Tag rund 600 000 Menschen. Außerdem ist die mgo als Multimediaunternehmen mit Tochterfirmen wie dem Marketing-Komplettdienstleister mgo360, den mgo Fachverlage oder mgo Digital Ventures breit aufgestellt. Diese Vielfalt nutzt die Unternehmensgruppe, um mit dem Spendenverein "Franken helfen Franken" seit 2009 Hilfsbedürftige in ganz Franken zu unterstützen. Alle Spenden gehen zu 100 Prozent an in Not geratene Menschen oder gemeinnützige Organisationen und Projekte in der Region. Die Verwaltungskosten übernimmt die mgo. Insgesamt wurden seit 2009 deutlich über eine halbe Million Euro von Franken helfen Franken vergeben.

Spendenkonto Mediengruppe Oberfranken -

Franken helfen Franken e.V. Sparkasse Bamberg

IBAN DE62 7705 0000 0302 1945 01

BIC BYLADEM1SKB