Wegen Körperverletzung, Beleidigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte hat das Amtsgericht Bayreuth einen 54-jährigen Mann nach zwei Verhandlungstagen zu einer Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu je zehn Euro (1400 Euro) verurteilt. Der Mann war bei der Zwangsräumung seiner damaligen Wohnung in Pegnitz komplett ausgerastet, mittlerweile lebt er in Kulmbach.

Das Besondere an dem Urteil ist, dass es Amtsrichterin Christiane Breunig in Abwesenheit des Angeklagten sprach. Schon am ersten Verhandlungstag hatte sich der 54-Jährige lautstark darüber beschwert, dass er komplett ohne Einkommen sei und deshalb nicht wisse, wie er von Kulmbach aus zu der Verhandlung nach Bayreuth gelangen soll. Irgendwie hatte er es am ersten Verhandlungstag aber dann doch geschafft, für die Rückfahrt bekam er ein Ticket vom Gericht.

Diesmal warteten die Prozessbeteiligten über eine halbe Stunde auf den Mann, der dann doch nicht mehr auftauchte.

Also verhandelte die Richterin kurzerhand ohne ihn, was die Strafprozessordnung durchaus zulässt. Schließlich waren die beiden Polizisten, die bei der Zwangsräumung am 20. April dieses Jahres in einem Mehrparteienhaus in der Pegnitzer Blumenstraße dabei waren, als Zeugen geladen. Sie seien damals vom Gerichtsvollzieher zu der Räumung hinzugezogen worden, weil mit Widerstand zu rechnen gewesen sei, sagte einer der beiden Beamten.

Tatsächlich hatte sich der Beschuldigte von Beginn an aggressiv gezeigt, habe wie wild gestikuliert und lautstark geschimpft. Die Wohnung sei ziemlich vermüllt und verwahrlost gewesen, erinnerte sich der andere Polizist. Auf das Angebot, ihm eine Obdachlosenunterkunft zuzuweisen, sei der 54-Jährige nicht eingegangen, er wolle lieber im Wald schlafen, habe er den Beamten gesagt. Später fand er dann aber wohl einen Bekannten in Kulmbach, bei dem er unterkommen konnte.

Ins Bezirkskrankenhaus gebracht

Weil die Lage zu eskalieren drohte, habe man beschlossen, den Angeklagten dem Amtsarzt vorzuführen und ihn anschließend ins Bezirkskrankenhaus zu bringen. Sicherheitshalber legten ihm die Beamten Handfesseln an. Dagegen wehrte sich der Mann allerdings heftig, trat einem der Beamten gegen das Schienbein und wollte ihm einen Kopfstoß verpassen, was der Polizist durch eine Ausweichbewegung gerade noch verhindern konnte.

Auch später im Bezirkskrankenhaus seien fünf Mann nötig gewesen, um den Mann zu fixieren. Weil er sich körperlich nicht mehr wehren konnte, tat er dies verbal und beleidigte einen der Beamten als "Schwuchtel".

Bereits am ersten Verhandlungstag hatte der Angeklagte angegeben, dass er auf der Treppe des Mehrfamilienhauses den Halt verloren habe und abgerutscht sei. Deshalb sei er mit dem Fuß nach vorne geraten und habe dabei wohl den Polizisten erwischt. Von einem Fluchtversuch oder gar einer bewussten Tätlichkeit könne keine Rede sein. Außerdem habe er ganz normale Wanderschuhe getragen, keine Arbeitsschuhe mit Stahlkappen, wie es in der Anklage stand.

Auch die Sache mit dem Kopfstoß sei ganz anders gewesen. Er habe mit seinem Kopf an die Wand geschlagen, um sich selbst zu verletzen. "Ich wollte ins normale Krankenhaus, nicht ins Bezirkskrankenhaus." Obwohl er danach stark geblutet hatte, war sein Plan allerdings nicht aufgegangen. Er habe sich damals gedemütigt gefühlt, während er rund 30 Minuten lang auf dem kalten Steinboden gefesselt liegen und so auf den Krankenwagen warten musste.

Nicht vorbestraft

Mit ihrem Urteil von 140 Tagessätzen zu jeweils zehn Euro entsprach die Richterin exakt dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Bemerkenswert ist, dass der Mann bis jetzt noch keinen Eintrag in seinem Strafregister hatte. Wie er das Geld aufbringen soll, steht allerdings in den Sternen. In Kulmbach ist er lediglich bei einem Bekannten untergekommen, einer Arbeit geht er nicht nach.