Sie ist intelligent und anpassungsfähig. Sie kann in senkrechten Abflussrohren mehrere Stockwerke hoch klettern und sich selbst durch zwei Zentimeter kleine Löcher zwängen. Theoretisch kann sie bis zu 250 Junge pro Jahr bekommen. Als Überträger von Krankheitserregern stellt sie eine ernstzunehmende Gefahr dar. Die Rede ist von der Wanderratte.

In Hemhofen will man bei deren Bekämpfung nun neue Wege gehen. Hans Schockel, Leiter der Wasserbetriebe Adelsdorf, erläuterte bei der Sitzung des Bauausschusses am Dienstagabend die Vorteile eines neuen mechanischen Systems. Die Gemeinde Adelsdorf benutze dieses seit einem Jahr und sei sehr zufrieden damit.

Sensoren lösen Falle aus

Schockel erklärte, dass die herkömmliche Bekämpfung der Nagetiere mit Giftködern sehr viel aufwendiger sei. Die Köder müssten nach der Ausbringung regelmäßig kontrolliert werden, auch um eine Eintragung in die Umwelt zu verhindern. Der Einsatz von Gift sei auch weniger effizient, da die Ratten Resistenzen dagegen entwickelten. Zudem seien die Lagerung der Köder und die jährliche Schulung der Mitarbeiter recht teuer.

"Die Vorteile der mechanischen Bekämpfung überwiegen eindeutig", erläuterte Schockel.

Das System des schwedischen Herstellers Anticimex arbeitet mit in die Kanäle eingesetzten Röhren, sogenannten Smart Pipes. Bei Bewegung oder durch Körperwärme lösen Sensoren eine Art Bolzenfalle aus, die die Ratte zerquetscht. Über die Kanalisation werden die Kadaver dann am Auffanggitter der Kläranlage angespült.

Giftköder sind schlimmer

Was sich zunächst etwas brutal anhöre, ist laut Schockel aber deutlich besser als Giftköder. Bei diesen setze die Wirkung erst nach einigen Tagen ein, die Ratte erblinde zuerst und sterbe dann. Bei der mechanischen Falle müsse sie weniger leiden. Die Geräte seien digital vernetzt und lieferten genaue Daten, wann und wie oft die Bolzen ausgelöst wurden. In Adelsdorf habe man so in den beobachteten Bereichen die Schädlinge nach zwei bis drei Monaten fast komplett eliminieren können.

Die Ausschussmitglieder in Hemhofen ließen sich von den Vorteilen der mechanischen Bekämpfung überzeugen, insbesondere was den viel geringeren Arbeitsaufwand betrifft. Die Gemeinde will nun analog zu Adelsdorf vier Geräte mit einer Laufzeit von vier Jahren leasen. Pro Quartal sind dafür 1380 Euro und eine einmalige Einrichtungsgebühr von 1445 Euro zu veranschlagen.

Straßensperrung zeigt Wirkung

Außerdem befasste sich der Bauausschuss mit einigen aktuellen Fragen zur Verkehrsführung und -sicherheit. Bürgermeister Ludwig Nagel berichtete kurz über die Befragung zur Durchfahrtssperre an der Bergstraße. In einer Versammlung zu dem Thema hätte sich die Mehrheit der etwa 60 Teilnehmer für eine Beibehaltung der Sperre ausgesprochen. Die Gemeinde wolle nun auf den möglichen Umfahrungsrouten noch vier Wochen lang Verkehrszählungen machen und im Anschluss über eine dauerhafte Sperrung entscheiden. Grundsätzlich habe man aber das Gefühl, dass die Maßnahme die gewünschte Wirkung eines Verkehrsrückgangs erreicht, sagte Nagel.

Weniger stehenden Verkehr soll es künftig im Reihendorfer Weg geben. Die Einfahrt von der Hauptstraße ist oftmals durch beidseitig parkende Autos behindert. Insbesondere für größere landwirtschaftliche Fahrzeuge stellt dies ein Problem dar. Der Ausschuss einigte sich daher auf die Einführung eines absoluten Halteverbots auf der südlichen Straßenseite zwischen Hauptstraße und Barthelweiher.

Straßen und Wege beeinträchtigt

Zum Schluss wies der Bürgermeister darauf hin, dass die Gemeinde erneut die Beeinträchtigung der Straßen und Gehwege durch angrenzende Bäume oder Hecken begutachten werde. Grundsätzlich sollen an Straßen solche Behinderungen auf vier Meter, an Gehwegen auf 2,5 Meter Höhe beseitigt werden. Betroffene Grundstücksbesitzer werden benachrichtigt.