Über Depression zu sprechen, ist nicht einfach. Immer noch sind psychische Erkrankungen mit Scham verbunden. Sie gelten als sehr persönliche, intime Erfahrung, obwohl viele Menschen im Lauf ihres Lebens selbst eine Depression oder zumindest eine depressive Phase erleben - und aus ihrer eigenen Familie oder dem Freundeskreis Betroffene kennen. Mit dem Theaterstück "Ice Breaker" warfen Schüler der Eltmanner Wallburg-Realschule den Blick auf Depressionen von Jugendlichen und thematisierten die Erkrankung und deren Wirkung auf Geschwister in eindrucksvoller Weise.

Direktorin Manuela Küfner wies bei ihrer Begrüßung darauf hin, dass es genügend Depressionen in der Gesellschaft gebe und etwa vier Millionen Menschen davon betroffen seien, darunter auch Jugendliche. Oft werde Depression nicht als Krankheit gesehen. In der Schule habe man dazu viele Projekte, aber das Thema sei wirklich wichtig und nicht zuletzt deswegen habe man seit Dezember auch als kleine Schule einen eigenen Schulpsychologen.

AOK-Direktor Frank Dünisch freute sich über das große Interesse am Theaterprojekt, das die Krankenkasse sehr unterstütze, da das Thema Depressionen bei Kindern und Jugendlichen an vielen Stellen aktuell sei. "Circa drei Prozent der Kinder im Grundschulalter erkranken an Depressionen." Diese drückten sich oft in Form einer labilen Stimmung aus, etwa wenn die Kinder sich sehr ängstlich oder auch aggressiv verhalten.

"Jeder zwanzigste Jugendliche in Deutschland leidet an einer Depression und die Tendenz ist steigend", sagte Dünisch. Schaue man auf die stationären Klinikaufenthalte, so habe sich die Zahl sogar versechsfacht. Im Jahr 2000 habe das Statistische Bundesamt noch rund 2000 Fälle in Deutschland gezählt, zwölf Jahre später seien rund 13 000 Jugendliche wegen einer Depression stationär behandelt worden.

Depression oder Pubertät?

Oft würden depressive Symptome mit pubertärem Verhalten verwechselt, bedauerte er. Dies könne dazu führen, dass Eltern, Lehrer oder auch Ärzte die Depression übersehen. Sie zu erkennen sei aber umso bedeutsamere, da Suizide im Jugendalter zu den häufigsten Todesursachen zählten, berichtete der AOK-Direktor. Deswegen seien Prävention und Vorsorge wichtig. Auch gelte es, Schulstress oder die soziale Netzwelt als Signale richtig zu deuten.

"Wer war schon einmal in der Pubertät? Pubertät ist eine sehr spannende Frage", meinte der Theaterpädagoge Jean-Francois Drozak dann etwas provokativ in die Reihen der Schüler, Eltern und Theaterbesucher. Kinder seien stundenlang in der Schule nach vorne gerichtet, sollten dann noch Hausaufgaben machen. Ab wann seien sie schlecht drauf und wann sei es mehr als pubertär?

Das Theaterstück war als Präventionsstrategie gedacht. Dazu hatte der Theaterpädagoge in vier Tagen mit den Schülern die Szenen erarbeitet, um sie dann vor den Mitschülern und dem übrigen Publikum aufzuführen.

Im Mittelpunkt der Inszenierung standen Lisa und Alex, die sich zunächst ähnlich verhielten, im Verlauf des Stücks wurde dann aber deutlich, dass Alex ärztliche Hilfe braucht. Im Lauf der Zeit war die ganze Familie betroffen und dabei wurde dann die Tochter vernachlässigt.

Die Szenen begannen mit "Schlafstörungen" und der typischen Situation, dass Kinder nicht zum Frühstück und gar nicht in die Schule wollen, sich im Zimmer einschließen und zu "Weltschmerz-Monologen" ansetzen. Sie empfinden ihre Familie und ihr Umfeld als kleinkariert, haben Liebeskummer und fürchten sich vor dem Sitzenbleiben.

Lisa wünschte sich eine andere Welt und Alex war enttäuscht, weil seine Eltern nicht mit zum Fußballspiel kamen. "Der Trainer lässt nämlich nur die spielen, bei denen die Eltern da sind. Mein Kopf fühlt sich an wie ein Fußball, der immer nur aufgepumpt wird. Ich bin nur noch gespannt, wann er platzt."

Lisa und Alex sind in der Schule abgerutscht und die schlechten Noten machten die Eltern wütend. Die beiden lasen dann in den Tagebüchern ihrer Geschwister als eine Art "Beschwerdestelle" und sprachen über ihre Gedanken und Gefühle. Dabei wurde deutlich, dass Depression viele Gesichter hat - wie Interessenverlust, Antriebslosigkeit, mangelnde Konzentrations- und Entscheidungsfähigkeit oder ein negatives Selbstbild.

Depressionen sind heilbar

Das Publikum war immer wieder aufgefordert, anhand einer Checkliste mit Hinweisen (wie "am Morgen ist es am schlimmsten", "du magst nichts mehr essen", "du hast große Angst vor der Zukunft und siehst alles schwarz") Einschätzungen zu treffen. Wenn ein auffälliges Verhalten mindestens vier Wochen lang anhält, dann sollte man das Gespräch mit Vertrauten, Freunden oder auch einem Psychologen suchen, sagte Drozak. Am Ende des Theaterstücks erfuhren die Besucher, dass Depressionen heilbar sind, wenn man sie rechtzeitig erkennt und die Betroffenen auffängt.

Die Schüler Tim Rowald, Bastian Hetterich, Jana Bäuerlein, Rebecca Jess, Cea-Cavinia Hümmer, Coca Stärk, Svenia Schömig und Fiona Trunk aus den siebten und achten Klassen erhielten großen Applaus, Urkunden für ihre Leistung und kleine Geschenke. Jean-Francois Drozak meinte zum Schluss: "Alle Kinder brauchen Zuwendung, gleich ob sie gesund, gerade krank oder auf dem besten Weg zur Genesung sind, und das Gefühl: Du bist nicht allein!"