Und früher war doch alles besser. Mein Gott, bin ich froh, dass ich kein "native Digital" bin. Ich gehöre zu denen, die zum Telefonieren mit der potenziellen Freundin einen öffentlichen Fernsprecher gesucht haben. Klar hatten die Eltern Telefon, aber eines mit zu kurzer Schnur, so dass man die Liebesschwüre in der Regel vom Wohnzimmer aus in die Sprechmuschel flüstern musste, damit der Rest der Familie nicht von Dalli-Dalli abgelenkt war.

Also ein Telefon außerhalb. Meines stand bei der Post. 20 Pfennig für die erste Einheit, 30 Pfennig jede weitere. Und spätestens, wenn man dem Mädchen auf der anderen Seite der Leitung zuraunen wollte "Ich glaube, ich liebe dich", war das Geld exakt nach "ich glaube" zu Ende. Oder als dann das Internet kam, das prägte eine ganze Generation. Zehn Minuten bis eine Seite aufgebaut war, meine Kinder meckern heute bereits nach Millisekunden, dass unser WLAN wieder mal kaputt sei. Wir lernten auf unserem Weg der Digitalisierung Demut und Zeitplanung (mal abgesehen davon, dass in den meisten Haushalten sich Internet und gleichzeitig telefonieren, wegen fehlender Leitungskapazitäten ausschlossen). Ich habe, und ich gebe zu, dass ich an meinem Pad durchaus mal gerne zocke, nicht raus, was einen User bewegt, lieber stundenlang einen Ego-Shooter mit der Tastatur durch eine durchaus ansehnlich verpixelte Landschaft zu bewegen, statt selber auf Bäume zu klettern, durch die Wälder zu streifen und in Echtzeit und 3D Erfahrungen zu sammeln. Und das ist für mich dann ja die Absurdität schlechthin: Die Entwickler versuchen, alles immer lebensechter zu machen! Hallo!? Die Entwicklung ist da recht vollkommen, man muss halt das "Wischkästerl" ausschalten und die Tür im Hause nutzen. Wie frotzelte schon Jürgen von der Lippe (wenn auch in einem anderen Zusammenhang, aber durchaus passend): "Und er ging durch diese Kellertür. Und er sah Dinge, die er noch nie gesehen hatte: Bäume, Menschen, Autos." Beschimpfen Sie mich ruhig als Nostalgiker, als analogen Träumer. Das können Sie mir auf Facebook, Twitter, Snapchat, Wiktor, Instagram, LinkedIn, Telegramm und weiteren Kanälen mitteilen - bin ich überall aktiv. Oder, und das würde mich am meisten freuen: mit einem simplen Brief.